Suche      Home      Kontakt      Sitemap      Deutsch
21.09.2009

Es hätte auch anders kommen können

Die Revolutionen von 1989: Internationale Konferenz



Das Risiko der Menschen, die in den Revolutionen 1989 in Ostmitteleuropa für mehr Freiheit auf die Straße gingen und schließlich die kommunistischen Regime zum Einsturz brachten, war erheblich. Das zeigen neue Forschungsergebnisse, die in einer internationalen Konferenz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) vom 1. bis 3. Oktober 2009 in Wien präsentiert werden. "Man wusste damals nicht, wie die politische Führung reagieren würde, man wusste nicht, ob nicht doch die Panzer rollen könnten", betonen die Organisatoren des Symposiums Arnold Suppan (Obmann Historische Kommission der ÖAW), Michael Gehler (Universität Hildesheim / ÖAW) und Wolfgang Mueller (Historische Kommission der ÖAW). Die erste Reaktion der Regierungen in Ostberlin und Prag wies in Richtung Gewalteinsatz. Eine "chinesische Lösung", der Einsatz von Panzern gegen Demonstranten wie kurz zuvor in Peking, wurde diskutiert. Gewaltmaßnahmen begannen. Suppan: "Dass die Revolutionen erfolgreich und weitgehend friedlich waren, ist den Menschen zu verdanken, die auf die Straße gegangen sind und damit sehr viel riskiert haben. Und andererseits den Menschen, die keinen Einsatzbefehl für die Panzer gegeben haben."

Hochkarätige Zeitzeugenrunden im Festsaal der ÖAW

Höhepunkte der Tagung werden öffentliche Podiumsdiskussionen mit Zeitzeugen sein, die damals die Wende einleiteten: Am 1. Oktober 2009 werden der "Solidarność"-Aktivist und erste nichtkommunistische Ministerpräsident Polens nach der Revolution, Tadeusz Mazowiecki, der ehemalige Dissident und spätere tschechoslowakische Außenminister Jiří Dienstbier, der DDR-Friedensaktivist und Minister Rainer Eppelmann und der damalige ungarische Kulturminister Ferenc Glatz über ihre persönlichen Erfahrungen berichten.

Eine weitere Zeitzeugenrunde am 2. Oktober 2009 mit Horst Teltschik, dem Berater des deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl, dem ehemaligen Politbüromitglied der KPdSU Wadim Medwedew und Philip Zelikow vom damaligen US-Sicherheitsrat ist der deutschen Wiedervereinigung gewidmet. Gorbatschow-Berater Andrei Gratschow wird die inneren Entscheidungsprozesse im Kreml beleuchten. "Der sowjetische Staatschef wollte zwar 1989 weder eine Auflösung des Warschauer Paktes noch eine Wiedervereinigung Deutschlands, verzichtete aber - gegen den Druck der Hardliner - auf Gewaltanwendung im Ausland", sagt Wolfgang Mueller. Im Baltikum rollten noch 1991 sowjetische Panzer. Der Westen versuchte eine Gratwanderung: die neuen Demokratien zu fördern und gleichzeitig Gorbatschow nicht zu destabilisieren.

Die Zeitzeugenrunden finden jeweils um 19:30 Uhr im Festsaal der ÖAW, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien, statt.

Bisher unveröffentlichte Akten osteuropäischer Archive

Das erklärte Ziel der Konferenz ist es, hochkarätige Zeitzeugen und Wissenschafter zusammenzuführen. Bei der Tagung werden Experten aus Europa, Russland und den USA (Harvard, Stanford, Washington) ihre Ergebnisse vorstellen. Die neuen Erkenntnisse stützen sich auf bisher unveröffentlichte Akten der ehemals kommunistischen Archive in Osteuropa, des Gorbatschow-Archivs, der amerikanischen National Security Archives und westeuropäischer Archive. Analysiert werden die Hintergründe der Revolutionen ebenso wie die Abläufe und Folgen, der Fall des Eisernen Vorhangs, die Wiedervereinigung Deutschlands sowie die Osterweiterung von NATO und EU. Auch die Rolle Österreichs wird berücksichtigt.

Die Konferenz mit Simultanübersetzung wird gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, der Stadt Wien, den Wiener Vorlesungen und der Stiftung Aufarbeitung veranstaltet.


Veranstaltungsort:
Festsaal der ÖAW, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien, 1. Stock
Theatersaal der ÖAW, Sonnenfelsgasse 19, 1010 Wien, 1. Stock

Der Eintritt zur Konferenz ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.


Weitere Informationen & Programm
"Thema des Monats" September 2009 zum Thema Zeitgeschichte


Kontakt:
Dr. Wolfgang Mueller
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Zentrum Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung
Historische Kommission
Strohgasse 45/2. Stock/4, 1030 Wien
T +43 1 51581-7311
wolfgang.mueller@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/histkomm


Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
T +43 1 51581-1218, 1219, 1229, 1235
F +43 1 51581-1227
public.relations@oeaw.ac.at