Suche      Home      Kontakt      Sitemap      Deutsch

Suche nach der Vergangenheit

Internationaler Workshop "Archäologie der Identität"



Was verraten Kleidung oder Bestattungsrituale darüber, welcher ethnischen, sozialen oder religiösen Gruppe ein Mensch angehört hat? Das ist eine der Fragen, mit der sich der internationale Workshop "Archäologie der Identität" auseinander setzt. Er findet am 17. und 18. März 2006 an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) statt.

Historiker, Archäologen und Ethnologen analysieren, wie und unter welchen Bedingungen archäologische Funde Rückschlüsse auf vergangene Zugehörigkeiten oder politische Entwicklungen der Zeit erlauben. Die methodischen Anforderungen, die eine "Archäologie der Identität" an die Forschung stellt, sind ebenfalls Thema der Veranstaltung. Zum Workshop werden führende Fachwissenschaftler aus Österreich, Deutschland, Italien, Großbritannien, den USA, Ungarn, Polen, und den Niederlanden erwartet.

Im Mittelpunkt des Workshops steht die Frühmittelalterforschung. In dieser Wissenschaftsdisziplin spielen die Möglichkeiten und Grenzen einer historischen Interpretation archäologischer Erkenntnisse eine große Rolle: "Aus dem Frühmittelalter gibt es weniger schriftliche Quellen, als aus den Zeiten davor und danach", sagt der Historiker Walter Pohl, Direktor des Instituts für Mittelalterforschung der ÖAW. In manchen Gebieten sind archäologische Funde sogar die einzigen Quellen. Doch genau im Frühmittelalter entwickelte sich in Europa die politische Gliederung in eine Welt von Völkern. Pohl: "Es stellt sich die Frage, ob sich dieser Prozess mit Hilfe der Archäologie untersuchen lässt."

Themen des internationalen Meetings sind frühmittelalterliche Bestattungsrituale und das Problem der ethnischen Interpretation von Kleidung, Schmuck, Bewaffnung sowie Gebrauchsgegenständen. "Mit archäologischen Methoden kann eine Bevölkerung nach bestimmten objektiven Merkmalen definiert werden. Doch erlaubt uns das den Rückschluss auf das subjektive Bewusstsein der Zugehörigkeit zu einem Volk?", betont Pohl. Die Möglichkeiten naturwissenschaftlicher Methoden wie der Genanalyse werden ebenfalls erörtert.

Der Workshop knüpft an die aktuellen Debatten um ethnische Interpretationen an sowie an der Grundsatzfrage, ob die Archäologie überhaupt nach den Spuren vergangener Völker suchen soll. Durch die Einbeziehung sozialer, religiöser, kultureller und Geschlechter-Identitäten kann die Problematik der Archäologie von Identität in einen breiteren Zusammenhang gestellt werden.

Der Workshop "Archäologie der Identität" findet im Rahmen des Wittgensteinprojekts "Ethnische Identitäten im frühmittelalterlichen Europa" statt. Das auf fünf Jahre konzipierte Projekt wurde 2005 mit den Mitteln des Wittgensteinpreises des Wissenschaftsfonds FWF eingerichtet. Walter Pohl wurde 2004 mit diesem höchstdotierten Wissenschaftspreis Österreichs ausgezeichnet.


Weitere Informationen


Kontakt:
Univ. Prof. Dr. Walter Pohl
Institut für Mittelalterforschung
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Prinz-Eugen-Strasse 8
A-1040 Wien
T +43 1 51581-7240
F +43 1 51581-7250
walter.pohl@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/gema


Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
T +43 1 51581-1218, 1219, 1235
F +43 1 51581-1227
public.relations@oeaw.ac.at