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01.02.2006

Der Beitrag von Wirtschaft zur Entwicklung

"Innovation, Investition und Erfolg: (k)ein Widerspruch zu Entwicklung?" Zusammenfassung der KEF-Veranstaltung



Im Mittelpunkt von "Innovation, Investition und Erfolg: (k)ein Widerspruch zu Entwicklung?", der jüngsten Veranstaltung der Kommission für Entwicklungsfragen (KEF) bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, stand die Frage, ob und wie Partnerschaften zwischen Wissenschaft, Wirtschaft (insbesondere KMUs) und Entwicklungszusammenarbeit entstehen können und welchen Beitrag diese zu den auf Armutsbekämpfung ausgerichteten Millennium Development Goals (MDGs) der Vereinten Nationen liefern können.

Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit intensivieren

Der Workshop und die anschließende, von Robert Prazak (Wirtschaftsblatt) moderierte Podiumsdiskussion wurden mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, der Wirtschaftskammer Österreich und der Initiative go international sowie in Kooperation mit der Österreichischn Forschungsstiftung für Entwicklungshilfe (ÖFSE), der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) und respACT Austria durchgeführt. "Das Ziel unserer Veranstaltung ist es, den Dialog zwischen VertreterInnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit zu intensivieren", erklärte KEF-Koordinatorin Birgit Habermann in ihrer Begrüßung.

Prof. Gerhard Glatzel, KEF-Vorsitzender und Experte für Waldökologie, regte in seinem einleitenden Referat die Diskussion auch schwieriger Themen wie die Chancen, aber auch Risiken des Einsatzes neuer Umwelttechnologien in Ländern des Südens an. So könnten zum Beispiel Plantagen, auch solche im Bereich nachwachsender Rohstoffe, potenziell Konflikte um den Wasserverbrauch mit sich bringen. Dafür müsse Vorsorge getroffen werden. "Oft mangelt es bei Projekten in Ländern des Südens nicht grundsätzlich an den Ressourcen, sondern an konsequenten Konzepten und angemessener Infrastruktur für deren nachhaltige Nutzung", betonte Glatzel. Gerade Österreich verfüge über eine lange Tradition des nachhaltigen Wirtschaftens und hervorragende Erfahrungen in Umwelttechnologien, was gute Voraussetzungen für den Einsatz in Ländern des Südens seien.

Komplementäre Aufgaben von Staat und Privatwirtschaft

Dr. Urs Egger, Geschäftsführer von Swisscontact, stellte die Schweizer Stiftung vor, die vor allem im Auftrag der Schweizer Regierung, der Kantone und anderer Institutionen als Bindeglied zwischen privatwirtschaftlichen Unternehmen, Regierungsstellen, Hochschulen und der lokalen Bevölkerung in sogenannten Entwicklungs- und Transitionsländern wie Sri Lanka oder Indonesien fungiert. "Swisscontact ist davon überzeugt, dass eine umwelt- und sozialverträgliche Wirtschaftsweise, wie sie in der Entwicklungszusammenarbeit angestrebt wird, auch im langfristigen Interesse der Unternehmen liegt", so Egger. Staaten respektive Regierungen und die Privatwirtschaft hätten komplementäre Aufgaben: Die öffentliche Hand sei für die Schaffung von rechtsstaatlichen Bedingungen und Sicherheit verantwortlich. Dann könnten Privatunternehmen anknüpfen und durch langfristige Investitionen, Vermittlung von Wissen und die Schaffung von Arbeitsplätzen zur Verbesserung der Lebensbedingungen in einem Land beitragen. Egger führte verschiedene Formen der Zusammenarbeit zwischen staatlichen Stellen, Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit an: Public-Private-Development-Partnerships, Social Investments, Multi-Stakeholder-Initiatives und nicht zuletzt Corporate Social Responsibility (CSR).

Bedarfsanalyse und Mitbestimmung versus Zeitdruck und Doppelgleisigkeiten

Der Themenkomplex Wasser, Wirtschaft und Entwicklung stand im Zentrum des Referats von DI Helmut Jung, Experte für Wasserwirtschaft und Berater der Austrian Development Agency (ADA). "Das Problem in armen Ländern ist oft, dass das Wechselspiel zwischen "technology push" und "demand pull" nicht funktioniert, dass es sehr heterogene Interessen gibt", betonte Jung. Oft würden die länderspezifischen sozio-politischen und -kulturellen Rahmenbedingungen und Faktoren zu wenig bedacht, würde zu wenig Zeit für die Schaffung von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Akzeptanz gegeben. Dazu komme, dass sich in manchen Ländern und Regionen gleich mehrere Geberländer in der Entwicklungszusammenarbeit engagierten, was zu Doppelgleisigkeiten und manchmal zu wenig koordinierten Einzelaktivitäten führe. Ähnliches gelte für wirtschaftliches Engagement. "Ganz wichtig ist es, eine genaue Bedarfsanalyse durchzuführen, sich abzustimmen und die Mitbestimmung der betroffenen Menschen sicherzustellen", schloss Jung.

"Stake Holder Values" statt "Share Holder Values"

Eine ähnliche Meinung vertrat Mag. Martin Neureiter von Die CSR Agentur, der für die Beachtung von "stake holder values" anstelle von (ausschließlich) "share holder values" plädierte und die Beachtung der Einhaltung von ethischen Standards auch in der Zulieferkette einforderte. In Österreich seien CSR-Kooperationen von international tätigen Privatunternehmen noch ein recht neues Feld, es sei derzeit aber bei der Bewusstseinsbildung viel in Bewegung. Daran anknüpfend stellte Mag. Barbara Jandak vom Institut zur Cooperation bei Entwicklungsprojekten (ICEP) in ihrem Beitrag die Informationsinitiative corporAID vor, die über ein eigenes Magazin in Österreich die globale Dimension der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen thematisiert. Entscheidend sei es neben einer umweltsensiblen Arbeitsweise vor allem, Menschen in armen Ländern und Regionen einen besseren Zugang zu Bildung und Ausbildung zu ermöglichen.

Dazu bekannte sich im Rahmen der Podiumsdiskussion auch Mag. Peter Oswald, Vorstandsvorsitzender von Mondi Packaging, dem inzwischen weltweit zehntgrößten Verpackungskonzern mit Hauptsitz in Wien. Mondi Packaging, dessen Anfänge auf die Papiermühle Frantschach zurückgehen, beschäftigt in derzeit 105 Produktionsstätten rund 16.000 Mitarbeiter und ist für sein offensives Streben nach Corporate Social Responsibility (CRS), insbesondere umweltverträgliche Produktion und Sicherheit am Arbeitsplatz, bekannt. "Es ist aber leider kein Zufall, dass gerade in vielen der ärmsten Länder kaum internationale Investoren zu finden sind", bemerkte Oswald in der Podiumsdiskussion. Korrupte lokale Eliten und die geringe Sicherheit von Personal und Investitionen würden es Privatunternehmen oft sehr schwer machen, sich in sogenannten Entwicklungsländern zu engagieren. Dem hielt Mag. Karin Küblböck (ÖFSE) entgegen, dass große multinationale Unternehmen durch immer mehr bilaterale Investitionsabkommen wegen vorgeblicher "Investitionssicherheit" ärmere Staaten leider oft zum Verzicht auf bessere Umwelt- und Sozialstandards zwingen würden.

International gültige CSR-Standards

"Es wäre dringend nötig, verstärkt darüber zu informieren, welche Unternehmen sich in ihren internationalen Aktivitäten ethisch vorbildlich verhalten und welche nicht", bemerkte Dr. Herbert Greisberger, Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT). International gültige Standards hinsichtlich CSR und der Verpflichtung von Unternehmen gegenüber den ArbeitnehmerInnen, den Gastgebergemeinden und der Umwelt sollten eingefordert und so bald wie möglich gültig werden, so Greisberger weiter.


Kontakt:
Mag. Birgit Habermann
Kommission für Entwicklungsfragen (KEF)
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