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Grundrechtskonforme Sicherheitstechnologien

EU-Projekt PRISE  startet



Mit Februar 2006 startet das EU-Projekt PRISE (Privacy enhancing shaping of security research and technology) unter Leitung des Instituts für Technikfolgenabschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Ziel ist die Erstellung eines Richtlinienkatalogs für die grundrechtskonforme Gestaltung von Sicherheitsforschung und -technologien.

PRISE ist Teil der vorbereitenden Maßnahmen des europäischen Sicherheitsforschungsprogramms mit dem die EU aktuelle Sicherheitsprobleme identifizieren und Lösungsvorschläge entwickeln will. Das Projekt soll dafür sorgen, dass dabei die Grundrechte der Bürger(innen) nicht auf der Strecke bleiben: "Bei dem Einsatz von Sicherheitstechnologien, sei es für die Telekommunikation- , Internet-, Videoüberwachung oder zur biometrischen Personenkontrolle, geht es darum, einen möglichen Sicherheitsgewinn gegen den Eingriff in die Privatsphäre abzuwägen", sagt Projektleiter Johann Cas vom ITA.

Im Rahmen des Projektes analysieren die Forscherinnen und Forscher welche Sicherheitstechnologien künftig wie zum Einsatz kommen könnten, identifizieren potenzielle Konflikte mit Grundrechten und zeigen Lösungsstrategien auf. Dabei werden Vertreter von Grundrechtsorganisationen ebenso einbezogen wie Vertreter der Sicherheitsindustrie, der Sicherheitsforschung, der Politik sowie der Anwender der Sicherheitstechnologien.

Konkrete Szenarien werden durchgespielt, beispielsweise das Einchecken am Flughafen: Wie läuft eine Personenidentifikation über Fingerprints und Gesichtserkennung ab? Ist es wirklich notwendig Fingerprints zentral zu speichern? Welche Probleme können auftauchen? Cas: "Bei der Gesichtserkennung können schon Kleinigkeiten wie eine andere Frisur eine korrekte Identifizierung verhindern."

Die ausgearbeiteten Szenarien werden in Deutschland, Österreich, Norwegen, Dänemark sowie voraussichtlich in Tschechien und Spanien ausgewählten Gruppen präsentiert und zur Diskussion gestellt. Der Diskurs mit den Bürgern und Bürgerinnen ist ein wesentlicher Aspekt von PRISE. "Zum ersten Mal werden partizipative Verfahren der Technikfolgenabschätzung im Bereich Sicherheitstechnologien umgesetzt", betont Cas.

Bei der Auswahl der Bürger und Bürgerinnen steht die Vielfalt im Vordergrund. "Während Deutschland und Österreich Eingriffen in die Privatsphäre skeptisch gegenüberstehen, haben die nordischen Länder ein höheres Vertrauen in staatliche Behörden und weniger Bedenken, persönliche Daten bekannt zu geben", erklärt Cas. Tschechien und Spanien sollen Länder repräsentieren, die in ihrer jüngeren Vergangenheit nicht demokratische Regierungsformen hatten und eine misstrauische Einstellung zu Sicherheitstechnologien erwarten lassen.

PRISE soll die Europäische Union bei der Gestaltung künftiger Programme zur Sicherheitsforschung unterstützen. Für Cas ist die Tatsache, dass die EU dem Thema eine eigene Studie widmet ein deutliches Zeichen dafür, dass Europa eine Sicherheitskultur in Einklang mit den Menschenrechten anstrebt. "Unser Ziel ist es, dass die Ergebnisse von PRISE gleich bei der Ausschreibung für die Projekte des europäischen Sicherheitsforschungsprogramms einbezogen werden".

Mit der Leitung von PRISE nimmt das ITA als einziges österreichisches Institut 2006 an der Preparatory Action for Security Research (PASR) für das europäische Sicherheitsforschungsprogramm (Teil des 7. Forschungsrahmenprogramms der EU) teil. PRISE ist auf 28 Monate konzipiert. Projektpartner sind der Dänische Technologierat, das unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein und der Norwegische Technologierat. Die geplanten Kosten belaufen sich auf knapp über 824.300 Euro. Die EU fördert das Projekt mit 617.900 Euro.


Kontakt:
Ing. Mag. Johann Cas
Institut für Technikfolgen-Abschätzung
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Strohgasse 45/5
A-1030 Wien
T +43-1-51581-6581
jcas@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/ita


Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
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