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Forschung für Entwicklung: Institutionelle Bündelung sinnvoll

Ergebnisse der KEF-Konferenz am 29. November 2005



Der Beitrag von Wissenschaft und Forschung zur Erreichung der im Jahr 2000 beschlossenen Millenniumsziele (Millennium Development Goals - MGDs) der Vereinten Nationen war Thema der von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) veranstalteten, internationalen Konferenz "Ein kritischer Blick auf die Rolle der Forschung zur Erreichung der MDGs" am 29. November 2005.

Im Rahmen der Konferenz setzten sich hochrangige ExpertInnen für Entwicklungszusammenarbeit aus dem In- und Ausland mit der selbstkritischen Frage auseinander, wie effektiv Forschungspartnerschaften zwischen österreichischen Institutionen und Partneruniversitäten in Ländern des Südens derzeit helfen, die Millenniumsziele zur Verringerung von Armut und Hunger zu erreichen.

Mangel an gemeinsamer strategischer Ausrichtung, fehlende Indikatoren

Dabei zeigte sich, dass es einerseits an einer gemeinsamen strategischen Ausrichtung der von österreichischer Seite mitgetragenen Nord-Süd-Forschungspartnerschaften mangelt. Andererseits fehlen auch Indikatoren, mit deren Hilfe ForscherInnen sich darüber orientieren könnten, inwieweit ihre Arbeit zur Erreichung der insgesamt acht Themengebiete der MDGs beiträgt. "Die Berücksichtigung der Millenniumsentwicklungsziele bei Forschungspartnerschaften ist aber nicht nur ein moralischer Imperativ - sie wird auch bei Finanzierungsfragen auf internationaler Ebene immer wichtiger", betonte KEF-Koordinatorin Birgit Habermann.

Forschung als integraler Bestandteil von Entwicklungszusammenarbeit

Wolfgang Lutz, Vorstand des Instituts für Demographie der ÖAW und Leiter des Population Project am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg stellte mit dem Computermodell PEDA für Afrika ein Beispiel für Forschung über Entwicklung vor.

Anhand von vier Szenarien für Burkina Faso demonstrierte Lutz, welche Faktoren tatsächlich zu einer Verringerung des von Hunger bedrohten Bevölkerungsanteils bis 2030 beitragen können: "Nur eine Kombination aus konsequentem Bemühen um Bildung und Ausbildung, verstärkten technologischen Neuerungen und vor allem dem Rückgang des Bevölkerungswachstums führen zu einer langfristigen Verbesserung", betonte der Demograph. Hierzu sei vor allem das dritte der insgesamt acht Millenniumsentwicklungsziele, die Gleichstellung von Frauen und Mädchen in der Gesellschaft sowie in Bildung und Ausbildung, von großer Bedeutung.

"Forschung ist ein integraler Bestandteil von Entwicklung und auch von Entwicklungszusammenarbeit", stellte Hannah Akuffo fest. Die stellvertretende Leiterin von SAREC, der Abteilung für Forschungszusammenarbeit im Rahmen der Schwedischen Agentur für Internationale Entwicklung (SIDA), gab einen Überblick über die Entwicklung und Arbeitsweise von Nord-Süd-Forschungspartnerschaften im schwedischen Kontext. Die Tatsache, dass Schweden seit Jahren eines der vorbildlichsten Geberländer mit einem Anteil von 1 Prozent am Bruttonationaleinkommen für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit ist (Österreich: knapp 0,24 Prozent des BNE im Vergleichszeitraum 2004-2005), macht ein kontinuierliches, langfristiges Engagement auch in der Forschungszusammenarbeit leichter, betonte Akuffo. Für Forschungszusammenarbeit in Afrika stünden jährlich 320 Millionen Schwedische Kronen (33,6 Millionen Euro) zur Verfügung, für Projekte in Lateinamerika und Asien je weitere 90 Millionen (9,5 Millionen Euro).

Olivia la O´ Castillo, Mitglied des Water & Sanitation Advisory Board des UN-Generalsekretärs Kofi Annan und Chair/President/Founding Member des Asia Pacific Roundtable for Sustainable Consumption & Production, ging auf Länderbeispiele in Südostasien ein: Die Philippinen, Thailand und Kambodscha hätten die MDGs in ihre nationalen strategischen Entwicklungspläne integriert und vor allem die Gleichstellung von Frauen vorangetrieben. Sie hob die Bedeutung der Weiterbildung von LehrerInnen und ExpertInnen in ihren jeweiligen Ländern hervor.

Ziel: Bündelung von Forschung für Entwicklung

Gerhard Glatzel, KEF-Vorsitzender und Professor des Instituts für Waldökologie an der Wiener Universität für Bodenkultur, plädierte für eine institutionelle Bündelung von Forschung für Entwicklung in Österreich. "Es wäre sicher sinnvoll, einen Teil der zugesagten zusätzlichen Gelder für Entwicklungszusammenarbeit in diese Richtung zu investieren. Denn bisher gibt es zwar auch schon sehr engagierte Partnerprojekte zwischen ForscherInnen aus Österreich und aus Ländern des Südens, es fehlt aber an einer gemeinsamen strategischen Ausrichtung und an Unterstützung der ForscherInnen bei der Administration. Eine institutionelle Bündelung wäre hier sinnvoll - auch in Hinblick auf eine explizite Berücksichtigung der Millenniumsziele."


Weitere Informationen zu den Millennium Development Goals
Pressetext vom 23.11.2005


Kontakt:
Mag. Birgit Habermann, MSc
Kommission für Entwicklungsfragen (KEF)
bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Postgasse 7-9
1010 Wien
T +43 1 51581-3202
F +43 1 51581-3203
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