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01.12.2010

Vom Kinderwunsch zum Kinderkriegen

EU-Projekt und internationale Konferenz in Wien



Unsichere Arbeitsverhältnisse, Defizite in der Gleichstellung von Mann und Frau und Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind die Hauptgründe, warum Familien ihren Kinderwunsch nicht in die Tat umsetzen können. Das geht aus Untersuchungen des EU-Forschungsprojekts "Reproductive decision-making in a macro-micro perspective [Reproduktive Entscheidungsfindung aus der Makro- und Mikroperspektive]" (REPRO) hervor. Das Projekt wird im 7. Rahmenprogramm der Europäischen Kommission vom Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) koordiniert. Im REPRO Team arbeiten Forscher und Forscherinnen aus Bulgarien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Norwegen, der Schweiz, Ungarn und Österreich zusammen (www.repro-project.org). REPRO dokumentiert, dass der reproduktiven Entscheidungsfindung im Verständnis von Geburtenverhalten und Fertilitätstrends eine Schlüsselrolle zukommt.

Die Analysen zeigen, dass der Kinderwunsch häufig nicht im ursprünglich geplanten Ausmaß verwirklicht werden kann. Diese Einsicht eröffnet einen neuen Zugang für politische Maßnahmen: Eine explizite Fokussierung auf die Gründe, aus denen Kinderwünsche scheitern, wird zu einer Verbesserung der Maßnahmen führen und vor allem dazu beitragen, Hindernisse, die ihrer Verwirklichung im Wege stehen, soweit wie möglich zu beseitigen.

"Sozialpsychologische Untersuchungen des geplanten Verhaltens helfen uns, Fertilitätsintentionen zu verstehen und Maßnahmen, die zu ihrer Verwirklichung beitragen, zu identifizieren. Herkömmliche Mittel wie Kindergeld und Elternurlaub unterstützen die Eltern, indem sie ihnen Zeit und Geld für die Kinderbetreuung zur Verfügung stellen. Damit unterstützen sie das, was in der Theorie des geplanten Verhaltens als 'wahrgenommene Kontrolle' über Lebensbereiche, die in Zusammenhang mit Kindern stehen, bezeichnet wird", sagt Dimiter Philipov vom ÖAW-Institut für Demographie und wissenschaftlicher Koordinator des Projekts.

Es habe sich jedoch gezeigt, dass subjektive Normen und persönliche Einstellungen zur Fortpflanzung eine wichtige Rolle bei der Ausformung von Reproduktionsplänen spielen. Aus diesem Grund fördern herkömmliche Maßnahmen möglicherweise nur unzureichend die Herausbildung der Absicht, ein Kind zu bekommen, so der Wissenschaftler.

Persönliche Perspektiven im Makroumfeld

Jeder Mensch entwickelt seine Reproduktionspläne in einem Makroumfeld, das von Wohlfahrtsregimen, familienpolitischen und kulturellen Gegebenheiten geprägt ist. Reproduktive Entscheidungsfindung und reproduktives Verhalten sind das Ergebnis einer komplexen Interaktion des Einzelnen mit diesen auf der Makroebene angesiedelten Faktoren. Aufgrund der Komplexität dieses Szenarios können Maßnahmen, die in einem Land gut greifen, nicht unbedingt ebenso erfolgreich in einem anderen Land umgesetzt werden.

Die Diskussion darüber, dass politische Maßnahmen und soziale Akteure darauf abzielen sollen, die Menschen bei der Verwirklichung ihrer Reproduktionsabsichten zu unterstützen, hat nichts mit dem gesellschaftlichen Bedarf an Nachwuchs zu tun. "Durch Hilfestellung bei der Umsetzung von Kinderwünschen soll verhindern werden, dass Menschen unglücklich sind, weil sie die Kinder, die sie sich wünschen, nicht bekommen können. Damit werden keine spezifischen Auswirkungen auf der Makroebene, wie z.B. eine Erhöhung der Geburtenrate, bezweckt", betont Dimiter Philipov. Die Verwirklichung des Kinderwunsches müsse unterstützt werden, unabhängig davon, ob eine Erhöhung der Geburtenraten wünschenswert ist. Es könne jedoch davon ausgegangen werden, dass sich durch die Verwirklichung des Kinderwunsches letztlich auch die Fertilität erhöhen wird.

Internationale Konferenz in Wien

Am 2. und 3. Dezember 2010 findet eine vom ÖAW-Institut für Demographie organisierte Konferenz unter dem Titel "From Intentions to Behaviour: Reproductive Decision-Making in a Macro-Micro Perspective" statt. Es werden ca. 100 Teilnehmer(innen) erwartet. International anerkannte WissenschaftlerInnen werden in Beiträgen, zwei Diskussionsrunden sowie im Hauptreferat von Icek Aizen, einem der Begründer der Theorie des geplanten Verhaltens, die oben angeführten Themen behandeln.


Website des EU-Projekts
Weitere Informationen zur Konferenz


Kontakt:
Dr. Dimiter Philipov
Institut für Demographie
Zentrum Sozialwissenschaften
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
T+43 1 51581-7711
dimiter.philipov@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/vid


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