Suche      Home      Kontakt      Sitemap      Deutsch

Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen und Nahrungsmittel

Neue Herausforderungen für die europäische Regulierung



Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen und Nahrungsmittel waren seit jeher wichtige Themen der Technikfolgenabschätzung. Acht Mitglieder von EPTA, der Vereinigung der Europäischen Institute für Parlamentarische Technikfolgenabschätzung, darunter das Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), nutzten ihre Erfahrung auf diesem Gebiet, um zukünftige Herausforderungen auszumachen. Die Ergebnisse wurden soeben in einem Bericht publiziert.

Auch nach zwei Jahrzehnten bleiben die landwirtschaftliche Gentechnik und ihre Regulierung in Europa umstritten. Themen wie die Koexistenz mit konventionellen Nutzpflanzen und solchen aus biologischer Landwirtschaft sind weiter Gegenstand der Debatte. In Europa gab es mehrfach Probleme bei der Zulassung von Gentechnik-Sorten, auf globaler Ebene kam es zu Handelskonflikten im Rahmen der WTO. Im Vergleich zu den USA und anderen Ländern ist der Anbau in Europa verschwindend gering. Die Zukunft der Gentechnik in der europäischen Landwirtschaft ist unklar wie eh und je.

Trotz der scheinbar unveränderten Situation zeigt der Bericht einige Entwicklungen auf, die neue Herausforderungen für die öffentliche Debatte und die europäische Politik bringen. Abgesehen vom Thema der Regulierung gab es rasante technologische Entwicklungen und weit reichende Veränderungen in den Rahmenbedingungen:

  • Neue Sorten von Nutzpflanzen mit neuen Eigenschaften werden bald Gegenstand von Zulassungsverfahren. Eine neue Generation von Gentechnik-Pflanzen, die medizinische Substanzen, Industriechemikalien etc. produzieren, steht vor der Tür.
  • Die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten hat sich gewandelt und betrifft mehr Energiepflanzen. Die Marktbedingungen schwanken stark mit den Energiemärkten.
  • Veränderte Umweltfaktoren und die Anforderungen an eine nachhaltige Entwicklung haben die Bedingungen für die Landwirtschaft vielerorts verändert.

Der Bericht zeigt, dass die Zukunft der landwirtschaftlichen Gentechnik in Europa jedenfalls nicht nur von den Details der Regulierung abhängt, sondern davon, welche Art einer nachhaltigen Landwirtschaft sich im Licht unterschiedlicher, oft gegensätzlicher Ziele entwickeln wird. Um die zukünftige Rolle von gentechnisch veränderten Pflanzen und Nahrungsmitteln festzulegen, ist ein breiter öffentlicher Dialog erforderlich.

Daneben gerät die europäische Politik durch den wachsenden weltweiten Anbau gentechnisch veränderter Sorten, drohende Handelskonflikte, den Ausbau internationaler Regulierungen und unterschiedliche Risikoabschätzungen in verschiedenen Ländern unter Druck. Trotzdem sind die meisten der befragten Expertinnen und Experten überzeugt, dass die Prinzipien der EU-Regulierung beibehalten werden können. Der jüngste WTO-Konflikt zeigte außerdem, dass unterschiedliche internationale Vereinbarungen auf einen Nenner gebracht werden müssten. Es stehen daher nicht nur gentechnikspezifische Themen zur Debatte, sondern auch die mögliche Integration sozialer Standards und Umweltstandards in die WTO-Regulierung.

Probleme auf WTO-Ebene wurden oft auf die unterschiedlichen Interpretationen der EU-Richtlinien der europäischen Mitgliedsstaaten zurückgeführt. Mögliche Lösungen wären, entweder den Ländern mehr Eigenverantwortung zu überlassen (Subsidiarität) oder die Harmonisierung zu verstärken. Vielen befragten Expertinnen und Experten schienen Harmonisierung und Behördenreform bessere Möglichkeiten, die EU-Regulierung robuster zu gestalten.

Insgesamt wurden fünf Schlüsselbereiche identifiziert, in denen der europäischen Gentechnik-Politik demnächst Herausforderungen erwachsen könnten:

  • Neue Triebkräfte für die Einführung von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen
  • Neuartige Gentechnik-Pflanzen, -Technologien und -Anwendungen
  • Die öffentliche Meinung - nach wie vor ein entscheidender Faktor
  • Koexistenz und Kennzeichnung, wenn mehr gentechnisch veränderte Pflanzen in Europa und in der Welt angebaut werden
  • Internationale Handelsregeln und nationale Entscheidungsfindung

Der Bericht vermittelt ein Bild der derzeitigen Lage, bezeichnet zukünftige Herausforderungen und gibt Hinweise auf mögliche Lösungswege. Die Ergebnisse sind in Form von Schlussfolgerungen und nicht als Politik-Empfehlungen zusammengefasst.


Kontakt:
Dr. Rolf Meyer
T +49-7247-824868
meyer@itas.fzk.de

Sabine Stemberger
Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA)
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
T +43 1 51581-6586
F +43 1 7109883
sabine.stemberger@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/ita


Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
T +43 1 51581-1218, 1219, 1229, 1235
F +43 1 51581-1227
public.relations@oeaw.ac.at