Termin:
07.11.2002
ZIVILISATIONSBRÜCHE
Die Bruchlinien des 20. Jahrhunderts
im Gedächtnis des beginnenden 21. Jahrhunderts
4. internationale Konferenz des Forschungsprogramms
"Orte des Gedächtnisses"
Eine Veranstaltung der ÖAW-Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte
Der Topos des "Zivilisationsbruchs" verknüpft zwei zentrale Aspekte historischen Denkens im ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhundert: einerseits die Frage des individuellen und kollektiven Umgangs mit dem Trauma des Holocaust und anderer Ereignisse, von denen eine "anthropologische Irritation" ausgeht, und andererseits die Reflexion über "Vergangenheit" als (Re-)Konstruktion, als Prozess des (Neu-) Schreibens der Geschichte vom Bezugspunkt der Gegenwart aus.
Seit den Achtzigerjahren markiert der "Zivilisationsbruch Auschwitz" einen Angelpunkt in der Geschichte des 20. Jahrhunderts, nicht nur in den wissenschaftlichen Perspektiven, sondern auch im gesellschaftspolitischen
Kontext: Der Holocaust bildet das Zentrum einer Gedächtniskultur, deren bemerkenswerte "soziale Energie" auf eine Interferenz von politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Interessen und Bedürfnissen verweist - die Errichtung von Holocaust-Denkmälern in den Stadtzentren von Wien (2000) und Berlin, die Einrichtung von nationalen Gedenktagen für die Opfer des Nationalsozialismus seit Mitte der Neunzigerjahre in der BRD, in Österreich und
anderen europäischen Ländern ist ein Beispiel für die politische Relevanz dieses Gedächtnisses.
Zugleich sind "Gedächtnis", "historische Identität" etc. zu den Schlüsselbegriffen einer kulturwissenschaftlich-konstruktivistischen Wende und damit zur Herausforderung für theoretische und philosophische Fragen in den Geschichtswissenschaften geworden.
Robert Menasse: Lesung aus eigenen Werken, 7. November 2002
ÖAW-Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte
Kontakt:
Dr. Heidemarie Uhl
ÖAW-Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte
Tel.: (+43 1) 51581/3618
E-Mail: Heidemarie.Uhl@oeaw.ac.at

