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Termin:
12.12.2003
9:00



Tagung

Gedächtnis zwischen Erfahrung und Repräsentation

Was bleibt von der verstörenden Kraft der Erinnerung

Das "Aufsprengen" der herkömmlichen Vorstellungen von Geschichte - unter

diesem Vorzeichen betrat das kulturwissenschaftliche Programm des

Gedächtnisses in den 80er Jahren die Bühne des wissenschaftlichen und

politischen Feldes. "Erinnerung" wurde zum Kampfbegriff für

wissenschaftliche Innovation und gesellschaftspolitische Kritik. Der Kampf

um das Gedächtnis bezeichnet seither ein zentrales Konfliktfeld in den

Kommunikationsgesellschaften der Spätmoderne. Im Mittelpunkt dieser

Auseinandersetzungen steht die Frage nach dem Umgang mit dem

Menschheitsverbrechen des Holocaust - in den "Tätergesellschaften" traten,

mehr als 40 Jahre nach dem Ende des NS-Regimes, Fragen von Schuld,

Verantwortung und Wiedergutmachung in den Vordergrund.

Mittlerweile bezeichnet der Begriff des Gedächtnisses eine ausdifferenzierte

Theorielandschaft: Gedächtnis repräsentiert eine Schnittstelle zwischen

Subjekt und Gesellschaft, bezeichnet sowohl die Verarbeitung individueller

Erfahrungen und Verstörungen als auch die sinnstiftenden - und somit

verbindlichen - großen Erzählungen von Kollektiven bzw. Nationen. Hinzu

tritt eine breit gefächerte Erinnerungskultur, die sich in neuen Museen,

Ausstellungen, Gedenktagen und Denkmälern sedimentiert. Diese Gedächtnisorte

bzw. die Auseinandersetzungen rund um sie sind ein Indikator dafür, daß die

seit Mitte der 80er Jahre zu konstatierende Erschöpfung utopischer Energien

von einer Konjunktur von Geschichte und Gedächtnis begleitet ist.

Die weitgehend unangefochtene Präsenz von Gedächtnis als

kulturwissenschaftlichem Leitbegriff einerseits, als Phänomen einer neuen

Geschichtskultur andererseits soll hier als Herausforderung begriffen

werden.

Eine Kooperation zwischen dem IFK- Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften und der Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der ÖAW.

Programm (pdf)


Information:

Dr. Peter Stachel

Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der ÖAW

1010 Wien, Postgasse 7/IV/3

T (+43 1) 51581/3457 bzw. 3348

E-Mail: peter.stachel@oeaw.ac.at