Termin:
12.11.2009
Übersetzen im Mittelmeerraum
Konstruktionen und Dekonstruktionen von "Okzident" und "Orient"
"Wien porta Orientis"
"Europa - und darin lag seine Stärke - hatte nie eine reine Seele": so Wolf Lepenies anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2006. Die "Vermittlungstätigkeit der Araber" seit dem 8. Jahrhundert, ohne die laut Lepenies in Europa weder Renaissance noch Aufklärung möglich gewesen wären, bestand freilich in einer genauer zu benennenden Arbeit: im Übersetzen und Kommentieren. Es waren Übersetzer, die Europas Seele von Anfang an verunreinigt haben; Übersetzer, deren Spuren jeder heutigen Behauptung einer "christlichen Identität" Europas die historische Berechtigung entziehen; Übersetzer, deren Nachlass jeden Versuch, reine und unvermischte kulturelle Blöcke zu konstruieren und gegeneinander auszuspielen, zur Geschichtslüge macht.
Den Ort ihrer Tätigkeit, das Mittelmeer, beschreibt Fernand Braudel als "espace de mouvement", als einen Bewegungsraum, als einen Raum der Begegnungen und der Kollisionen, des Handels, der Piraterei, der kriegerischen Auseinandersetzungen zur See. Hinzuzufügen wäre: der kursierenden Erzählungen - und des Übersetzens. Auch durch Übersetzungsprozesse konstituiert sich dieser Raum, anhand von Übersetzungsvorgängen lassen sich immer neue interne Grenzverschiebungen im Mittelmeerraum nachvollziehen.
Veranstalter: Europe as a Space of Translation und
Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der ÖAW
Programm [PDF]
Kontakt:
Alexander Preisinger
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Zentrum Kulturforschungen
Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte
Postgasse 7/4/3, 1010 Wien
T + 43 1 51581-3310

