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Sensation in Krems: Neues Grab aus ältester Zeit

Archäolog(inn)en der ÖAW legen prähistorisches Säuglingsskelett frei



Nicht einmal ein Jahr, nachdem die Entdeckung der 27.000 Jahre alten Doppelbestattung von Neugeborenen in Krems (NÖ) für internationale Schlagzeilen gesorgt hatte, gelang den Archäolog(inn)en der Prähistorischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ein weiterer unerwarteter Sensationsfund: Etwa einen Meter neben der 2005 freigelegten Bestattung tauchte in diesen Tagen eine zweite kleine Grabgrube auf.

Anders als bei der Doppelbestattung war diese jedoch nicht durch ein Mammutschulterblatt abgedeckt gewesen. Trotzdem blieben an der Sohle die fragilen Skelettreste eines Säuglings erhalten. Auch diese Bestattung war vollkommen in ein dickes Rötelpaket gebettet. Die Konturen dieser roten Farbe deuten auf die Verwendung einer organischen Hülle wie z. B. Leder hin.

War schon die Doppelbestattung ein weltweit einzigartiger Fund, so zeigten sich die Forscher(innen) von der Auffindung eines in unmittelbarer Nähe gelegenen weiteren Kindergrabes völlig überrascht. "Diese bisher nie beobachtete Situation von zwei dicht beieinander liegenden Kindergräbern der jüngeren Altsteinzeit wirft viele neue Fragen zur Lebensart und -kultur dieser frühen Jäger- und SammlerInnen-Populationen auf", betont Projektleiterin Christine Neugebauer-Maresch.

Unterstützt durch den Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung versucht das Team um den Grabungsleiter Thomas Einwögerer, nun die Häufigkeit und Intensität der Nutzung des Siedlungsareals zu rekonstruieren. Dies ist eine der Voraussetzungen für die Interpretation der bisher aufgefundenen Bestattungen. Durch die hervorragenden Erhaltungsbedingungen, die diesen Fundplatz am Wachtberg von Krems auszeichnen, ist eine Analyse der Feinstruktur dieser Ansiedlung möglich, wie sie bisher noch an keinem Fundplatz durchgeführt werden konnte.

Von der internationalen Scientific Community wird das Potenzial dieser Fundstelle, obwohl bisher lediglich einige wenige Quadratmeter erforscht werden konnten, als außerordentlich eingeschätzt. Die Projektleitung ist derzeit darum bemüht, die Rahmenbedingungen für die Fortsetzung dieser Untersuchung zu schaffen, um die bisher weltweit einzigartigen Ergebnisse abzusichern und auszubauen.


Pressebild:

Ausgrabungsleiter Mag. Thomas Einwögerer und Anthropologin Prof. Dr. Maria Teschler-Nicola mit der neuen Säuglingsbestattung © Prähistorische Kommission der ÖAW


English Version:

Another sensation at Krems: a new burial of the ice-age

Just one year after the discovery of the 27.000 year old double burial of newborns at Krems (Lower Austria), which conducted international head lines, archaeologists of the Prehistoric Commission of the Austrian Academy of Sciences recovered a further burial of a child. In a distance of about one meter from the 2005 burial, these days a second small grave pit was detected. Contrary to the double burial this grave was not protected by a shoulder blade of a mammoth. However, the skeletal remains of the infant were well preserved. The burial was also entirely embedded in red ochre, which points to the use of an organic material, e.g. a leather cloak, in which the body was deposited.

The discovery of a second burial so close to the double burial was an unexpected surprise. This unique situation raises many new questions on life strategies and cultural phenomena of the early hunter-gatherer populations. Supported by the Austrian Scientific Fund, the team around field director Thomas Einwögerer is investigating paleolithic settlement patterns in the vicinity of the burials at Krems-Wachtberg. The scientific potential of the site is considered to be enormous due to excellent preservation of finds and evident structures, although up to date only a few square meters could be excavated. The aim must therefore be to get further funding in order to continue the important research at this unique site.


Kontakt:
Dr. Christine Neugebauer-Maresch
Projektleitung
Prähistorische Kommission
Österreichische Akademie der Wissenschaften
1010 Wien, Fleischmarkt 22
T +43 1 51581-2404
Mobil +43 676 4010878
Christine.Neugebauer-Maresch@oeaw.ac.at


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