Termin:
27.06.2006
18:15
100 Jahre Verfassungsrevolution in Iran
Der Beginn einer demokratischen Tradition?
Vortrag von Christoph Werner im Rahmen der Vortragsreihe "Kulturwissenschaftliche Iranforschung". Vor hundert Jahren, im August des Jahres 1906, unterzeichnete Mozaffaroddin Shah die erste Verfassung Irans. Dieses Ereignis markiert den ersten Höhepunkt der Verfassungsrevolution (1905-1911), in der eine breite Allianz verschiedenster Gruppen der iranischen Gesellschaft sich für mehr Gerechtigkeit und ein Beschränkung der absoluten Monarchie einsetzte. Das erste Parlament stand vor schwierigen Aufgaben und fand erst langsam in seine Rolle hinein. Die Abgeordneten waren gezwungen, zwischen den konservativen Eliten des Hofes, zunehmend radikalen Räten und den in der Presse formulierten hohen Erwartungen zu manövrieren. Schmerzhaft mussten sie erfahren, dass Demokratie ein langsamer Lernprozess ist und die politischen Gestaltungsmöglichkeiten angesichts leerer Kassen und andauernden ausländischen Einflusses begrenzt waren. Die erste Phase der Verfassungsrevolution war jedoch ein einzigartiges Experimentierfeld der Demokratie. Die damals gewonnenen Erfahrungen prägten die weitere politische Entwicklung Irans entscheidend und können auch noch nach hundert Jahren als ein positives Beispiel demokratischer Kultur in einer von islamischer Tradition geprägten Gesellschaft dienen.
Univ.-Prof. Dr. Christoph Werner ist Juniorprofessor für Islamwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau. Er studierte in Freiburg, Bamberg und Teheran und promovierte 1999 zur Stadtgeschichte von Tabriz im 19. Jahrhundert. Sein besonderes Interesse gilt der Geschichte der iranischen Welt in der frühen Neuzeit und der Zeitgeschichte Irans.
Veranstalter: Das Institut für Iranistik der ÖAW und die Österreichische Orient-Gesellschaft Hammer-Purgstall.
Kontakt:
Bettina Hofleitner
Institut für Iranistik der ÖAW
Prinz Eugen-Straße 8-10
A-1040 Wien
T +43 1 51581-7800

