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25.02.2004

Auf den Spuren von einzigartigen Sanskrit-Handschriften

Joint Venture Beijing-Wien: Für die Erforschung des Buddhismus  beginnt ein neues Kapitel



Ein Joint Venture zwischen Beijing und Wien eröffnet der Buddhismus-Forschung endlich neue Möglichkeiten. Nach langjährigen Bemühungen ist es dem von Prof. Ernst Steinkellner geleiteten Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gelungen, den Zugang zu einem der letzten großen, bisher unzugänglichen Kulturschätze Asiens zu eröffnen: zu in Tibet erhalten gebliebenen, um die tausend Jahre alten Palmblatt-Handschriften mit buddhistischen Sanskrit-Texten aus dem ersten Jahrtausend. Eine Kooperation zwischen der österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und dem Chinesischen Zentrum für Tibetologische Forschung in Beijing mit dem Ziel der wissenschaftlichen Erschließung dieser Texte und Handschriften wurde vor kurzem vertraglich fixiert.

Wichtige Erkenntnisse durch die unbekannten Originaltexte erwartet
Im Laufe der Verbreitung des Buddhismus in Tibet (vom 7. bis zum 14. Jh. ) wurden zahlreiche Sanskrit-Handschriften zur übersetzung nach Tibet gebracht. Nach ihrer übersetzung wurden die kaum noch verwendeten Handschriften in verschiedenen klösterlichen Zentren sorgfältig aufbewahrt und konnten dank der günstigen klimatischen Verhältnisse in das 20. Jahrhundert gerettet werden. Durch die sozialen Veränderungen in Tibet nach 1959 und die "Kulturrevolution" ging ein Teil des Bestandes verloren. Zahlreiche Handschriften wurden jedoch in Sammlungen vor allem in Lhasa eingegliedert und in den achtziger Jahren auch teilweise verfilmt. Die Handschriften selbst unterliegen als tibetisches Kulturgut dem Schutz durch die Kulturgüterverwaltung der Autonomen Region Tibet. Die Kopien von den Mikrofilmen waren für die wissenschaftliche Bearbeitung der Texte gedacht. Der nun abgeschlossene Vertrag bezieht sich auf diese Kopien und stellt einen ersten Schritt zu ihrer Bearbeitung dar.

Unter den damit zugänglichen Texten befinden sich für die Geistesgeschichte des Buddhismus außerordentlich wichtige Werke, die die Forschung bisher nur durch übersetzungen in das Tibetische kannte. Es ist, als wären bisher nur durch arabische übersetzungen bekannte Hauptwerke der griechischen Philosophie nun in ihren griechischen Originaltexten zugänglich. Vor allem für die Geschichte der buddhistischen Philosophie ab der Mitte des ersten Jahrtausends sind hier wichtige Erkenntnisse zu erwarten. Auch für die letzte Phase des Buddhismus in Indien, den so genannten buddhistischen Tantrismus, erschließt sich erst durch diese Sanskrit-Handschriften eine Fülle von bisher oft gänzlich unbekannten Originalwerken. Die Bedeutung des Materials für die Erforschung der vormodernen asiatischen Geistes- und Religionsgeschichte kann daher nicht hoch genug geschätzt werden. Für die Erforschung der Religions- und Ideengeschichte des Buddhismus wird damit ein neues Kapitel beginnen.

"Sanskrit Texts from Tibet"- eine neue Publikationsreihe gemeinsam mit dem ÖAW-Verlag
Der erste Arbeitsschritt wird in der Erfassung und Beschreibung der Sammlung im Forschungszentrum in Beijing bestehen. Gleichzeitig werden für wichtige Texte kritische Editionen vorbereitet. Sie werden den Beginn einer Reihe "Sanskrit Texts from Tibet" -darstellen, die durch den Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und des Chinesischen Forschungszentrums als "joint venture" in Beijing veröffentlicht werden soll.

Kopien von Handschriften zur Auswahl,download unter: http://www.oeaw.ac.at/ias/archiv/downloads/

Kontakt:
Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Univ.-Doz.Dr. Helmut Krasser
Strohgasse 45/2/4
A - 1030 Wien
Tel: (+43 1) 515 81 / 6420
Fax: (+43 1) 515 81 / 6427
E-Mail: helmut.krasser@oeaw.ac.at
http://www.oeaw.ac.at/ias