Neue Technologien in der Kommunikation
Vernetzung in der „Cloud“ - Neue Regeln in der Welt der Computertechnik
In der Computerwelt findet gerade ein großer Paradigmenwechsel statt. Am ÖAW-Institut für Technikfolgen-Abschätzung erforschen Wissenschaftler „Europäische Perspektiven zu Auswirkungen und Potenzialen von Cloud Computing Diensten und Sozialen Netzwerk Diensten“.
Eine stille Revolution findet in der digitalen Welt statt. Statt wie bisher auf lokale Datenspeicher zu setzen, erobert die Cloud – die Wolke – die Welt. Eine neue Software-Generation eröffnet spannende und abwechslungsreiche Kommunikationsmöglichkeiten. Networking, Micro-Blogging oder Video-Teilen ist nun nicht mehr großen Servermonstern vorbehalten. In der Cloud können Unternehmen oder Privatpersonen große Mengen an Daten speichern, miteinander verzahnte Rechensysteme nützen, jederzeit ganz gleich von welchem Gerät daran arbeiten und die Rechenleistung in virtuellen Servern deutlich beschleunigen.
Höchst dynamisch und vernetzt
Aufgrund dieser neuen technischen und ökonomischen Entwicklung beauftragte das Science and Technology Options Assessment Gremium – kurz STOA-Gremium - des europäischen Parlaments eine internationale Forschergemeinschaft mit der Erforschung der Cloud-Computing-Welt aus europäischer Perspektive. Im Laufe von knapp zwei Jahren analysieren Wissenschaftler unter der Leitung des Fraunhofer ISI-Instituts soziale, technische, ökonomische und rechtliche Aspekte des Cloud Computing. Die verstärkte Dynamisierung und Vernetzung wirft zentrale Fragen neu auf: Wie sicher sind Daten in der Cloud? Welche Auswirkungen hat das für den Schutz der Privatsphäre? Entsteht daraus Regulierungsbedarf oder sind Ansätze zur Selbstregulierung gefordert?
Soziale Netzwerkdienste (SNS) sind eng mit Cloud Computing verwoben. Zahlreiche Funktionen von bekannten Diensten wie Facebook und Google+ wären ohne verteilte Netzwerkstrukturen nicht möglich. SNS bieten eine breite Palette neuer dynamischer Interaktionsformen zum Teilen und Erzeugen von Information und können soziales Lernen und Gemeinschaftsbildung begünstigen. Weniger bekannt, aber nicht weniger bedeutsam, sind neue Unternehmenslösungen. So genannte Enterprise 2.0 Konzepte, wie etwa Yammer oder Communote, bieten Anwendungen für das Kommunikations- und Wissensmanagement innerhalb des Unternehmens. Das ÖAW-Institut für Technikfolgen-Abschätzung hat den Auftrag, diese unterschiedlichen Formen von SNS unter die Lupe zu nehmen.
Es folgen Handlungsempfehlungen
„Ziel des Projekts ist es, die gesellschaftlichen Auswirkungen von Sozialen Netzwerk Diensten mit Fokus auf Datenschutz und Sicherheitsfragen zu untersuchen und letztendlich Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungsträger zu formulieren“, erläutert Stefan Strauß, Leiter des Projekts am Institut für Technikfolgen-Abschätzung. Das Modul behandelt unter anderem zentral folgende Fragen: Was sind die Potenziale und Risiken von Sozialen Netzwerkdiensten? Welche Herausforderungen entstehen für den Schutz der Privatsphäre und der Datensicherheit? Welche Rolle spielen urheberrechtliche Aspekte in dynamischen Wissensprozessen entlang des Grats zwischen kommerziellen und gemeinschaftlichen Interessen?
Soziale Netzwerkdienste (SNS) bieten neue Belege für klassische Netzwerktheorien wie etwa jene von Mark Granovetter aus den 70er-Jahren. Der US-amerikanische Soziologe erforschte die Stärken loser Beziehungen und kam unter anderem zu dem Schluss: lose aneinander gekoppelte Individuen in sozialen Netzwerken agieren dynamischer und begünstigen die Entstehung neuen Wissens. Ergebnisse dieses Projekts werden im Dezember 2013 präsentiert.
Kontakt:
Mag. Stefan Strauß
Institut für Technikfolgen-Abschätzung
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Strohgasse 45/5
1030 Wien
T +43 1 51581-6599
sstrauss@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/ita

