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18.11.2005

Buchneuerscheinung "Die Schwarzenberg-Bank"

Auf den Spuren der frühesten Aktiengesellschaft Österreichs



Die neueste Publikation des Wiener Wirtschaftshistorikers Herbert Matis, soeben im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erschienen, setzt sich mit der ersten, als Aktiengesellschaft organisierten, Bank unseres Landes auseinander.

Die "k. k. privilegierte & octroyierte Wiener Kommerzial-, Leih und Wechselbank" oder "Schwarzenberg-Bank", wie sie in der zeitgenössischen Öffentlichkeit wegen ihres prominenten Hauptaktionärs, Josef Johann Nepomuk Anton Karl Fürst zu Schwarzenberg, auch häufig genannt wurde, zählte zu den ersten Aktiengesellschaften, wenn sie nicht überhaupt - wofür durchaus vieles spricht - die älteste Aktiengesellschaft im heutigen Österreich repräsentiert. Sie entsprang der Initiative eines klassischen "Projektanten". "Der Initiator, der dänische Handelsmann Henning Bargum, war der Typus des abenteuerlichen Entrepreneurs, wie ihn u. a. der englische Schriftsteller Daniel Defoe in seinen ökonomischen Schriften bereits um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert beschrieben hat", skizziert Autor und Wirtschaftshistoriker Univ. Prof. Dr. Herbert Matis den Gründer. Das erste Bankprivileg wurde mit Patent vom 12. Dezember 1786 ausgestellt, die Konvention (der Gesellschaftsvertrag) stammt vom Mai 1787; das Privileg wurde 1792 nach der aufgrund einer Defraudation erfolgten Flucht Bargums erneuert und sollte ursprünglich 1812 auslaufen. Es wurde aber zwecks ordnungsgemäßer Liquidation zunächst provisorisch um sechs Monate und dann noch mehrmals verlängert. Allerdings wurde erst 1824 endgültig um die Löschung der Firma angesucht, die dann mit Ende des Jahres 1830 erfolgte.

Bargum fand für sein Projekt einer Bankgründung in Wien die Unterstützung verschiedener einflußreicher Mitglieder des Hochadels, an erster Stelle der Fürsten Johann bzw. Josef zu Schwarzenberg und Franz Gundaker zu Colloredo-Mansfeld sowie des Grafen Friedrich Nostitz-Rieneck. Diese bildeten in der Folge gemeinsam mit Bargum auch die "Oberdirektion" der Bank, während die mit der Durchführung der laufenden Geschäfte beauftragte "Unterdirektion" durch vier angestellte Manager ausgeübt wurde, die neben ihren Beratungs- und Verwaltungsaufgaben gleichzeitig auch Sprachrohr für einen Teil der Klienten waren. Die Bank suchte zunächst in der Habsburgermonarchie selbst entsprechende Interessenten für die Beschaffung des Startkapitals in Höhe von einer Million Gulden zu finden, sie sprach aber von ihrem Beginn an auch ausländische Aktionäre an; so stellten etwa ein Amsterdamer Handelshaus sowie das bekannte Frankfurter Bankhaus Bethmann & Co und andere deutsche Geldgeber bereits 1788 in Aussicht, sich mit Kapitaleinlagen an dem Unternehmen zu beteiligen. Neben dem Wechselgeschäft, dem Lombard- und Hypothekarkredit widmete sich die Bank in der Folge vornehmlich dem industriellen Gründungsgeschäft. Zu den wichtigsten Initiativen dieser frühen Mobilbank auf Aktienbasis zählt im Jahre 1802 die Gründung der Pottendorfer Garnmanufakturgesellschaft, die in der Folge zur größten Baumwollspinnerei des europäischen Kontinents aufsteigen sollte. Aber auch in der österreichischen Zuckerindustrie ging man Beteiligungen ein; die Bank finanzierte überdies verschiedene Unternehmungen in der Textilindustrie.

Die folgenden Jahren zeigten den Auf- und Ausbau verschiedener Geschäftsfelder, wobei vor allem der Handelskredit, diverse Wechselgeschäfte aber auch das industrielle Gründungsgeschäft ausgeweitet wurden. Besonders hinzuweisen ist auf den Ausbau des Seehandelsgeschäfts in Triest, was durch die Errichtung einer eigenen Filiale in der 1719 gemeinsam mit Fiume zum Freihafen erklärten Stadt unterstrichen wurde. Obwohl wie so viele österreichische Unternehmungen durch den Finanzkrach des Jahres 1811 in Mitleidenschaft gezogen, konnte die Bank dennoch die Zeit bis zum Ablauf ihres Privilegiums für einen Ausbau ihrer Stellung nützen. Sie scheint auch darüber hinaus, zumindest bis 1830, bestanden zu haben und wurde dann liquidiert, bzw., wie dies die Zeitgenossen ausdrückten, "stralziert".

Das Buch "Die Schwarzenberg-Bank - Kapitalbildung und Industriefinanzierung in den habsburgischen Erblanden 1787-1830" ist im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erschienen. Die Forschungsarbeiten dazu wurden durch eine Projektförderung des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) ermöglicht, und beruhen vornehmlich auf der Auswertung von Materialien aus den verschiedenen Archiven in Krumau, Prag und Wien.


Zum Autor
Herbert Matis, geboren 1941 in Wien, Promotion 1965, seit 1972 Ordinarius und Vorstand des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Wirtschaftsuniversität Wien, 1984- 85 Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien. 1988-2000 Kuratoriumsmitglied und 1997-2000 Vizepräsident des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF). Seit 1994 Geschäftsführer des Kardinal Innitzer Studienfonds. Seit 2000 Präsidiumsmitglied des Internationalen Forschungszentrums für Kulturwissenschaften (IFK). Seit 2004 Vorstandsmitglied der Ludwig Boltzmann Gesellschaft. Seit 2003 Vizepräsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 1988 Visiting Bye Fellow Robinson College, Cambridge/UK, 2001 Senior Schumpeter Fellow, Center for European Studies, Harvard University, Cambridge/MA. Seit 1988 korrespondierendes bzw. seit 1995 wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1997 corr. Fellow der Royal Historical Society/UK


Bibliographie:
Herbert Matis
Die Schwarzenberg-Bank
Kapitalbildung und Industriefinanzierung
in den habsburgischen Erblanden 1787-1830
2005, 420 Seiten, broschiert, 24x17cm, € 49,--, ISBN 3-7001-3550-5
hw.oeaw.ac.at/3550-5


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