Termin:
14.06.2007
18:00
Kleider machen Leute
Die iranische Konsumgesellschaft des 20. Jahrhunderts zwischen
Politik und Kommerz
Vortrag von Dr. Christl Catanzaro, Institut für Kultur und Geschichte des Nahen Ostens, Universität München im Rahmen der Vortragsreihe "Kulturwissenschaftliche Iranforschung". Welchen Einfluss hatten politische Vorschriften sowie reale und medial vermittelte Vorbilder auf das iranische Konsumverhalten im 20. Jahrhundert? Inwiefern trugen Konsum im Allgemeinen und Kleidung im Speziellen zur Differenzierung und Integrierung der iranischen Gesellschaft bei, inwieweit beeinflussten sie das Selbst- und Fremdverständnis der Individuen und die Mentalität von Klassen, Schichten und sozio-kulturellen Milieus?
Die stark an Europa orientierte Modernisierungspolitik Reza Schahs (1921-41) führte zur Entstehung einer modernen Konsumgesellschaft, die sich im Laufe des 20. Jahrhunderts konsolidierte und auch in der Islamischen Republik Iran (seit 1979) weiterlebt. Die durch die Modernisierung neu eröffneten Konsummöglichkeiten dienten der zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch stark nach Berufsgruppen und Ständen organisierten und entsprechend sozial differenzierten iranischen Gesellschaft jedoch nicht als Gleichmacher. Im Gegenteil, das Konsumverhalten teilte die iranische Gesellschaft, teilte bis zu einem gewissen Grad sogar einzelne Individuen, die nun die Möglichkeit hatten, zwischen zwei Wertesystemen, dem traditionell-islamischen und dem modern-westlichen, zu entscheiden. Ein Dilemma, das, unter neuem Vorzeichen, auch in der Islamischen Republik Iran fortbesteht.
Veranstalter: Das Institut für Iranistik der ÖAW und die Österreichische Orient-Gesellschaft Hammer-Purgstall.
Eintritt: € 4,00 (ermäßigt: € 2,00)
Kontakt:
Bettina Hofleitner
Institut für Iranistik
Zentrum Asienwissenschaften und Sozialanthropologie
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Prinz Eugen-Straße 8-10
1040 Wien
T +43 1 51581-7800

