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15.12.2010

April 1945: Exil-Österreicher in hochriskanter Heimatmission

"Are you prepared to do a dangerous job?" im Verlag der ÖAW



Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs springen acht Männer in britischer Uniform per Fallschirm über der Obersteiermark ab. Vor dem Nationalsozialismus ins britische Exil geflüchtet, kehren sie als Agenten des Geheimdienstes Special Operations Executive in jenes Land zurück, aus dem sie Jahre zuvor durch den Rassenwahn des "Dritten Reichs" vertrieben worden sind. Sie sollen den lokalen Widerstand mobilisieren, um das Ende der Kampfhandlungen in dieser Region zu beschleunigen und einen Beitrag zur Befreiung ihrer einstigen Heimat von der totalitären Herrschaft zu leisten.

Wer sind diese Männer und welche Motive bewegen sie? Aus welchem familiären Umfeld kamen sie, auf welchen Wegen flüchteten sie nach Großbritannien, wie und warum wurden sie von einem Geheimdienst angeworben, wie erfolgte ihre Ausbildung und wie bewährten sie sich im Ernstfall? Auf diese und andere Fragen, wie jene nach der weiteren Karriere in Uniform und später im Zivilleben, versucht ein soeben erschienenes Buch der Wiener Historiker Elisabeth Lebensaft und Christoph Mentschl eine Antwort zu geben.

"Ziel der vom britischen Geheimdienst SOE organisierten riskanten Geheimmission war es, den Rückzug der deutschen Einheiten zu stören", führt Elisabeth Lebensaft aus, "gleichzeitig aber die Zerstörung strategisch wichtiger Infrastruktur wie etwa des Flughafens Zeltweg zu verhindern, und den lokalen Widerstand in die Vorhaben einzubinden."

Unter den acht Männern, die im Buch beschrieben werden, befanden sich Anton Walter Freud und Georg Breuer, deren Großväter Sigmund Freud und Joseph Breuer als die Begründer der Psychoanalyse gelten. Sieben dieser acht Männer waren jüdischer Herkunft und aufgrund ihrer Erfahrungen nach 1933 bzw. 1938 hoch motiviert, einen Beitrag zum Kampf gegen den Nationalsozialismus zu leisten.

"Diese Männer waren bereit, ein hohes persönliches Risiko in Kauf zu nehmen", ergänzt Christoph Mentschl, "die verdiente Anerkennung durch das offizielle Österreich blieb ihnen nach dem Krieg jedoch verwehrt." In der Nachkriegszeit wurden die meisten von ihnen bei der Kriegsverbrecherverfolgung in Deutschland eingesetzt, wobei es ihnen etwa gelang, sowohl Oswald Pohl, einen der Hauptorganisatoren des Holocaust, als auch Bruno Tesch, jenen Mann, der die nationalsozialistischen Vernichtungslager mit Zyklon B belieferte, dingfest zu machen.


Zu den Autor(inn)en:
Elisabeth Lebensaft ist stv. Direktorin des Instituts Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften i.R.
Christoph Mentschl ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften


Bibliographie:
Elisabeth Lebensaft - Christoph Mentschl
"Are you prepared to do a dangerous job?"
Auf den Spuren österreichischer und deutscher Exilanten im britischen Geheimdienst SOE
2010, 296 Seiten, zahlr. SW-Abb., broschiert, EUR 25,90
ISBN 978-3-7001-6964-2


Das Buch beim Verlag der ÖAW


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