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23.03.2005

60 Jahre nach dem sowjetischen Einmarsch

Neueste Forschungsergebnisse zur sowjetischen Besatzungspolitik in  Österreich 1945-1955 brachte ein an der Historischen Kommission  der ÖAW durchgeführtes Projekt zutage



Vor 60 Jahren, am 29. März 1945, betrat die Rote Armee österreichisches Territorium. Sie sollte zehn Jahre als eine der vier Besatzungsmächte bleiben. Welche politischen Ziele verfolgte die Sowjetunion in Österreich beim Einmarsch und in zehn Jahren Besatzungszeit? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines mehrjährigen Forschungsprojekts unter der Leitung des Wiener Historikers Arnold Suppan. Das soeben abgeschlossene Projekt wurde im Rahmen der Historischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) durchgeführt und vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) gefördert.

Über 100 bisher unveröffentlichte Originaldokumente aus Moskauer Archiven wurden zur Publikation ausgewählt und werden in einer im Herbst im Verlag der ÖAW erscheinenden Edition in russischer Originalfassung und in deutscher Übersetzung veröffentlicht. Die Einleitung stammt von dem Stanford-Historiker Norman M. Naimark, herausgegeben wird der Band von Wolfgang Mueller (ÖAW) und Gennadij Bordjugov (Moskau). Er umfasst Berichte, Briefe, aber auch streng geheime Politbürobeschlüsse und Ministerratsverordnungen, die die Basis für zahlreiche neue Erkenntnisse bilden.

Anfang April 1945 bereitete Stalin die Entsendung einer "Initiativgruppe" aus geschulten Exilkommunisten nach Österreich vor, um hier die Festigung des kommunistischen Einflusses zu erreichen. Das Auftauchen Karl Renners bewog die sowjetische Führung, diese auch in Osteuropa und in Deutschland verfolgte Taktik aufzugeben und die Bildung einer provisorischen Regierung anzustreben.

Die KPÖ war der politische Partner der sowjetischen Führung in Österreich. Welche weiteren Strategien beide Seiten entwickelten, um die Kommunisten an die Macht zu bringen, zeigen geheime Besprechungsprotokolle und Briefe der KPÖ-Spitze an Stalin, der mit seinem Komintern-Decknamen als "Genosse Filippov" angeredet wurde. So wurden in der KPÖ Pläne ausgearbeitet, Österreich wie Deutschland in zwei Teilstaaten zu spalten. Wolfgang Mueller dazu: "Im Fall ihrer Verwirklichung hätten diese Pläne Ostösterreich ein DDR-ähnliches Schicksal beschert. Die sowjetische Führung wollte aber davon nichts wissen." Die sowjetische Besatzungszone wäre wohl von sowjetischer Hilfe abhängig gewesen. Außerdem hätte eine Teilung Österreichs den Westmächten die strategisch wichtigeren Alpenregionen zwischen Westdeutschland und Italien zukommen lassen. Dies sei, so Mueller, ein "Horrorszenario" für die Sowjetunion gewesen.

Die Dokumentenedition "Sowjetische Besatzungspolitik in Österreich 1945-1955" erscheint gemeinsam mit einer Monographie von Wolfgang Mueller über "Die sowjetische Besatzung in Österreich 1945-1955 und ihre politische Mission" im Herbst 2005.


Veranstaltungshinweise:

"Die sowjetische Besatzungspolitik in Österreich 1945-1955"
Vortrag von Wolfgang Mueller
13. April 2005, 13:30 Uhr
Institut für Osteuropäische Geschichte, Hörsaal
1090 Wien, Universitätscampus, Spitalgasse 2/Hof 3

"Der österreichische Staatsvertrag zwischen internationaler Strategie und nationaler Identität"
Internationale Konferenz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
8. bis 11. Mai 2005
1010 Wien, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2

Programm [PDF]


Kontakt:
Mag. Wolfgang Mueller
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Historische Kommission
A-1040 Wien, Prinz Eugen-Straße 8
Tel. +43-1/ 515 81-7311 Fax -7330
wolfgang.mueller@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/histkomm

Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
T +43 1 51581-1218, 1219, 1235 F +43 1 51581-1227
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