Suche      Home      Kontakt      Sitemap      Deutsch
09.06.2005

Durchschnittlich verbleibende Lebenszeit kann auch in alternden Bevölkerungen noch zunehmen

Forscher des Wiener ÖAW-Instituts für Demographie und des IIASA 
werfen in "Nature" einen neuen Blick auf das Altern



Wien/Laxenburg - Eine Studie von Wissenschaftern am Wiener Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse in Laxenburg (IIASA) zeigt, dass zahlreiche Untersuchungen zum Thema Altern in entwickelten Ländern unvollständig beziehungsweise irreführend sind. Die Ergebnisse dieser Studie werden in der aktuellen Ausgabe (Vol. 435, No. 7043, 9. Juni 2005) der Zeitschrift Nature vorgestellt.

Traditionell beruhen die Schätzungen des mittleren Alters einer Bevölkerung auf der durchschnittlichen Anzahl von Jahren, die die Menschen bereits gelebt haben. Warren Sanderson vom IIASA und Sergei Scherbov vom ÖAW-Institut für Demographie zeigen, dass man das Alter auch von der anderen Seite betrachten kann, nämlich aus Sicht der Jahre, die Menschen im Durchschnitt noch zu leben haben. Diese alternative Definition des Alters berücksichtigt auch die Veränderung der Lebenserwartung. Ihre Ergebnisse zeigen sie anhand von historischen Daten und Prognosen für Deutschland, Japan und den USA.

Die Wissenschafter zeigen, dass im Jahr 2000 für die Bewohner Deutschlands das Altern nach beiden Definitionen fast gleich ist. Der Durchschnitts-Deutsche ist 39,9 Jahre alt und hat eine restliche Lebenserwartung von 39,2 Jahren. Sanderson und Scherbov sagen voraus, dass 2020 ein Deutscher (nach der traditionellen Sichtweise) durchschnittlich um 7,5 Jahre gealtert sein wird. Von seiner verbleibenden Lebenserwartung verliert er jedoch nur 3,3 Jahre.

Im Vergleich dazu hatten die USA im Jahr 2000 eine jüngere Bevölkerung. Der Durchschnitts-Amerikaner ist 35,3 Jahre alt, mit einer verbleibenden Lebenserwartung von 43,5 Jahren. Der Durchschnitts-Amerikaner wird 2020 voraussichtlich nur 2,4 Jahre älter sein als im Jahr 2000. Seine verbleibende Lebenserwartung wird trotz dieses Alterns im Jahr 2020 noch länger sein als 2000.

Sanderson und Scherbov verwenden das Konzept der verbleibenden Lebenserwartung, um eine neue Maßzahl des Alterns zu errechnen. Durch diese Methode gelangen sie zu interessanten Ergebnissen für die Zukunft. Besonders bemerkenswert ist, dass die Bevölkerungen mancher Länder (wie zum Beispiel die USA) im Sinne der verbleibenden Lebenserwartung jünger werden auch, wenn das durchschnittliche Alter im traditionellen Sinn steigt.

Was die Sorgen um die Sicherheit der zukünftigen Pensionen betrifft, so wird die zukünftige Altersbelastungsquote meist durch das konventionelle Alter definiert. Auch das gesetzliche Pensionsalter bezieht sich auf das Lebensalter und berücksichtigt nicht die Veränderung der verbleibenden Lebenserwartung beim Pensionsantritt. Sanderson und Scherbov zeigen für Japan, Deutschland und die USA um wie viel die Belastungsquoten geringer wären, wenn die verbleibende Lebenserwartung den Pensionsantritt mitbestimmte.
Die Berechnungen zeigen, dass bei einer Erhöhung des Pensionsantrittsalters um rund zwei Monate pro Jahr, das öffentliche Pensionssystem der USA ohne weitere Reformen aufrechtzuerhalten wäre. In Deutschland und Japan, wo die Bevölkerungen schneller altern, wäre zumindest in den kommenden Jahrzehnten ein schnellerer Anstieg des Pensionsantrittsalters notwenig um die Nachhaltigkeit der öffentlichen Pensionssysteme zu gewährleisten.


Institute
Das IIASA ist eine unabhängige Nichtregierungsorganisation, das sich auf interdisziplinäre Forschung, Methoden der natur- und sozialwissenschaftlichen Forschung und für politische Entscheidungsträger relevante Modelle in der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft spezialisiert hat. Das IIASA ist eine internationale Institution mit Mitgliedsorganisationen in 16 Ländern. Das Institut für Demographie der Österreichschen Akademie der Wissenschaften zielt auf die Kombination von wissenschaftlicher Exzellenz mit Relevanz bei Analysen und Vorhersagen demographischer Trends und bei der Abschätzung sozialer sowie ökonomischer Konsequenzen einer alternden Bevölkerung.


Wissenschaftlicher Kontakt:
Sergei Scherbov
Institut für Demographie der ÖAW
Prinz-Eugen-Straße 8
A-1040 Wien
T +43 1 51581-7707
Sergei.Scherbov@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/vid

Warren Sanderson
Weltbevölkerungsprogramm
IIASA
A-2361 Laxenburg
T +43 2236 807-252
wsanderson@notes.cc.sunysb.edu
www.iiasa.ac.at


Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
T +43 1 51581-1218, 1219, 1235
F +43 1 51581-1227
public.relations@oeaw.ac.at