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Johann Radon - Porträt eines berühmten österreichischen Mathematikers

 

Johann Radon. Bild: Archiv der ÖAW

 „Seine doppelte Art von mathematischer Begabung kommt durchaus nicht häufig vor, selbst bei den bedeutendsten Mathematikern nicht. Einerseits abstraktes Denken, wie es die Schaffung einer umfassenden Theorie verlangt, andererseits eine große, durch geometrische Anschauung unterstützte Anpassungsgabe, die zur Behandlung spezieller Probleme nötig ist. Er war ein in der ganzen Welt hoch angesehener Mathematiker. Wenn es um den Fortschritt in der Mathematik ging, war er kompromisslos und kritisch“, so der Mathematiker Paul Funk in einem Nachruf auf seinen Kollegen Johann Radon.

Dieser kam im Dezember 1887 Tetschen (heute: Děčín, Tschechische Republik) zur Welt und studierte Mathematik in Wien (Promotion: 1910). Nach Forschungsaufenthalten in Göttingen und Brünn arbeitete er an der Technischen Hochschule (1912 – 1919) in Wien, wo er auch seine spätere Frau, die Lehrerin Marie Rigele, kennenlernte.

In den 1920er Jahren folgten Aufenthalte an den Universitäten von Hamburg, Greifswald und Erlangen, dann eine längere Zeit in Breslau (1928 – 1945), wo Radon das Institut für Mathematik ausbaute. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er mit seiner Familie über Innsbruck an die Universität Wien zurück, wo er 1951/52 Dekan und 1954/55 Rektor war. Außerdem wurde Johann Radon 1947 wirkliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften; von 1952 bis zu seinem Todesjahr 1956 fungierte er als Sekretär der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse.

Bescheiden und zurückhaltend
Privat wird Radon als bescheidene, fröhliche und korrekte Persönlichkeit beschrieben, mit einer großen Leidenschaft für Musik und Wanderungen. Wenn es um seine persönlichen Schicksalsschläge (z. B. Verlust von drei Söhnen, Flucht aus Breslau), berufliche Errungenschaften und große Entdeckungen ging, übte er Zurückhaltung.

Im Jahr 1917 verfasste er eine ganz besondere geometrisch-analytische Arbeit, heute „Radontransformation“ genannt, die zu den meistzitierten mathematischen Arbeiten des 20. Jahrhunderts und nicht zuletzt zu den Grundlagen der Computertomografie gehört. Doch über Jahrzehnte war der Radon-Transformation kaum Beachtung geschenkt worden. Auch Radon ahnte nicht, welche Bedeutung seine Arbeit eines Tages erlangen würde – obwohl er bei seiner Antrittsrede als Rektor sagte: „Oft liegen die Dinge so, dass mathematische Theorien in abstrakter Form bereits vorliegen, vielleicht als unfruchtbare Spielerei betrachtet, die sich plötzlich als wertvolle Werkzeuge für physikalische Erkenntnisse entpuppen und ihre latente Kraft in ungeahnter Weise offenbaren“.

Die ÖAW hat die gesammelten Werke Johann Radons 1987 zu seinem hundertsten Geburtstag herausgegeben sowie die Radon-Medaille (Mathematiker-Preis) initiiert. JH