Suche      Home      Kontakt      Sitemap      Deutsch
15.11.2007

Zukunftsperspektiven der Bodennutzung

The 2007 Kerner von Marilaun Declaration on Soils



Am 8. und 9. November 2007 fand der jährlich von der Kommission für Interdisziplinäre Ökologische Studien organisierte Kerner von Marilaun Workshop statt. Kerner von Marilaun Workshops haben das Ziel, neue Ansätze und Kooperationen auf dem Gebiet der ökologischen Langzeitforschung zu entwickeln. Beim diesjährigen KvM Workshop wurden Zukunftsperspektiven der Bodennutzung durch ein internationales Expert(Inn)enkomittee ausgearbeitet. Insbesondere wurde auf die langfristigen sozio-ökologischen Trends der Bodennutzung Bezug genommen. Unter anderem ist dazu die folgende Deklaration verabschiedet worden.

Die Kerner von Marilaun Boden-Deklaration 2007

Der 4. Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderung, IPCC)&sup1 stellt unmissverständlich fest, dass der weltweite Temperaturanstieg auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist. Die Rolle von Böden im Hinblick auf den weltweiten Klimawandel verdient aufgrund ihrer überragenden Bedeutung für die Versorgung der Menschheit mit lebenswichtigen Gütern unsere dringende Aufmerksamkeit.

Böden erfüllen ein breites Spektrum von ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Funktionen. Diese Funktionen umfassen unter anderem die Produktion von Lebensmitteln und Biomasse im weitesten Sinn; die Bereitstellung von Ressourcen; sowie das Speichern, Filtern und die Transformation von lebensnotwendigen Stoffen (z.B. Wasser). Böden stellen für die Menschheit eine physische und kulturelle Grundlage, einen natürlichen Lebensraum dar, und sie beherbergen den größten Genpool der Biosphäre.

Der Druck auf Böden wächst dramatisch. Böden müssen ins Zentrum der Diskussion um globale Umweltveränderungen ("global change") gerückt werden, um bei den Entscheidungsträgern das Verständnis für das Potenzial, die Grenzen und die Verletzlichkeit des Bodens zu wecken. Insbesondere Strategien für eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung in einer sich rasch ändernden Welt verlangen ein besseres Verständnis der Interaktion zwischen Böden und Mensch.

Wir befinden uns in einer Zeit immer rascher voranschreitender Veränderungen in der Landwirtschaft, da der Mensch versucht, den Nahrungs- und Energiebedarf einer wachsenden Weltbevölkerung zu decken, und dies bei begrenzten Ressourcen und dem gleichzeitigen Bestreben, die Teibhausgas-Emissionen zu reduzieren. Das Ausmaß dieser Herausforderung ist vergleichbar mit den Veränderungen, die die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts für die Landwirtschaft mit sich brachte, und deren Weiterentwicklung durch die Einführung von Kunstdünger und Pestiziden im zwanzigsten Jahrhundert.

In der kürzlich veröffentlichten globalen Umweltprognose des United Nations Environment Program&sup2 wird die Verletzlichkeit der Böden unterbewertet. In dieser Studie wird festgehalten, dass Bodendegradation reversibler ist als andere Prozesse der globalen Umweltveränderung, wie z.B. das Ansteigen des Meeresspiegels oder das Artensterben. Böden sind eine nicht erneuerbare Ressource, da die Entstehungszeit eines Bodens zehntausende bis hunderttausende von Jahren beträgt. Die natürlichen Grenzen der Bodennutzung werden durch Bodendegradation zusätzlich verschärft, insbesondere durch deren Auswirkung auf eine Vielzahl von Prozessen, die zur Erhaltung der Böden dienen.

Der Einfluss des Menschen auf Böden ist komplex und ortsspezifisch und beeinflusst die Biodiversität, die Verfügbarkeit und Qualität des Wassers und die Atmosphäre. Unser rasch wachsender Bedarf an Nahrung und Energie stellt an den Boden wachsende und gegensätzliche Anforderungen. Entwicklungsfragen, Ernährungssicherung, Umweltschutz, unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, soziale Ungleichheit und bewaffnete Konflikte, alles das hat Einfluss auf den Boden.

Für gut durchdachte, effektive politische Maßnahmen werden umfassende Kenntnisse über Boden, Wasser, Luft, Flora und Fauna benötigt. Dies setzt voraus, dass wir die Rolle der Böden als Vermittler zwischen den globalen Wasser- und Element-Flüssen verstehen sowie die Verbindungen zwischen ortsspezifischen und weltweiten Prozessen. Die Interaktionen zwischen Mensch und Boden sollten ein zentrales Anliegen für uns sein, wenn wir uns der Herausforderung stellen wollen, zukünftigen Generationen fruchtbare Böden zu hinterlassen.

Workshop-Teilnehmer: Barbara Amon, Thomas Amon, Andreas Baumgarten, Winfried E.H. Blum, Klaus Butterbach-Bahl, Gregory Cushman, Michael Englisch, Markus Fiebig, Emmanuel Frossard, Martin Gerzabek, Gerhard Glatzel, Helmut Haberl, Franz Heinzlmaier, Sigbert Huber, Ellen Kandeler, Klaus Katzensteiner, Hans-Peter Kaul, Fridolin Krausmann, Helga Kromp-Kolb, Ernst Langthaler, Gregg Marland, Andreas Müller, Nebojsa Nakicenovic, Marion Ramusch, Kate B. Showers, Heide Spiegel, Verena Winiwarter, Wilfried Winiwarter, Sophie Zechmeister-Boltenstern.


&sup1 IPCC AR 4, Synthesis Report: Climate Change 2007. Release: November 17, 2007
&sup2 Global Environment Outlook GEO 4, Environment for Development, ed. United Nations Environment Programme, 2007.


English:
The 2007 Kerner von Marilaun Declaration on Soils


The fourth report of the Intergovernmental Panel on Climate Change&sup1 makes it clear that global temperatures are on the rise due to human activities. The role of soils in global climate change merits immediate attention due to its paramount importance for human sustenance.

Soils perform a multitude of key environmental, economic, social, and cultural functions. These functions include production of food and other biomass products; provision of resources; and the storage, filtering, and transformation of materials (such as water) that are vital for life. Soils are a physical and cultural environment for humankind, a natural habitat, and they sustain the largest gene pool in the biosphere.

Pressures on soils are increasing dramatically. Soils need to become central to global change discussions in order to advise policy makers in their understanding of the potentials, limits, and vulnerabilities of soils. In particular, strategies for sustainable management of soils in a rapidly changing world require a better understanding of soilhuman interactions.

We are in the midst of a dramatic acceleration of agricultural change as the world strives to meet the food and energy needs of a growing population within the framework of resource limitations and the desire to reduce greenhouse gas emissions. In its scope and size the challenge is comparable to the transformation of agriculture which took place as part of the Industrial Revolution of the nineteenth century and its extension by the introduction of synthetic fertilizer and pesticides during the twentieth century.

The recent global environmental outlook by the United Nations Environment Program&sup2 understates the vulnerability of soils when stating that land degradation is more reversible than other processes of global change - such as sea-level rise and species extinction. Soils are a nonrenewable resource, with soil building times between 10.000s and 100.000s of years. Degradation is exacerbating the natural limitations of soils, in particular by affecting a wide range of processes that maintain soils.

Human impacts on soils are complex and site specific; resulting in pressures on biodiversity, water availability and quality, and the atmosphere. Our rapidly increasing needs for food and energy place growing and conflicting demands on soil. Development issues, food security, nature conservation, our dependence on fossil fuels, social inequality, and armed conflict, all have a bearing on soils.

Well informed, effective public policy requires integrated knowledge of soils, water, air, and biota. It requires that we understand the role of soils as mediators in global water and element fluxes and the linkages between site specific and global processes. Human-soil interactions must be a center of concern if we are to meet the challenge of providing future generations with productive soils.

Workshop participants: Barbara Amon, Thomas Amon, Andreas Baumgarten, Winfried E.H. Blum, Klaus Butterbach-Bahl, Gregory Cushman, Michael Englisch, Markus Fiebig, Emmanuel Frossard, Martin Gerzabek, Gerhard Glatzel, Helmut Haberl, Franz Heinzlmaier, Sigbert Huber, Ellen Kandeler, Klaus Katzensteiner, Hans-Peter Kaul, Fridolin Krausmann, Helga Kromp-Kolb, Ernst Langthaler, Gregg Marland, Andreas Müller, Nebojsa Nakicenovic, Marion Ramusch, Kate B. Showers, Heide Spiegel, Verena Winiwarter, Wilfried Winiwarter, Sophie Zechmeister-Boltenstern.


&sup1 IPCC AR 4, Synthesis Report: Climate Change 2007. Release: November 17, 2007
&sup2 Global Environment Outlook GEO 4, Environment for Development, ed. United Nations Environment Programme, 2007


Kontakt:
Martin Gerzabek
martin.gerzabek@boku.ac.at
Verena Winiwarter
verena.winiwarter@uni-klu.ac.at


Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
T +43 1 51581-1218, 1219, 1229, 1235
F +43 1 51581-1227
public.relations@oeaw.ac.at