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16.08.2005

Altpräsident Werner Welzig 70

ÖAW-Präsident Herbert Mang zum Geburtstag seines Amtsvorgängers
am 13. August 2005



Juni 1985: zum ersten Mal Teilnahme an einer Sitzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Werner Welzig, der am 13. August 2005 seinen 70. Geburtstag feiert, betritt als Generalsekretär zusammen mit den drei übrigen Präsidiumsmitgliedern den Festsaal. Er wirkt dynamisch, ist wortgewandt und erhöht durch Mimik und Gestik gekonnt den ohnehin beachtlichen Wirkungsgrad seiner Aussagen. So weit der erste Eindruck von einem Manne, der dem Akademiepräsidium volle 21 Jahre angehörte und im zweiten Abschnitt dieser Periode als Präsident von 1991 - 2003 die Geschicke der Akademie an vorderster Front bestimmte.
Juni 2005: Diskussion über die Rechtsform der Galerie der Forschung, einer von Werner Welzig 1996 gesetzten bedeutsamen Initiative. Wie vor zwanzig Jahren besticht er durch Dynamik, Gestaltungswillen, Veränderungskraft, Wortgewandtheit und Darstellungskunst.
Wie sieht sich Werner Welzig selbst? Im persönlichen Gespräch bezeichnet er sich gerne als institutionstreu. Sein Handeln als der Akademie gegenüber stets loyales Mitglied, vor allem aber sein Wirken als initiativer und einsatzfreudiger Akademiefunktionär entsprechen dieser Selbsteinschätzung. Wenn fremde und eigene Wahrnehmung nicht allzu stark divergieren, müsste sich der Jubilar eigentlich auch als Prediger sehen. Publikationen von Predigtsammlungen wie "Lobrede, Katalog deutschsprachiger Heiligenpredigten in Einzeldrucken", 1989, und "Predigten der Barockzeit. Texte und Kommentar", 1995, lassen einen Hang des international hoch angesehenen Literaturwissenschaftlers Werner Welzig, der sich im jugendlichen Alter von 28 Jahren an der Universität Wien für Neuere Deutsche Literaturgeschichte habilitierte, zur Ermahnung und Unterweisung erkennen. Wenn Welzig, der sein Fach 35 Jahre lang als Ordinarius am Institut für Germanistik der Universität Wien vertrat, in vielen Reden die Politik rügte und die Wissenschaft aufrüttelte, wusste er zweifellos, dass Wissenschaftspolitik mehr ist als die Resultierende verschieden gerichteter forschungspolitischer Komponenten, und dass die Summe von Einzelmeinungen aus der Scientific Community zumeist kein scharfes Bild der Wissenschaftslandschaft vermittelt.
Werner Welzig denkt programmatisch. Wenn dieses Charakteristikum über einen Superlativ verfügt, dann trifft dies auf seine Rede in der Feierlichen Sitzung des Jahres 1995 zu. Sie beginnt mit der rhetorischen Frage "Was ist das: ein Programm?" und setzt mit der Erläuterung eines mittelfristigen Forschungsprogrammes fort, dessen Konzept zu den bedeutendsten Initiativen Welzigs zählt. Kernstücke dieses Programms sind in regelmäßigen Abständen erfolgende Evaluationen aller Forschungseinrichtungen der Akademie durch internationale Expertenteams zum Zweck der Qualitätssicherung. Es war dies eine Pioniertat, die der Akademie zur Ehre gereichte.
Ebenfalls auf eine Initiative Werner Welzigs geht die Etablierung der ÖAW als eine der führenden Institutionen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Österreich zurück. Die ÖAW entwickelt eigenständig Stipendienprogramme, verwaltet und vergibt eigenverantwortlich Preise und Stipendien aus zweckgebundenen öffentlichen Mitteln, aus Drittmitteln sowie mit Unterstützung durch private Sponsoren. Ihre Sachkompetenz wurzelt in langer einschlägiger Tradition, die teilweise weit in das 19. Jahrhundert zurückreicht.
Werner Welzigs Hauptverdienst besteht in der Erkenntnis, dass sich der gesetzliche Auftrag der Akademie, "die Wissenschaft in jeder Hinsicht zu fördern", heutzutage am besten als Synthese von traditioneller Gelehrtengesellschaft und moderner Forschungsträgerorganisation erfüllen lässt. In der von ihm initiierten Gründung neuer Forschungseinrichtungen für Teilgebiete der Life Sciences, der Quantenphysik und der Mathematik, aber auch der Geisteswissenschaften manifestiert sich die Aufgeschlossenheit der ÖAW für hoch aktuelle, neue Entwicklungen in den Wissenschaften. Nicht nur dem Jubilar drängt sich dabei am Rande die Frage nach den gravierenden Unterschieden zwischen den genannten naturwissenschaftlichen Teilgebieten und den für das geplante "Austrian Institute for Science and Technology" ausersehenen Forschungsgebieten auf.
Jänner 2003: Bei einer Feier im Festsaal der TU-Wien wird der Kanon "Ich armes welsches Teufli bin müde vom Marschieren" angestimmt. Sichtlich bewegt singt Werner Welzig, damals bereits in der Schlussphase seiner letzten Funktionsperiode als Akademiepräsident, mit. Leise Wehmut mag ihn, der in seinen Akademiefunktionen aufging, dabei erfasst haben. Müdigkeit von jahrzehntelangem Marschieren für "seine" Akademie hingegen war ihm damals wie heute nicht anzumerken. Möge dem um die Österreichische Akademie der Wissenschaften hoch verdienten Jubilar die ihn auszeichnende Wachheit auch weiterhin erhalten bleiben: ihm zum Wohl und der Akademie zur Ehre.


Herbert Mang


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