Derzeit werden im Rahmen der Alpenforschung folgende Projekte durchgeführt:
ALPKULTUR - Cultural-historical documentation of toponyms in the Alpine region
Projektleitung:
Dr. Isolde HAUSNER, Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Dauer:
3 Jahre (ab 2004)
Kurzfassung
ALPKULTUR - Kulturhistorische Namendokumentation im Alpenraum: Die Berg- und Almnamen Osttirols
Mit der Unterzeichnung der Alpenkonvention hat sich Österreich mannigfache Verpflichtungen zum Schutz und zur Erforschung seines Alpenraumes auferlegt. In Art. 2, Abs. 2a verpflichten sich die Vertragsparteien im Bereich "Bevölkerung und Kultur" geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die die "...Achtung, Erhaltung und Förderung der kulturellen und gesellschaftlichen Eigenständigkeit der ansässigen Bevölkerung..." zum Ziel haben. Damit ist auch die Einbindung kulturhistorischer und sprachwissenschaftlicher Forschungen über den Alpenraum indiziert.
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Erhalt des kulturhistorischen Erbes
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Gesellschaftliche Verantwortung für Natur- und Kulturerbe
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Sprachliche Vielfalt im Lichte einer nachhaltigen kulturellen Entwicklung
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Initiative zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit
Im Nameninventar sind die sprachlichen Informationen der frühen Namengeber sowie deren kulturelle Leistungen in der Erschließung des alpinen Raumes enthalten. Osttirol ist die Kontaktzone zwischen den drei großen Sprachenfamilien Europas, dem Romanischen, Slawischen und Germanischen (Bairischen), es ist ein überschaubarer Raum gegeben, der für den Alpenraum repräsentative Forschungsergebnisse erwarten lässt. Im Namenschatz lassen sich verschiedene Kulturtechniken ablesen, wie etwa unterschiedliche Arten der Urbarmachung (Brandrodung, Trockenlegung etc.), oder die vielfältigen Formen der Alpwirtschaft (Gemeinschaftsalpen, Hochalpen, Galtalpen etc.). Ein großer Teil des Namengutes enthält Informationen zu den topographischen Gegebenheiten, der Vegetation und den Bewirtschaftungsformen.
Im Projekt ALPKULTUR wird eine Datensammlung von Berg- und Almnamen Osttirols angelegt, die die historischen Quellen und Belege, die linguistisch-kulturhistorische Auswertung und die dialektalen Formen beinhaltet. Die Verknüpfung der Berg- und Almnamen mit einer topographischen Karte, mit Orthophotos, einem Geländehöhenmodell, der Sonneneinstrahldauer, der Bodengüte etc. dient der Visualisierung der für den Alpenraum charakteristischen kleinräumigen Verbreitung der einzelnen Sprachen, Wirtschaftsformen und wechselnder Siedlungsdichte im Laufe der Jahrhunderte. Der aus den Toponymen stammende appellativische Wortschatz wird die kulturräumliche Verbreitung bestimmter Wirtschaftsformen, wie sie den einzelnen ethnischen Gruppen zugeordnet werden können, kartographisch erfassen.
Die Zielsetzung des Gesamtprojektes besteht darin, eine möglichst umfangreiche Analyse der Sprachdaten mit den kulturhistorischen Gegebenheiten zu verschränken. Die Innovation besteht nicht nur im interdisziplinären Zugang, sondern auch in der Darbietung als WebGIS-Publikation. Die Gemeinden sowie die Tourismuswirtschaft zeigen reges Interesse an der Herkunft und der Entstehung der Namen auf ihrem Gebiet. Für die Gemeinden liegt der Nutzen im Erhalt einer autochthonen Namenlandschaft, die durch die Zersiedelung und das Abreißen der alpwirtschaftlichen Traditionen gefährdet ist und durch ein vermehrtes Bewusstsein für die historischen Hintergründe gestärkt werden kann.
Kontakt:
Dr. Isolde Hausner
Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Postgasse 7, 1010 Wien
T +43 1 51581-3496
F +43 1 51581-3495
isolde.hausner@oeaw.ac.at
Prähistorische und antike Verkehrswege in den Ostalpen - zur Dokumentation und Rekonstruktion archäologischer Siedlungs-, Wirtschafts- und Verkehrsstrukturen mit Hilfe eines Katasters archäologischer Fundstätten (KAFAlp)
Projektleitung:
Prof. Dr. Otto H. URBAN, Prähistorische Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Dauer:
3 Jahre (ab 2004)
Kurzfassung
Im Rahmen des Projektes wird eine GIS-basierende Datenbank aller bekannten archäologischen Fundstellen des Arbeitsgebietes (hochalpinen Raum der Steiermark und Oberösterreich) erstellt, die erstmals die Möglichkeit bietet, den topographischen Kontext der Fundorte in einem Geländemodell darzustellen. Ausgehend von der genauen Kartierung aller aus der Literatur bekannten neolithischen bis spätantiken Fundstellen, die von Mitarbeiterinnen in den Bundesländern Oberösterreich und Steiermark erfasst und mittels GPS genau lokalisiert werden, helfen Geländemodelle und Luftbilder, den Verlauf antiker Wegtrassen zu rekonstruieren. Zufallsfunde und Siedlungen entlang der Wege helfen, die Nutzungsphasen zu datieren und so eine chronologisch fassbare Tiefe zu erhalten.
Allerdings beschränkt sich das Projekt nicht nur auf die Erfassung bereits bekannter Fundstellen, sondern versucht neue archäologische Denkmäler, nicht nur punktuelle Fundstätten, sondern auch lineare Strukturen, wie alte Wegtrassen, zu entdecken und zu dokumentieren. Dazu werden im Luftbildarchiv der Universität Wien sämtliche Senkrechtaufnahmen des Arbeitsgebietes erfasst, kartiert und interpretiert. Zusätzlich werden mögliche Fundhoffnungsgebiete gezielt beflogen und resultierende Schrägaufnahmen ausgewertet. Ein wesentlicher Schwerpunkt des Projektes ist die Erweiterung des Einsatzes der Luftbildarchäologie im hochalpinen Raum Österreichs und somit die gezielte Weiterentwicklung und Anwendung einer der wichtigsten archäologischen Prospektionsmethoden in einem neuen Landschaftstyp. In der Pilotphase (2004) wird zunächst der Fokus auf die Verkehrsverbindung zwischen den bedeutenden eisenzeitlichen Fundstellen Hallstatt und Strettweg gelegt, wobei die Überquerung und Nutzung des Dachsteinmassives in prähistorischer und antiker Zeit besonders interessant erscheint.
Die Rekonstruktion des Wegenetzes sowie der dazugehörigen Siedlungs- und Wirtschaftsstrukturen bieten Hinweise auf die Erschließung und Nutzung der Alpenregion, dem Werden und Wandel einer Kultur- und Naturlandschaft. Der KAFAlp schafft die Grundlage für weiterführende historisch - topographische Auswertungen und gezielten Denkmalschutz im alpinen Raum.
Kontakt:
Prof. Dr. Otto H. Urban
Prähistorische Kommission
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Franz-Klein-Gasse 1, 1190 Wien
T +43 1 4277-40474
F +43 1 4277-9404
otto.urban@univie.ac.at
Evidenz von Datenbank und WebGIS RAUMALP
Projektleitung:
Prof. Dr. Axel BORSDORF, Forschungsstelle für Gebirgsforschung: Mensch und Umwelt, Österreichische Akademie der Wissenschaften
Dauer:
4 Jahre (ab 2005)
Kurzfassung
Das Projekt RAUMALP, in dem sieben Forschergruppen aus vier österreichischen Universitäten und dem Institut für Stadt- und Regionalforschung der ÖAW interdisziplinär raumstrukturelle Probleme im Alpenraum untersucht haben, ist seit 2003 abgeschlossen. In diesem Projekt wurde eine dynamische Datenbank mit 1300 georeferenzierten Variablen erstellt, die die Grundlage eines Geographischen Alpeninformationssystems für Österreich (GAKPIS) bildet. Dieses wird, zunächst bis 2007 befristet, fortgeführt und wurde inzwischen als webbasiertes interaktives Geographisches Informationssystem (GALPIS-web) ins Internet gestellt
(
www.galpis.at
). GALPIS bietet für weitere Projekte des Nationalkomitees Schnittstellen an, so dass deren Daten, sofern diese georeferenziert sind, in das Informationssystem implementiert werden können.
Ein weiteres Produkt von RAUMALP ist ein moderner Atlas mit dem Titel "Das neue Bild Österreichs. Strukturen und Entwicklungen im Alpenraum und in den Vorländern", Verlag der ÖAW, Wien 2005, 160 Seiten, ISBN 3-7001-3513-0.
Kontakt:
Prof. Dr. Axel Borsdorf
Forschungsstelle für Gebirgsforschung: Mensch und Umwelt
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Technikerstr. 21a
Otto Hittmair-Platz 1, 6020 Innsbruck
T +43 512 507-4940, 4901, 5400
Axel.Borsdorf@uibk.ac.at
Seasonal climate impact on alpine land-use development - CLIM-LAND
Projektleitung:
Prof. Dr. Roland SCHMIDT und Dr. Jens. BOENIGK, Institut für Limnologie der ÖAW
Dauer:
2 Jahre (ab 2006)
Kurzfassung
Klima-Saisonalität und Entwicklung der Alpinen Landnutzung (CLIM-LAND)
CLIM-LAND ist eine multidisziplinäre Studie. Das Ziel ist die Rekonstruktion von saisonalen Klimavariablen in Bezug zur Landnutzung in den Österreichischen Alpen während der letzten 4000 Jahre. Für die quantitative Rekonstruktion dieser Variablen benützen wir Transferfunktionen mit Diatomeen, Chrysphyceen Dauerstadien und Chironomiden, die in einem Kalibrier-Datensatz von Seen der Österreichischen Zentralalpen erstellt wurden. Diese Transferfunktionen sollen auf die Fossilien eines Sedimentkerns aus einem Alpinen See (Oberer Landschitzsee) angewandt werden. Der See liegt etwas über der Baumgrenze in den Niederen Tauern (Lungau). Die saisonalen Klima-Muster werden mit der auf morphologischen und molekularen Untersuchungen basierenden Planktondynamik, geochemischen und mineralogischen Analysen zu Prozessen im Einzugsgebiet und mit Pollenanalysen über die Landnutzung verglichen. Weiters sollen molekularbiologische Untersuchungen helfen, Chrysophyceen-Zysten mit Arten zu verknüpfen, um damit einen Zugang zu deren rezenter Ökologie und Nutzung als Bio-Indikatoren zu erhalten.
Kontakt:
Prof. Dr. Roland Schmidt
Dr. Jens. Boenigk
Institut für Limnologie
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Mondseestr. 9, 5310 Mondsee
T +43 6232 3125
F +43 6232 3578
roland.schmidt@oeaw.ac.at
jens.boenigk@oeaw.ac.at
AUSTRO*ICE*CAVES 2100
Projektleitung:
Prof. Dr. Christoph SPÖTL, Institut für Geologie und Paläontologie, Universität Innsbruck
Dauer:
2 Jahre (ab 2006)
Kurzfassung
Die Ostalpen bergen eine beachtliche Anzahl spektakulärer unterirdischer Gletscher, die zu den größten auf der Erde gehören und von denen einige einen hohen touristischen Stellenwert besitzen. Das Schicksal dieser Eishöhlen in einer sich erwärmenden Welt ist nicht bekannt. Historische Dokumente belegen jedoch eindrücklich eine starke Abnahme des Höhleneises seit dem Ende der "Kleinen Eiszeit", d.h. seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Die Dringlichkeit dieser Fragestellung erkennend wird im Rahmen dieses multidisziplinären Pilotprojektes versucht, (a) ein besseres physikalisches Verständnis dieser unterirdischen Eis-Akkumulationen zu erhalten, (b) Szenarien über das Schicksal der alpinen Eishöhlen zu entwickeln und (c) das unerforschte Potential dieses Eises als Archiv früherer Umwelt- und Klimabedingungen in den Alpen abzuschätzen.
Kontakt:
Prof. Dr. Christoph Spötl
Institut für Geologie und Paläontologie
Universität Innsbruck
Innrain 52, 6020 Innsbruck
T +43 512 507-5593
F +43 512 507-2914
christoph.spoetl@uibk.ac.at
Microbial Communities of CRYOconites as Sensitive Indicators for RADioactive Impact on Alpine Glaciers - CRYO.RAD
Projektleitung:
Dr. Birgit SATTLER, Institut für Ökologie, Universität Innsbruck
Dauer:
2 Jahre (ab 2006)
Kurzfassung
Mikrobielle Gemeinschaften von Kryokoniten als empfindliche Indikatoren für radioaktiven Fallout auf alpinen Gletschern
Laut jüngsten Erkenntnissen sind die Schnee- und Eisflächen der Alpen und Polargebiete nicht mehr als steril und lebensfeindlich anzusehen, sondern gelten sogar als Ökosysteme und Refugien für Mikroorganismen und höhere angepasste Lebwesen. Spezielle Ausformungen auf Gletschern, so genannte Kryokonite, beherbergen zum Teil höchst aktive mikrobielle Gemeinschaften, welche wesentlich zur Umformung atmosphärischer Depositionen beitragen und Bestandteil der Nahrungskette sind.
Vor allem in alpinen Gletschern finden sich ungewöhnlich hohe Dosen an radioaktiven Überresten aus den Atombombentests sowie Tschernobyl, welche in Kryokoniten gebunden und gespeichert werden. Ziel dieses Projektes ist eine Kartierung der Kryokonite mit radioaktivem Fallout sowie eine Modellierung der Kryosphäre. Weiters sollen Radiouklide auf Gletschern als Tracer für atmosphärische Schadstoffe herangezogen werden, welche in Kryokoniten akkumuliert, über Mikroorganismen umgesetzt sowie wieder ausgeschwemmt werden und somit in das Schmelzwasser gelangen. Daher ist die Untersuchung der funktionellen Biodiversität der mikrobiellen Gemeinschaften von Wichtigkeit, welche mit radioaktiver Belastung vergesellschaftet sind und somit für die Absorption und biologische Aufnahme des Fallouts mitverantwortlich sind.
Durch das Zusammenspiel von Ökologie und Radiophysik soll neben der Auswirkung von Radionukliden auf die Kryosphäre die Genese von Kryokoniten verstanden werden, welche zusehends auch zum Gletscherrückzug beitragen.
Kontakt:
Dr. Birgit Sattler
Institut für Ökologie
Universität Innsbruck
Technikerstr. 25, 6020 Innsbruck
T +43 512 507-6124
F +43 512 507-2930
birgit.sattler@oeaw.ac.at
Y-chromosomal history of Tyrol: High-Resolution Analysis of Y-chromosome Variability in Selected Regions of the Tyrolean Alps (Austria): Influences of Topology and Demographic History on the Genetic Differentiation
Projektleitung:
Prof. Dr. Richard SCHEITHAUER, Dr. Burkhard BERGER, Dr. Walther PARSON, Institut für Gerichtliche Medizin, Medizinische Universität Innsbruck
Dauer:
3 Jahre (ab 2006)
Kurzfassung
Hochauflösende Analyse der Y-Chromosomalen Variabilität in ausgewählten Regionen der Alpen (Tirol): Einfluss der geographischen Topologie und der demographischen Geschichte auf die genetische Strukturierung
Genetische Informationen des nur über die väterliche Linie vererbten Y-Chromosoms eignen sich hervorragend zur Erforschung verschiedenster Aspekte der menschlichen Populationsgeschichte. Derzeit existieren qualitativ hochwertige Y-Daten für europäische Populationen, welche einen Überblick über die Populationsgeschichte und die räumliche Verteilung einzelne Populationen innerhalb Europas ermöglichen. Gleichzeitig gibt es jedoch kaum Daten, welche die Situation innerhalb des Alpenraumes widerspiegeln. Daher planen wir eine möglichst umfassende DNA-Probennahme unter der männlichen Bevölkerung in einem ausgewählten Gebiet der Alpen (Tirol). Die Hauptziele dieses multidisziplinären Projektes sind: (1) das Auffinden geeigneter Untersuchungsgebiete (Kriterien: Topologie des Untersuchungsgebietes und entsprechend aufgearbeiteter historischer Hintergrund) (2) das Sammeln einer großen Anzahl von DNA Proben verknüpft mit persönlichen Daten des Spenders (3) das Analysieren der Proben mithilfe hochauflösender Y-SNPs und Y-STRs und (4) die Verknüpfung der genetischen Daten mit dem historisch belegten Rahmen.
Kontakt:
Prof. Dr. Richard Scheithauer
Dr. Burkhard Berger
Dr. Walther Parson
Institut für Gerichtliche Medizin
Medizinische Universität Innsbruck
Müllerstr. 44, 6020 Innsbruck
T +43 512 507-3303
F +43 512 507-2764
richard.scheithauer@i-med.ac.at
burkhard.berger@i-med.ac.at
walther.parson@i-med.ac.at
Investigations of a cestod (
Triaenophorus crassus
) epidemic in Arctic charr (
Salvelinus alpinus
)
Projektleitung:
Dr. Robert SCHABETSBERGER, Institut für Organismische Biologie, Universität Salzburg
Dauer:
4 Jahre (ab 2007)
Kurzfassung
Untersuchung der Hechtbandwurmepidemie des Seesaiblingbestandes im Grundlsee (Steiermark, Österreich)
Seit mehr als 700 Jahren war der Grundlsee im steirischen Salzkammergut weitum berühmt für seinen Bestand an Seesaiblingen (
Salvelinus alpinus
). Diese waren so begehrt, dass ein großer Teil des Fangs an das Kaiserhaus in Wien geliefert werden musste. Obwohl die ersten Aufzeichnungen bis in das 13. Jahrhundert zurückreichen, waren bisher keine parasitären Epidemien aufgetreten. Im Jahr 2005 wurde zum erstenmal ein massiver Befall der Seesaiblinge mit dem Hechtbandwurm Triaenophorus crassus beobachtet. Mehr als die Hälfte der untersuchten Saiblinge waren bereits mit bis zu 17 Cysten in der Muskulatur infiziert. Es ist dies weltweit die erste dokumentierte Epidemie in einer Seesaiblingpopulation. In seinem parasitären Lebenszyklus befällt der Hechtbandwurms
Triaenophorus crassus
zuerst als Procercoid einen Ruderfußkrebs. Dieser wird von den Seesaiblingen (2. Zwischenwirt) gefressen und entwickelt sich in deren Muskulatur zu einem Plerocercoid. Der Lenbenszyklus des Hechtbandwurmes schließt sich, wenn ein infizierter Saibling vom Hecht gefressen wird und in dessen Darmtrakt der adulte Hechtbandwurm heranwächst. Die Epidemie resultiert vermutlich direkt oder indirekt aus dem Besatz bzw. dem Einschleppen der standortfremden Fischarten Hecht (
Esox lucius
), Renke (
Coregonus spp.
) und Barsch (
Perca fluviatilis
). Mit dem Hecht wurde der Endwirt in das Ökosystem eingebracht. Der Hechtbandwurm könnte auch über den Besatz mit infizierten Coregonen in den See gelangt sein. Der plötzliche Ausbruch der Epedemie resultiert wahrscheinlich aus der explosionsartigen Vermehrung des in den 1970Jahren eingeschleppten Flussbarsches, der als Nahrungskonkurrent den Seesaibling zwingt, vermehrt infizierte Copepoden zu fressen. In einer interdisziplinären Studie soll der Lebenszyklus des Hechtbandwurms im Grundlsee dokumentiert und die Rolle der standortfremden Fischarten im Nahrungsnetz untersucht werden. Weiters sollen Vorschläge zur Eindämmung der Parasitose und zum Schutz der benachbarten Seen (Hallstätter See, Altausseer See, Toplitzsee, Vorderer and Hinterer Lahngangsee) erarbeitet werden.
Kontakt:
Dr. Robert Schabetsberger
Institut für Organismische Biologie
Universität Salzburg
Hellbrunnerstraße 34, 5020 Salzburg
T +43 664 52 21 809
F +43 662 8044 5698
Robert.Schabetsberger@sbg.ac.at
Homepage
Ecological versus historical determinants of plant species distribution in the Austrian Alps
Projektleitung:
Dr. Stefan DULLINGER, V.I.N.C.A. - Institut für Naturschutzforschung und Ökologie GmbH
Dauer:
3 Jahre (ab 2007)
Kurzfassung
Ökologische und historische Determinanten von Pflanzenarealen in den österreichischen Alpen
"Historische Faktoren", d.h. beschränkte Ausbreitungsfähigkeit über längere Zeiträume und größere Regionen, können das Gleichgewicht zwischen der geographische Verbreitung von Arten und den aktuellen Umweltbedingungen einschränken. In diesem Projekt soll untersucht werden (1) inwieweit Arten alpiner Rasen ihr potentielles ökologisches Areal in Österreich besetzen; und (2) ob funktionelle Eigenschaften der Arten Unterschiede im Ausmaß der Arealbesetzung erklären können. Zur Abschätzung des potentiellen Areals der Arten werden Habitatmodelle verwendet, die auf der Annahme eines bestehenden Gleichgewichts zwischen Art und Umwelt beruhen. Diese Modelle werden mit Hilfe von Aufnahmedaten aus der GIS-gestützten Vegetationsdatenbank der österreichischen Alpen und Informationen zu Standortseigenschaften kalibriert. Räumlich explizite Prädiktionen dieser Modelle werden dann mit der realen Verbreitung der Arten in Österreich verglichen, um das Ausmaß der Arealbesetzung abzuschätzen. Die Ergebnisse werden auch einen Hinweis darauf geben, inwieweit statische Habitatmodelle sich für die Vorhersage von Effekten des Klimawandels auf die Verbreitung von Arten eignen.
Kontakt:
Dr. Stefan Dullinger
V.I.N.C.A. - Institut für Naturschutzforschung und Ökologie GmbH
Gießergasse 6/7, 1090 Wien
T +43 1 4029675
F +43 1 4029675 10
stefan.dullinger@vinca.at
Abgeschlossene Projekte