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15.02.2006

Inseln der Exzellenz?

Verbesserte Rahmenbedingungen für die Humanities



Verbesserte Rahmenbedingungen, und zugleich mehr Eigeninitiative für die "Humanities", also für Kultur-, Geistes- und Sozialwissenschaften (KGS), in Österreich: Das haben die drei bisherigen Wittgensteinpreisträger/-innen aus diesen akademischen Bereichen bei einem kürzlich abgehaltenen Workshop als Hauptanliegen formuliert.

Die Linguistin Ruth Wodak (University of Lancaster, UK, Wittgesteinpreis 1996), der Anthropologe Andre Gingrich (Wittgensteinpreis 2000) und der Historiker Walter Pohl (Wittgensteinpreis 2004) betonten dabei, dass der größte österreichische Wissenschaftspreis dafür eine äußerst willkommene und ermutigende Unterstützung wie auch Herausforderung darstelle. Damit ermöglicht der FWF als größte österreichische Förderinstitution für Grundlagenforschung seit zehn Jahren exzellente Forschungsprojekte auch im Bereich der KGS.

Andre Gingrich ist Obmann der Kommission für Sozialanthropologie der ÖAW und hat dort aus den Mitteln des Wittgensteinpreises 2000 den mehrjährigen Forschungsschwerpunkt "Lokale Identitäten und überlokale Einflüsse" eingerichtet.

Walter Pohl leitet das ÖAW-Institut für Mittelalterforschung. Im Rahmen des 2005 gestarteten Wittgensteinprojekts "Ethnische Identitäten im frühmittelalterlichen Europa" widmet sich Pohl und sein Team den ethnischen Prozessen im Europa des vierten bis elften Jahrhunderts.

Dass von bisher 17 vergebenen Wittgensteinpreisen erst drei an Vertreter/-innen der heimischen KGS gegangen sind, zeugt nicht nur von anhaltender Marginalisierung der KGS in vielen Teilen Europa, sondern auch von dringendem Nachholbedarf in punkto Teamarbeit, internationaler Kooperationsfähigkeit und Kompetenzen bei Drittmittel-Akquirierungen seitens der KGS in Österreich.

Viele Themen der KGS sind höchst interessant für die Öffentlichkeit und wichtig für das Verständnis gesellschaftlicher Entwicklungen. Die KGS sollten sich daher nicht von kurzsichtigen ökonomischen und politischen Interessen in die Defensive drängen lassen.

Der Workshop führte erstmals die Leiter/-innen und Mitarbeiter/-innen der bedeutendsten österreichischen KGS- Projekte der letzten zehn Jahre zusammen. Zugleich band er sie ein in eine Diskussion mit Vertretern und Vertreterinnen des FWF und heimischer Medien und wies dabei auf bestehende positive Erfahrungen hin, die als "best examples" aus den drei Wittgenstein-Projekten auch für die Zukunft genutzt werden können wie beispielsweise die Verstärkung des interdisziplinären Dialogs, die Einbindung der breiten Öffentlichkeit durch gezielte PR-Maßnahmen, die Bildung internationaler Netzwerke und die damit verbundene Förderung der Mobilität sowie die Forcierung von integrativen Teams aus fortgeschrittenen und Nachwuchsforschern und -forscherinnen.

An den Universitäten wie an der ÖAW liegt es demnach nicht nur an infrastrukturellen und finanziellen Gegebenheiten, sondern oft auch an den Vertretern und Vertreterinnen der KGS selbst, durch die Verbindung von Kernkompetenzen mit neuen Wegen Qualitätssicherung und Zukunftspotenziale wahr zu nehmen.


Wittgensteinpreis 2000
Institut für Mittelalterforschung


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