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16.03.2009

CeMM: Anfälligkeit für Tumore kann vererbbar sein

Publikation in "Nature Genetics"



Am Wiener Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist eine wichtige Entdeckung in der Krebsforschung gelungen: Wissenschaftler(innen) des CeMM fanden in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien heraus, dass eine Genvariante die Wahrscheinlichkeit, an einer bestimmten Blutkrebsart zu erkranken, erhöht. Träger(innen) dieser Genvariation haben ein bis zu sechsmal höheres Risiko an "MPN" zu erkranken. Damit wurde die erste Genvariation beschrieben, die den Erwerb einer krankheitserregenden Mutation begünstigt und somit eine erhöhte Anfälligkeit für eine Art des Blutkrebses mit sich bringt.

Eine Forscher(innen)gruppe am CeMM hat eine Genvariation auf Chromosom 9 entdeckt, die die Wahrscheinlichkeit erhöht, an dieser genetischen Stelle im Körper eine krankheitserregende Mutation zu erwerben. Die Studie wurde unter der Leitung von Robert Kralovics, Gruppenleiter am CeMM und in der klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie an der Medizinischen Universität Wien (MUW), durchgeführt. Erstautorin der Studie ist die CeMM Wissenschaftlerin Damla Olcaydu. Die Arbeit zeigt zum ersten Mal in der Krebsforschung, dass eine der zwei Varianten des JAK2-Gens, mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Mutation erwirbt und somit auch ein höheres Risiko für die Entstehung von Myeloproliferativen Neoplasmen (MPN) birgt. MPN ist eine Blutkrankheit ähnlich der Leukämie. Das Forschungsprojekt wurde in Zusammenarbeit mit Heinz Gisslinger, Bettina Gisslinger und Ingrid Pabinger von der Medizinischen Universität Wien an der Universitätsklinik für Innere Medizin I, Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie, durchgeführt. Die Forschungsergebnisse wurden in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsjournals "Nature Genetics" veröffentlicht, gemeinsam mit der Arbeit einer Forschergruppe um Nicholas C. P. Cross von der Universität Southampton in Salisbury, Großbritannien, die unabhängig zu den gleichen Ergebnissen gelangt ist.

Die so genannte JAK2-Kinase ist ein Enzym, das Signale von der Zellmembran zum Zellkern weiterleitet, also eine Art von Botenfunktion ausübt. Das Enzym reguliert das Zellwachstum und damit auch das Überleben der Zelle. Daher spielt es eine Schlüsselrolle in der Steuerung der Produktion von Blutzellen. Robert Kralovics war bereits in einer Forschergruppe um Radek Skoda in der Schweiz in der Krebsforschung tätig. Dort entdeckte er im Jahr 2005, dass bei ungefähr der Hälfte aller MPN-Patient(inn)en eine Mutation im JAK2-Gen vorkommt, welche zu einer Überproduktion von Blutzellen - eine der Hauptkennzeichen von MPN - führt. Die neuen Forschungsergebnisse zeigen jetzt, dass die JAK2-Mutation vor allem auf einer der zwei JAK2-Genvarianten, die in der westeuropäischen Bevölkerung vorkommen, entsteht. Im Wiener Allgemeinen Krankenhaus sind derzeit hunderte MPN-Patient(inn)en in Behandlung.

"Dass eine bestimmte Genvariation dazu neigt, krankheitserregende Veränderungen zu erwerben, konnte im Fall von anderen Arten des Blutkrebses bisher noch nicht beobachtet werden und ist daher eine neue und für die Krebsforschung wichtige Entdeckung. Somit drängt sich auch die These auf, dass DNA Sequenzen mit unterschiedlich hoher Wahrscheinlichkeit krebserregende Mutationen entwickeln. Dies wiederum kann die verschieden hohen Risiken von Menschen erklären, an einer bestimmten Krebsart zu erkranken. Das ist eine wichtige Entdeckung im Kampf gegen den Krebs", erklärt Robert Kralovics.

Ulrich Jäger, Leiter der klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie, ergänzt: "Die Zusammenarbeit mit CeMM ist für uns sehr wichtig. Wir sind stolz, dass die Forschergruppe um Robert Kralovics diesen Erfolg aufweisen kann und sind sicher, dass in Zukunft noch weitere wichtige Erkenntnisse folgen werden."

Giulio Superti-Furga, wissenschaftlicher Direktor des CeMM, betont abschließend: "Wir freuen uns, dass unsere strategische Partnerschaft mit der MUW, und insbesondere mit der Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie, bereits erste Früchte trägt. Umso mehr blicken wir auch der Fertigstellung unseres neuen Gebäudes im Frühjahr 2010 entgegen. Die einmalige Lage mitten auf dem AKH Gelände wird es uns erlauben, diese Kooperation in Zukunft noch zu intensivieren."

CeMM - Research Center for Molecular Medicine of the Austrian Academy of Sciences

CeMM, das Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ist eine internationale, unabhängige und interdisziplinäre Forschungseinrichtung im Bereich der Molekularmedizin. "Von der Klinik in die Klinik": CeMM verfolgt eine anwendungsorientierte Forschung auf dem Gebiet der Molekularmedizin durch die Zusammenführung und gegenseitige Beeinflussung von Grundlagen- und klinischer Forschung, wobei Krebs, Entzündungsprozesse und immunologische Krankheiten zu den wichtigsten Forschungsgebieten zählen. Zurzeit beschäftigt CeMM sechs international rekrutierte Principal Investigators und rund 60 weitere Wissenschaftler. Im Jahr 2010 wird CeMM in ein neues, maßgeschneidertes Gebäude im Herzen des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (AKH) einziehen, das zirka 100 Forschern und Forscherinnen Platz bieten wird.


Publikation:
A common JAK2 haplotype confers susceptibility to myeloproliferative neoplasms. Damla Olcaydu, Ashot Harutyunyan, Roland Jäger, Tiina Berg, Bettina Gisslinger, Ingrid Pabinger, Heinz Gisslinger, Robert Kralovics. Nature Genetics. Online veröffentlicht am 15. März 2009.
dx.doi.org/10.1038/ng.341


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