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Das neue Institutsgebäude
Ein Entwurf von Boris Podrecca


Mitten in einem undeterminierten Bebauungsgebiet mit autistischen Baukörpern beabsichtigt der Entwurf ein offenes Haus mit einem dynamischen Forschungsmilieu zu schaffen. Es soll eine Forschungsstätte entstehen, wo sowohl Elemente der Natur (Pflanzen, Wasser) als auch Orte der Interaktion und Kommunikation nebeneinander platziert sind. Dadurch wird parallel zum funktionalen Arbeitsweg die Zufallsbegegnung erzielt. Das Kommen und Gehen innerhalb der Forschungsgruppen soll durch differenzierte Perspektiven und reichhaltige Bilder aufgewertet werden. Diese beabsichtigte und arbeitsfördernde Atmosphäre drückt sich in einem heterogenen Gebilde, das mehr einer kleinen Stadt als einem Fließbandbüro ähnelt, aus.

Das Labor, der maßgebende Bedeutungsträger der Genforschung, wird in diesem Entwurf zur tragenden Gestalt. Einmal von seiner üblichen linearen Kettengliederung befreit, entwickelt er sich in autonomen Gruppen weiter und kann bei Bedarf erweitert oder rückpositioniert werden. Das Labor wirkt als Gehirn im Kopf und ist von einem thermischen Raum, der aus geschuppten Glastafeln besteht, umhüllt. Da das Labor von seiner üblichen Außenwandfunktion enthoben wird, kann es aus einem leichten und dadurch variablen Material zusammengesetzt werden, es wirkt als Maßanzug und nicht wie Konfektion.

Ganz anders zeigen sich die Büroräume, deren Breite sowohl Einzel- als auch Gruppenbüros ermöglicht. Der an der Dr. Bohr-Gasse liegende Baukörper (Spaltsteinmodule) definiert seinen urbanen Kontext als Straßenfront und bildet den Rücken für die Gesamtkomposition der Forschungsstätte. Gleichzeitig aber entwickelt er sich in einem Sockel weiter, der als Tablett für die gläserne und thermische Hülle dient. Labor und Büros werden dynamisch über den langgestreckten Erschließungsraum zusammengefasst. Dieser folgt der Linearität des Altbau-Korridors und wird durch eine analoge Laterne mit tiefreichendem zenitalen Tageslicht durchflutet. Durch den gläsernen Baukörper an der Süd-Ost-Seite des Grundstückes ist der Lichteinfall zum Nachbarn weitgehend gewährleistet.

In Bezug auf das Raumprogramm der Ausschreibung hielt es der Verfasser für angebracht, die zwischen den beiden Körpern gut platzierte und wie es scheint neurenovierte Bibliothek in ihrer jetzigen Lage zu belassen. Ihr Innenraum mit den weitausholenden Sheds bildet mit Sicherheit den architektonisch qualitativsten Abschnitt im alten Haus. Unter allen diesen Aspekten erscheint die Beibehaltung der Bibliothek in der jetzigen Lage als opportun. Dazu wurden die im Raumprogramm festgesetzten Archive im Zusammenhang mit den bestehenden unter die Bibliothek verlagert. Die jetzt dort vorhandenen Räume wie Werkstatt, Haustechnik, etc. werden als Teil des Service-Bereiches im neuen Erdgeschoß vorgeschlagen. Bei dieser Lösung kann die Bibliothek ihrer Nutzung entsprechend auch von einem separaten Eingang erschlossen werden.

Das Quergefälle des Grundstückes bietet eine Umschichtung hinsichtlich der laut Ausschreibung im EG verlangten Ladezone. Der Verfasser schlägt vor, direkt von der Aufschließungsstraße im Süd-Osten in das erste Kellergeschoß einzufahren. (Ladezone, Ein- und Abfahrt in die Tiefgarage)

Die vertikale Aufschichtung der Arbeitsgeschoße mündet unter dem Dach in eine durchgehende öffentliche Ebene, wo sich der Veranstaltungs- und Kommunikationsbereich, Gästewohnungen, Werkküche und Cafeteria befinden. Von hier aus öffnet sich der Blick auf die Donaulandschaft, die somit ein Naturkorrelat zum konzeptuellen Ideogramm des Entwurfes für die Forschungsstätte darstellt.


 
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last update: 2001/11/20
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