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Grenzenloses Gedächtnis

Internationale Konferenz "Transnationales, translokales Gedächtnis?"



Europa war und ist von kultureller Differenz geprägt. Wenn verschiedene Kulturen zusammentreffen, entstehen zahlreiche, unterschiedliche Kommunikationsräume. Sie bedienen sich der gleichen Zeichen, Symbole und Codes, die jedoch auf verschiedene Art erinnert beziehungsweise interpretiert werden können. Das betrifft auch Gedächtnisorte wie zum Beispiel den Wiener Heldenplatz. Für Überlebende des Holocaust wird er immer der Ort sein, an dem Hitler 1938 den Anschluss Österreichs an Deutschland verkündete. Für Immigranten, die 1993 das Lichtermeer gegen Rassismus miterlebten, wurde er hingegen ein Symbol für das Miteinander und ein Ort kultureller Begegnung.

Die individuelle und kollektive erinnernde Aneignung von Gedächtnisorten ist ein dynamischer, "performativer" Prozess. "Eine historische, empirische Analyse macht deutlich, dass in der Vergangenheit Gedächtnis für die Konstruktion von Nation zwar vereinnahmt wurde, dass jedoch auch für andere die Elemente beziehungsweise Codes, aus denen sich ein Gedächtnisort zusammensetzt, von konstitutiver Bedeutung sein können", so Moritz Csáky von der Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Ist eine eindeutige und Zeit übergreifende nationale Zuordnung von Gedächtnis und Erinnerung nun obsolet? Mit dieser Frage beschäftigen sich internationale Experten im Rahmen der Konferenz "Transnationales, translokales Gedächtnis?" vom 3. bis 5. November 2005 in Wien.

Die behandelten Aspekte umfassen Auswirkungen von Migration und transnationaler Mobilität im Kontext der Raumordnung (Heinz Fassmann, Wien) ebenso wie die Frage der Ver-Ortung des historischen Bewusstseins Europas aus jüdischer Sicht (Eveline Goodman-Thau, Jerusalem/Kassel) oder die Analyse von Wien als transnationalem Gedächtnisort (Jacqueline Vansant, Michigan, Dearborn).

Der Kongress ist bereits der 7. im Rahmen des Forschungsprogramms "Orte des Gedächtnisses". Das im Jahr 1999 gestartete Programm der ÖAW-Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte unter Leitung des Historikers Moritz Csáky analysiert Orte, die von besonderer Bedeutung für die kollektive Erinnerung und damit für die Identitätsbildung sind.

"Transnationales, translokales Gedächtnis?" findet vom 3. bis 5. November 2005 im Theatersaal der ÖAW, Sonnenfelsgasse 19/I, 1010 Wien, statt. Die Tagung wird am 3. November 2005 um 18:00 Uhr mit einer Lesung von Péter Nádas (Budapest) "Das stille Murmeln der Toten" eröffnet. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen


Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Elisabeth Grossegger
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte
T +43-1-51581-3312
Elisabeth.Grossegger@oeaw.ac.at


Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
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F +43 1 51581-1227
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