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20.04.2009

Leukämieforschung: CeMM-Forscher entschlüsseln Protein-Netzwerk

Publikation im Wissenschaftsjournal "PNAS"



Wissenschaftler(inne)n am CeMM (Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) ist erstmals die Entschlüsselung des Protein-Komplexes rund um das in der Chronisch Myeloischen Leukämie entscheidende Onkogen Bcr-Abl gelungen. Bcr-Abl ist das Zielmolekül der ersten gezielten Arzneistoffe gegen Krebs.

Die Studie wurde von einer Forschergruppe am CeMM unter der Leitung des wissenschaftlichen Direktors Giulio Superti-Furga durchgeführt und ist vorab online im Wissenschaftsjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS)" erschienen. Marc Brehme, gemeinsam mit Oliver Hantschel einer der zwei Erstautoren, erklärt die Forschungsergebnisse: "Durch unsere Forschungsarbeit ist es nun erstmals gelungen, das genaue molekulare Umfeld von Bcr-Abl in Leukämiezellen zu kartieren. Auf dieser neuen Landkarte zeigt sich eine molekulare Maschine aus insgesamt acht Komponenten rund um Bcr-Abl. Da bereits zahlreiche Informationen über die Signalwege von Bcr-Abl in Zusammenhang mit Leukämie bekannt sind, waren wir umso mehr überrascht, als es uns gelang, eine Gruppe von sieben engen Partnern von Bcr-Abl in der Leukämiezelle ganz klar zu identifizieren. Zudem konnten wir mit dem Eiweißstoff Sts-1 erfreulicherweise auch einen neuen Partner von Bcr-Abl entdecken. Dass Sts-1 offenbar auch eine Rolle im Kontext mit Bcr-Abl spielt, war bisher nicht bekannt. Dieser Eiweißstoff birgt beträchtliches Potential für zukünftige Forschungsanstrengungen. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass es möglicherweise ein negativer Regulator von Bcr-Abl sein könnte. Desweiteren konnten wir mit hochmodernen Technologien feststellen, dass diese 'Molekulare Maschine' durch die Wirkung spezifischer Medikamente gegen Leukämie fast zur Gänze zerstört wird, aber dennoch in modifizierter Form überlebt."

Giulio Superti-Furga, wissenschaftlicher Direktor am CeMM, ergänzt: "Aufgrund dieser wichtigen Beobachtung sind wir gezwungen, die Zielmoleküle von Medikamenten neu zu betrachten - in Zukunft sollte man in diesem Zusammenhang eher ganze Proteinkomplexe untersuchen, als nur einzelne Proteine."

Bcr-Abl ist aus der Medikamentenforschung nicht mehr weg zu denken, seit es Novartis möglich gewesen ist, den Wirkstoff Imatinib - auch bekannt Glivec - zu entwickeln, der direkt die Ursache dieser Krebsart hemmt. Bcr-Abl kommt bei fast allen CML Patienten (Chronische Myeloische Leukämie) vor. Durch Imatinib können die meisten von ihnen "geheilt" werden, wenn die Krankheit früh genug entdeckt wird. Dennoch entwickeln viele Patienten auch eine Resistenz gegen das Medikament. Wissenschaftler(innen) erforschen daher intensiv die molekularen Grundlagen der Krankheit, um so in Zukunft neue therapeutische Methoden zu finden, die auch bei möglichen Resistenz-Erscheinungen wirksam sind. Die Ergebnisse dieser Studie stellen einen entscheidenden Schritt in diese Richtung dar.

"Die Studie ist eine gute Grundlage für weitere, und vor allem effektivere Forschungsarbeiten auf der Suche nach alternativen Medikamenten, um in Zukunft CML Patienten noch besser helfen zu können", stellt Giulio Superti-Furga fest.

CeMM - Forschungszentrum für Molekulare Medizin

CeMM, das Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ist eine internationale, unabhängige und interdisziplinäre Forschungseinrichtung im Bereich der Molekularmedizin. "Von der Klinik in die Klinik": CeMM verfolgt eine anwendungsorientierte Forschung auf dem Gebiet der Molekularmedizin durch die Zusammenführung und gegenseitige Beeinflussung von Grundlagen- und klinischer Forschung, wobei Krebs, Entzündungsprozesse und immunologische Krankheiten zu den wichtigsten Forschungsgebieten zählen. Zurzeit beschäftigt CeMM sechs international rekrutierte Principal Investigators und rund 70 weitere Wissenschaftler. Im Jahr 2010 wird CeMM in ein neues, maßgeschneidertes Gebäude im Herzen des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (AKH) einziehen, das ca. 100 Forschern und Forscherinnen Platz bieten wird.


Publikation:
Charting the Molecular Network of the Drug Target Bcr-Abl. Marc Brehme, Oliver Hantschel, Jacques Colinge, Ines Kaupe, Melanie Planyavsky, Thomas Köcher, Karl Mechtler, Keiryn L. Bennett and Giulio Superti-Furga. Proc Natl Acad Sci U S A. Online veröffentlicht am 20. April 2009.
dx.doi.org/10.1073/pnas.0900653106


Press Release English [PDF]


Kontakt:
Prof. Dr. Giulio Superti-Furga
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