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Europäische Pressemärkte

ÖAW-Publikation zeigt erstmals europaweit einheitliche Maßstäbe für  die Erfassung und Zuordnung von Zeitungen auf und beleuchtet  die aktuelle Situation der österreichischen Zeitungsbranche.  Präsentation am 29. Oktober 2004



Auch wenn Europa immer mehr zusammenwächst, so gibt es bisher für die europäischen Pressemärkte keine vergleichbaren statistischen Angaben. Die Veröffentlichungen der UNESCO, der statistischen Zentralämter und der nationalen Verlegerverbände basieren auf ganz unterschiedlichen Standards, die wissenschaftlich abgesicherte Aussagen über Entwicklungstrends und deren Ursachen kaum zulassen. Die von Prof. Dr. Beate Schneider und Prof. Dr. Walter J. Schütz am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung Hannover gestartete Initiative hat sich daher das Ziel gesetzt, einheitliche Maßstäbe für die Erfassung von Zeitungen zu entwickeln. Dafür wurde ein mehrstufiges Verfahren gewählt, um in Kooperation mit Experten aus west- und osteuropäischen Staaten die jeweiligen nationalen Eigenheiten zu diskutieren und in die Gesamtlösung zu integrieren. Damit wird erstmals in der europäischen Pressestatistik ein methodisches Instrumentarium vorgelegt, das sicher stellt, dass in allen Ländern Gleiches mit gleichen Kriterien gemessen wird.

Der neue Band der im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erscheinenden Reihe "Relation" dokumentiert die bisherigen Ergebnisse dieses internationalen Forschungsvorhabens, an dem sich in einer ersten Phase Vertreter von 14 europäischen Staaten beteiligt haben. Es sind dies: Belgien, Bulgarien, Deutschland, Estland, Island, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Russland, Serbien, Slowakische Republik und Spanien. In einem einführenden Beitrag erläutert Dr. Hanns Peter Nehl von der Generaldirektion Wettbewerb der Europäischen Kommission die wettbewerbsrechtlichen Grundlagen.

Fundierte Darstellung der österreichischen Zeitungsbranche

Im Kontext dieser Forschungsinitiative wurde an der ÖAW mit einer kontinuierlichen Beobachtung und Analyse des österreichischen Pressemarkts begonnen. Die in der "Relation" veröffentlichten Ergebnisse der ersten österreichischen Zeitungsstichtagserhebung vom Mai 2003 erlauben nunmehr - in Kombination mit den an der ÖAW durchgeführten Langzeitforschungen - eine fundierte Darstellung der österreichischen Zeitungsbranche.

Demnach hat sich der seit den späten 1980er Jahren anhaltende Trend zur Lokalisierung der Tagespresse weiter verstärkt. Gegenwärtig lässt sich das gesamte Bundesgebiet in 52 lokale Märkte einteilen, die aber hinsichtlich des Zeitungsangebots ein starkes Ost-West-Gefälle aufweisen. So gibt es von Vorarlberg bis Oberösterreich ausschließlich Ein-Zeitungs-Kreise, d.h. die Leser können dort nicht zwischen mehreren Tageszeitungen wählen, die eine spezifische Lokalberichterstattung für ihre Region anbieten.

Verstärkt hat sich auch der Konzentrationsprozess in der österreichischen Zeitungsbranche. So hat der Marktanteil der vier größten Unternehmen 2003 mit 83,6% einen Spitzwert in der Zweiten Republik erreicht. Mit Hilfe statistischer Maßzahlen (Herfindahl-Hirschman-Index) lässt sich verdeutlichen, dass dieser Konzentrationsgrad so hoch ist, als wenn sich - unter der Prämisse gleich großer Marktanteile - statt der tatsächlichen 12 Verlage bzw. Verlagsgruppen nicht ganz 3 Unternehmen den Markt aufteilen würden.

Weniger eindeutig lässt sich hingegen die Entwicklung am Werbemarkt interpretieren. Einerseits stagnieren die Tageszeitungen derzeit auf ihrem niedrigsten Niveau seit Beginn der Erhebungen (wenngleich sie weiterhin den größten Teil des Werbekuchens für sich verbuchen können). Andererseits vollzieht das Werbeaufkommen der Tageszeitung (gemessen als Differenz zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts) in den letzten zwanzig Jahren - stärker als andere Medien - die Entwicklung des Gesamtwerbeaufkommens im Wesentlichen mit. Die sich ankündigende leichte Umkehr des Gesamttrends könnte sich also auf die Tagespresse positiv auswirken - wenn sie nicht seitens der regionalen Wochenblätter noch stärker als bisher unter Druck gerät.

Veranstaltungshinweis Präsentation und Festvortrag am 29. Oktober 2004:
http://www.oeaw.ac.at/deutsch/aktuell/veranstaltungen/veranstaltung_3223.html

Das Programm finden Sie unter:
http://www.oeaw.ac.at/shared/news/2004/pdf/EINLADUNG_29-10-04.pdf



Neuerscheinung im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften:
Beate SCHNEIDER und Walter J. SCHÜTZ (Hg.)
Europäische Pressmärkte / European Press Markets
Annäherungen an eine länderübergreifende Zeitungsstatistik /
Developing Comparative Statistics on Newspapers
aus der Reihe Relation N.F. 1/2004
Beiträge zur vergleichenden Kommunikationsforschung /
Communication Research in Comparative Perspective
Hg. von Herbert Matis
http://verlag.oeaw.ac.at

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