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Polen in Wien: neben "echten" Migranten immer mehr "Pendler" zwischen den Kulturen

Das ÖAW-Institut für Stadt- und Regionalforschung legt   Forschungsbericht über Migrationsstile, Arbeitsplätze und  Qualifikationen polnischer Zuwanderer vor




Die Zuwanderung aus Polen ist durch unterschiedliche Migrationsstile gekennzeichnet: Neben "echten" Migranten, die auf Dauer in Österreich bleiben wollen, sind viele Polen transnational mobil. Sie arbeiten in Wien, haben ihre Familien aber in Polen zurückgelassen und reisen häufig nach Hause. Insgesamt hat sich die polnische Zuwanderung nach Wien nach einem Anstieg in den frühen 1990er Jahren ab Mitte der Dekade stabilisiert. Das belegen Heinz Fassmann, Josef Kohlbacher und Ursula Reeger in einer langjährigen Studie des Instituts für Stadt- und Regionalforschung (ISR) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Die Ergebnisse wurden vor kurzem in einem ISR-Forschungsbericht veröffentlicht.

Die transnationale Mobilität vieler Polen ist nicht immer freiwillig gewählt, sondern wird von den gesetzlichen Rahmenbedingungen - etwa Beschäftigungsbewilligung und Aufenthaltserlaubnis - erzwungen. Viele Polen führen daher dauerhaft ein "Leben in zwei Gesellschaften" und haben sich im Lauf der Zeit hybride Identitäten zugelegt: Eine starke Verbundenheit mit Polen und die Herausbildung einer österreichischen Identität gehen häufig eine harmonische Koexistenz ein.

Arbeitsplatzbeschaffung
Die gegenwärtige polnische Migration ist in der Regel ökonomisch motiviert, hängt aber auch mit demographischen Faktoren zusammen: Polen ist das mit Abstand bevölkerungsreichste Land Ostmitteleuropas und weist immer noch - anders als die meisten anderen osteuropäischen Staaten - ein natürliches Bevölkerungswachstum auf. Die amtliche Statistik dokumentiert, dass die polnischen Migranten meist Personen im Erwerbsalter sind. Auf dem österreichischen Arbeitsmarkt liegen die Schwerpunkte der Erwerbstätigkeit polnischer Männer in den Metall- und Elektroberufen, in der Baubranche sowie in Hotellerie und Fremdenverkehr. Frauen sind vor allem in Privathaushalten tätig. Die legale Beschäftigung polnischer Staatsbürger hat auf dem Wiener Arbeitsmarkt in nahezu sämtlichen Branchen im Verlauf der 1990er Jahre abgenommen. Wie aus den vom ISR erhobenen Daten hervorgeht, erfolgt die Arbeitsplatzbeschaffung sehr häufig über die informellen Strukturen der lokalen "Polonia", wie man die polnische Diaspora auch mit dem lateinischen Namen für Polen bezeichnet.

Entwertung mitgebrachter Qualifikationen
Der Vergleich der in Polen erlernten mit den in Wien ausgeübten Berufen dokumentiert die Entwertung mitgebrachter Qualifikationen. Nur ein Drittel jener, die eine Ausbildung als Techniker vorweisen, konnte auch eine ausbildungsadäquate Beschäftigung erlangen. Polnische Männer sind primär im Bauwesen beschäftig, Frauen sind vor allem im Dienstleistungssektor (z.B. als Haushaltshilfen und in der Reinigung) überrepräsentiert.

Pendler zwischen den Kulturen
Die Daten aus den eigenen Erhebungen des ISR belegen, dass rund 70% der Befragten aus dem Südosten Polens stammen. Die Familienstrukturen haben sich in den vergangenen zehn Jahren erheblich verändert. 1993 kamen weit mehr Einzelpersonen ohne Familie nach Wien. Im Jahr 2002 führte das Gros der - vor allem vor der Polnischen Kirche im dritten Wiener Bezirk - befragten Polen nur noch einen Wiener Haushalt, und rund ein Viertel hatte ein Haushaltssplitting zwischen Wien und Polen durchgeführt.

Weltweit fühlen sich etwa 20 Millionen Menschen der "Polonia" zugehörig, die aber nur zum geringeren Teil Migranten und Migrantinnen der ersten Generation sind, sondern als deren Nachfahren polnische kulturelle Traditionen pflegen. Die polnische Community in Wien umfasste 2001 rund 25 000 Personen, die in Polen geboren wurden.

Die Studie:
Heinz Fassmann, Josef Kohlbacher und Ursula Reeger, 2004: Polen in Wien. Entwicklung, Strukturmerkmale und Interaktionsmuster. ISR-Forschungsbericht 30. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Kontakt:
MMag. DDr. Josef KOHLBACHER
Institut für Stadt- und Regionalforschung
Postgasse 7/4/2, 1010 Wien
T + 43 (1) 51 581 - 3527
Josef.Kohlbacher@oeaw.ac.at
http://www.oeaw.ac.at/isr/

Mag. Dr. Ursula REEGER
Institut für Stadt- und Regionalforschung
Postgasse 7/4/2, 1010 Wien
T + 43 (1) 51 581 - 3525
Ursula.Reeger@oeaw.ac.at
http://www.oeaw.ac.at/isr/


O. Univ.-Prof. Dr. Heinz FASSMANN
Institut für Stadt- und Regionalforschung
Postgasse 7/4/2, 1010 Wien
T: + 43 (1) 51 581 - 3522
Heinz.Fassmann@oeaw.ac.at
http://www.oeaw.ac.at/isr/


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