Termin:
10.01.2008
19:45
Die iranische Zeitehe
Eine vorislamische Institution im schiitischen Gewand
Vortrag von Prof. Dr. Maria Macuch, Freie Universität Berlin, Institut für Iranistik, im Rahmen der Vortragsreihe "Kulturwissenschaftliche Iranforschung".
Das noch heute in Iran praktizierte zwölferschiitische Eherecht kennt eine Eheform, die in den sunnitischen Rechtsschulen nicht anerkannt wird: die Ehe für eine vertraglich genau festgelegte Zeit, die für eine Periode zwischen einer Stunde und 99 Jahren geschlossen werden kann. Will man Herkunft, Sinn und Zweck dieser Eheform aus den üblichen islamischen Rechtsquellen erklären, so bleibt diese Institution rätselhaft, ein Sonderfall, der sich nicht in das islamische Eherecht eingliedern lässt. Erst unter Hinzuziehung der iranischzoroastrischen Zeugnisse, die zahlreiche Formen der Zeitehe kennen und in ein komplexes, in sich logisches Eherechtssystem mit unterschiedlichen Heiratsformen zu diversen Zwecken eingebaut sind, wird die Herkunft der Zeitehe aus dem traditionellen, nach der islamischen Eroberung noch lange praktizierten iranischen Gewohnheitsrecht erklärbar.
Veranstalter: Das Institut für Iranistik der ÖAW und die Österreichische Orient-Gesellschaft Hammer-Purgstall.
Eintritt: € 4,00 (ermäßigt: € 2,00)
Weitere Informationen zur Vortragsreihe [PDF]
Kontakt:
Bettina Hofleitner
Institut für Iranistik
Zentrum Asienwissenschaften und Sozialanthropologie
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Prinz Eugen-Straße 8-10
1040 Wien
T +43 1 51581-7800

