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23.10.2006

Entwicklungszusammenarbeit braucht Wissenschaft und Forschung

ÖAW-Kommission für Entwicklungsfragen fordert 0,7 Prozent des  Forschungsbudgets für internationale Forschungspartnerschaften



Bei einer Pressekonferenz anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Kommission für Entwicklungsfragen (KEF) an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) forderten KEF-Vertreter(innen) dringend Maßnahmen, um den Beitrag Österreichs zu direkter Forschungszusammenarbeit mit so genannten Entwicklungsländern signifikant zu erhöhen und eine professionelle und nachhaltige wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern zu ermöglichen.

"Viel hat sich verändert in 25 Jahren im Bereich der internationalen Forschung, doch das KEF-Budget ist leider immer noch gleich - gleich niedrig wie vor 25 Jahren", betonte KEF-Koordinatorin Birgit Habermann. "Wissenschaft und Forschung wurden in Österreich bisher nur am Rande in Zusammenhang mit der Entwicklungszusammenarbeit gesehen. Die stärkere Vernetzung der betroffenen Politikbereiche Wissenschaft, Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit ist dringend erforderlich", so Habermann weiter. Mit 140.000 Euro jährlich wird die Arbeit der KEF - die Evaluierung, Bewilligung und Unterstützung von gemeinsamen Forschungsprojekten von österreichischen Wissenschafter(inne)n und Partner(inne)n aus Ländern des Südens mit Fokus auf Entwicklungszusammenarbeit - vom Wissenschaftsministerium finanziert. Damit ist auch das Limit für Forschungsprojekte mit Kontext der Entwicklungszusammenarbeit auf nach wie vor niedrigem Niveau festgeschrieben. Dennoch konnten bisher 63 Projekte in 29 Ländern finanziert werden; derzeit laufen 13 Projekte, jedes Jahr werden 6 bis 7 neue Projekte von der KEF evaluiert und bewilligt.

Kaum Unterstützung für junge Forscher(innen)

Gerhard Glatzel, KEF-Vorsitzender und Professor für Waldökologie an der Universität für Bodenkultur, kritisierte die mangelnde institutionelle Unterstützung gerade für junge Forscher(innen) in diesem Bereich: "Im Zuge der Neuausrichtung sind die österreichischen Universitäten noch mehr gezwungen worden, den wissenschaftlichen Publikationsindex, das Werben von Drittmitteln und die Lehre als einzige Maßstäbe zu sehen. Es gibt kaum noch Anreize für junge österreichische Forscher(innen), mit Partnern aus so genannten Entwicklungsländern zusammenzuarbeiten, noch dazu, wenn es um engagierte Forschung für die Menschen in diesen Ländern geht", so Glatzel. Weder Wissenschafter(innen) in Entwicklungsländern noch an Kooperation interessierte österreichische Wissenschafter(innen) seien in der derzeitigen Situation in der Lage, nachhaltig gesicherte Kooperationen in fairer Partnerschaft aufzubauen, obwohl es äußerst interessante Forschungsbereiche gebe - zum Beispiel Energie und Ressourcen.

"Forschungsförderung nur für den eigenen Vorteil ist kurzsichtig"

"Derzeit sehe ich in Österreich eine Tendenz, Forschungsförderung vor allem auf den 'eigenen Vorteil' anzulegen; also die wirtschaftliche Verwertbarkeit von Forschung in den Vordergrund zu stellen mit der Motivation der Standortsicherung, und für eine bessere Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Das ist in meinen Augen ein wenig kurzsichtig", sagte Rudolf Orthofer, KEF-Mitglied und Mitarbeiter bei Austrian Research Centers. "Wir brauchen mehr Wissen und interdisziplinäre Zusammenarbeit, um das Funktionieren unserer einzigen Welt zu verstehen und eine Welt in Balance zu schaffen." Sowohl der Aufbau von mehr Wissen über Veränderungen in Gesellschafts- und Sozialsystemen als auch der Aufbau von Forschungs- und Bildungs-Kooperationen als Teil der globalen Solidarität ist für Orthofer dringend erforderlich.

Mehr Mittel, Kohärenz und eigene Förderlinie nötig

Die KEF fordert eine rasche Erhöhung der real vorhandenen Mittel für Projekt- und Programmforschung für Entwicklung (bilaterale Zusammenarbeit) auf zunächst 0,7 Prozent des österreichischen Projekt- und Programmforschungsbudgets. Dies würde bei den laut Forschungs- und Technologiebericht 2005 vorhandenen Mitteln bei FWF (111,3 Millionen Euro) und FFG (369 Millionen Euro) für Projekte und Programme einen Betrag von 3,36 Millionen Euro ausmachen. Laut Auskunft der ADA (Austrian Development Agency) belaufen sich die Ausgaben für über die Statistik erfasste Einzelprojekte bilateraler Zusammenarbeit inklusive der KEF im Bereich Forschung für Entwicklung auf 341.624 Euro (2004). "Im Vergleich dazu sollte man wissen, dass Schweden im Jahr 2005 54 Millionen Euro für Forschung in so genannten Entwicklungsländern bereit gestellt hat", hielt KEF-Koordinatorin Birgit Habermann fest.

Ebenso dringend erforderlich ist nach Ansicht der KEF die Verbesserung von Kohärenz und Vernetzung zwischen den betroffenen Politikbereichen Wissenschaft, Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit. "Allein schon die Tatsache, dass es im Gegensatz zu Schweden in Österreich sehr schwierig ist, die gesamten Beiträge und Leistungen für Forschung für Entwicklung herauszufinden, zeigt die mangelnde Kohärenz in Österreich deutlich auf", so KEF-Koordinatorin Birgit Habermann.

Die Einrichtung einer eigenen Förderlinie für Forschung für Entwicklung bezeichneten die KEF-Vertreter(innen) als "mehr als wünschenswert", um die professionelle Zusammenarbeit von österreichischen Forschungsprojekten mit Partnerinstitutionen in sog. Entwicklungsländern langfristig finanziell absichern zu können.

Buchpräsentation, Symposium und Ausstellungseröffnung

Im Rahmen der Pressekonferenz wurde auch das neue, von der KEF herausgegebene Buch "Gemeinsam Forschen, Gemeinsam Lernen. Forschungspartnerschaften in der Entwicklungszusammenarbeit" präsentiert. Neu ist auch die aktuelle KEF-Ausstellung "Forschungsreise durch Raum und Zeit. Wie Wissenschaft Äthiopien und Österreich verbindet", die am 24. Oktober 2006 im Anschluss an das KEF-Symposium "Researching Development or Developing Research? A New Era for Mutual Gains in Scientific Cooperation" von 17.00 bis 19.00 Uhr im Festsaal der Akademie der Wissenschaften feierlich eröffnet wird. Die Ausstellung ist bis 17. November 2006 in der Aula der Akademie der Wissenschaften zu sehen und soll danach in Kooperation mit der Südwind Agentur und mit Unterstützung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit an Schulzentren, in Universitäten und an öffentlichen Orten präsentiert werden.


Weitere Informationen zum Symposium
Weitere Informationen zur Ausstellung


Kontakt:
Mag. Birgit Habermann, MSc
Kommission für Entwicklungsfragen (KEF)
bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
A-1010 Wien
T +43 1 51581-3202
Birgit.Habermann@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/kef


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