Suche      Home      Kontakt      Sitemap      Deutsch

Carl Freiherr von Rokitansky: 200. Geburtstag des Begründers der Pathologischen Anatomie

ÖAW und  Gesellschaft der Ärzte ehren ihren ehemaligen Präsidenten  im Rahmen von Festveranstaltungen in Wien am 19. und 20. Februar 2004



Carl Freiherr von Rokitansky gab der medizinischen Forschung um die Mitte des 19. Jahrhunderts wichtige Impulse, indem er sie konsequent an der modernen Naturwissenschaft ausrichtete. Er maß der morphologischen Ausprägung der Krankheiten besondere Bedeutung zu und revolutionierte Diagnose und Therapiemöglichkeiten durch die Auswertung morphologischer Befunde verstorbener Patienten. Mit dieser Methode wurde der am 19. Februar 1804 in Königgrätz/Hradec Králové (Böhmen) geborene Rokitansky zum Begründer der Pathologischen Anatomie. Sein wissenschaftlicher Ansatz wurde im 20. Jahrhundert weiterentwickelt und methodisch erweitert. In der - heute "Klinische Pathologie" genannten - Fachrichtung tragen auch Immunhistochemie und molekulare Biologie dazu bei, die Diagnosemöglichkeiten zu verbessern.

Anlässlich des 200. Geburtstages von Carl Rokitansky ehren die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und die Gesellschaft der Ärzte in Wien den Begründer der Pathologischen Anatomie, der viele Jahre als Präsident beider Einrichtungen fungierte. Seine zukunftsweisenden Leistungen als Forscher und sein gesellschaftliches Engagement werden im Rahmen eines Festakts in der ÖAW sowie in zwei wissenschaftlichen Symposien - eines veranstaltet von der Gesellschaft der Ärzte in Wien und ein weiteres von der ÖAW - und einer Ausstellung gewürdigt.

Rokitansky: Pathologe, Politiker und Philosoph
Rokitansky hat in vielen Bereichen der Pathologischen Anatomie sowie in der gesamten Medizin Spuren hinterlassen. Viele seiner Entdeckungen sind, wenn auch oft anonym, in das allgemeine medizinische Fachwissen eingegangen. Er hat mit dem Ansatz der Pathologischen Anatomie wertvolle Beiträge zur Erforschung der Krankheitsursachen und Krankheitsausgänge auf morphologischer Basis geliefert. Im Rahmen des wissenschaftlichen Symposiums der ÖAW wird beispielsweise Rokitanskys Suche nach den Ursachen der Atherosklerose aus heutiger Sicht referiert.

Die Aktivitäten des Begründers der Pathologischen Anatomie beschränkten sich nicht auf die Medizin: In Führungspositionen verschiedenster akademischer und politischen Institutionen prägte er nicht nur die Geschichte der Wiener Medizinischen Schule, sondern auch die ära des Österreichischen Hochliberalismus. Rokitansky repräsentierte den Liberalismus des Bildungsbürgertums. Im Streben nach "Freiheit und Fortschritt" trug er sowohl zur Universitätsreform bei, als auch zur wesentlichen Verbesserung des Gesundheitswesens. 1853 wurde er der erste frei gewählte Rektor aus dem medizinischen Professorenkollegium der Universität Wien und oberster Sanitätsrat. Ab 1850 leitete er die Gesellschaft der Ärzte in Wien. 1867 wurde er als Vertreter der Wissenschaft ins Herrenhaus des Reichsrats berufen. Der angesehene Mediziner wurde 1869 zum Präsidenten der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften gewählt, eine Funktion, die er bis zu seinem Tod am 23. Juli 1878 innehatte.

Obwohl Rokitansky in der naturwissenschaftlichen Forschung für die "materialistische Methode" eintrat, lehnte er den Materialismus als Weltanschauung ab. Er warnte davor, Patienten nur mehr als Objekte der Forschung zu sehen und so ihre Würde als Person zu missachten. Bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts thematisierte er die ethischen Probleme einer naturwissenschaftlich orientierten Medizin. Sein philosophisches Weltbild war gegen die romantische Naturphilosophie gerichtet und vereinte Elemente des Denkens von Bernard Bolzano, Immanuel Kant und Arthur Schopenhauer.

Carl Freiherr von Rokitansky
Jubiläumsveranstaltungen zum 200. Geburtstag


Festakt der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Donnerstag, 19. 2. 2004, 10.00 - 12.15 h
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, A-1010 Wien

Wissenschaftliches Symposium der Gesellschaft der Ärzte in Wien und Eröffnung der Ausstellung
Donnerstag, 19. 2. 2004, 16.00 - 19.00 h
Frankgasse 8, A-1090 Wien

Wissenschaftliches Symposium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Freitag, 20. 2. 2004, 9.30 - 16.00 h
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, A-1010 Wien

Veranstalter
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Gesellschaft der Ärzte in Wien
Institut für Geschichte der Medizin der Medizinischen Universität Wien

Programm unter

Kontakt:
Dr. Marianne Baumgart
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Austrian Academy of Sciences
Oeffentlichkeitsarbeit
Public Relations
A-1010 Wien, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
Marianne.Baumgart@oeaw.ac.at
Tel: ++43-1-51581-1219
Fax: ++43-1-51581-1227
www.oeaw.ac.at