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Schätze bewahren

Die Folgen von Verwitterung: Unkenntliche blaue Muster und Flecken am Mantel von Markgräfin Agnes. Heiligenkreuz, Brunnenhaus Bild: Bundesdenkmalamt Wien

Österreichische Beispiele dynastischer Repräsentation

Der Stammbaum der Babenberger im Brunnenhaus


Der so genannte Babenbergerstammbaum zeigt die Bildnisse des Gründerpaares Markgraf Leopold III., der später heilig gesprochen wurde, und seine Gemahlin Agnes, Tochter Kaiser Heinrichs IV. sowie Modelle der Stiftskirchen von Klosterneuburg und Heiligenkreuz und sechs Söhne des Paares. Markgräfin Agnes war durch ihre erste Ehe mit Friedrich von Staufen auch die Mutter Kaiser Konrad III.


„Das Muster im blauen Hintergrund der Scheibe ist durch Verwitterung fast unkenntlich geworden. Bei dem roten Überfang auf dem Glas des Mantels kommt es zu einer langsam fortschreitenden Abwitterung“, erklärt Elisabeth Oberhaidacher-Herzig. Das Brunnenhaus besitzt außer den Standfiguren der Babenberger noch Ornamentfenster, in denen streng symmetrische, kräftige Blattornamente die Hauptrolle spielen.

 

Die Habsburger thronen auf Glasgemälden in einem Sakralraum, was vor ihnen noch kein Herrscher gewagt hatte. Bild: Bundesdenkmalamt Wien

Die Habsburger Fürsten ohne demütige Haltung
Zu den herausragendsten Beispielen dynastischer Repräsentation des Mittelalters in Österreich zählen die Darstellungen aus der zwölfteiligen Serie der Habsburger des späten 13. und 14. Jahrhunderts aus der Bartholomäuskapelle in St. Stephan in Wien.

Zwei Aspekte der Ikonographie der aus der Zeit um 1380 stammenden Fürstenbilder beschäftigen Günther Buchinger: „Zum einen werden die Habsburger nicht wie in dieser Zeit üblich von früheren Geschlechtern oder mythischen Figuren abgeleitet, zum anderen thronen die Herrscher. Sie knien nicht demutsvoll, wie dies in einem Sakralraum angemessen gewesen wäre.“

Im Rahmen eines Vortrags und der Exkursion nach St. Stephan konnte diese Problematik diskutiert und ein neuer Lösungsvorschlag für diese ungewöhnliche Ikonographie präsentiert werden. Die Fürstenbilder dürften in einer Wechselbeziehung zu dem in der Kapelle vermutlich aufbewahrten Reliquienschatz von St. Stephan gestanden haben. „Den Reliquienschatz hatte Herzog Rudolf IV. für den Erhalt der Dynastie gestiftet.

Die Glasgemälde beschworen damit die Wirkung der Reliquien und versinnbildlichten den Fortbestand der Habsburger in ihrer Funktion als Landesfürsten, die ihrerseits durch diese machtvolle Demonstration den Erhalt des Schatzes gewährleisteten“, erläutert Buchinger seine Interpretation.

Eingehende Archiv- und Bauforschung machen es plausibel, dass die Bartholomäuskapelle tatsächlich in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens als Schatzraum gedient hat.

Bianca Maria Sforza, die zweite Gemahlin Kaiser Maximilians I. aus dem Wiener Neustädter Kaiserfenster oberhalb des Grabmals ihres Gemahls. Bild: Bundesdenkmalamt Wien

Die Kaiserfenster in Wiener Neustadt
In der Georgskathedrale in der Burg von Wiener Neustadt haben sich die einzigen in Österreich komplett erhaltenen monumentalen Bildfenster der Renaissance erhalten. „Diese Glasgemälde entstanden kurz nach 1550 im Auftrag König Ferdinands I.

Das ikonographische Programm nimmt in einer klaren und ausdrucksstarken Bildsprache Bezug auf das Haus Habsburg und die Stellung Österreichs innerhalb der europäischen Ländergemeinschaft im 16. Jahrhundert“, erklärt Christina Wais-Wolf, die auch die aufwendige Restaurierungskampagne in den Jahren 2010/11 mitbetreut hat.

Im Zentrum der Darstellung steht Ferdinands Großvater, Kaiser Maximilian I., der - trotz wiederholter Versuche, seinen Leichnam in die Innsbrucker Hofkirche zu überführen – bis heute in der Georgskathedrale direkt unterhalb des Mittelfensters bestattet liegt. Neben Maximilian I. zeigt das Mittelfenster auch seine beiden Gemahlinnen Bianca Maria Sforza und Maria von Burgund sowie Maximilians Kinder, Philipp den Schönen und Margarethe, Statthalterin der Niederlande. Acht Glasgemälde des Mittelfensters (vier Zwickelstücke mit Blattmotiven im Maßwerk sowie die vier Nonnen) stammen von zwei älteren Vorgängerverglasungen, von denen die erste noch zur Zeit Kaiser Friedrichs III. (1415-1493), dem Erbauer der Georgskirche in den späten 1440er/1450er Jahren, bzw. die zweite zur Zeit seines Sohnes Kaiser Maximilian I. (1459-1519), kurz nach 1500 entstanden ist. Diese Glasgemälde sind spolienartig in die Bildverglasung aus der Mitte des 16. Jahrhunderts integriert.

„Dank des rechtzeitigen Ausbaus der drei Bildfenster der Georgskirche im August 1943 und ihrer anschließenden Lagerung im Salzbergwerk von Altaussee haben die Glasgemälde – im Unterschied zur Kirche selbst – den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden“, so Wais-Wolf. 1958 konnten die drei Fenster wieder vor Ort eingesetzt werden.

Das Bildnis Kaiser Franz II. (I.) in majestätischer Haltung noch mit den Insignien des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Franzensburg in Laxenburg, Kaiser Franz II. (I.). Bild: Bundesdenkmalamt Wien

Kaiser Franz II. (I.) als Ritter in seiner „Gothischen Burgveste“
Die zwischen 1798 und 1836 unter Kaiser Franz II. (I.) errichtete und nach ihm benannte Franzensburg gilt als Hauptwerk der Romantischen Gotik in Österreich. Sie liegt inmitten eines im späten 18. Jahrhundert angelegten Englischen Landschaftsgartens, der zu den bedeutendsten Englischen Landschaftsparks in Österreich zählt. Die Franzensburg wurde als Idealbild einer „gothischen Burgveste“ errichtet und als Nachbildung eines Schlosses in Tirol bezeichnet, auf welchem sich Kaiser Maximilian I. besonders gerne aufgehalten hätte.

„Bei der Ausstattung sämtlicher Räume wurde größter Wert darauf gelegt „wahre Altertümer“, darunter auch mittelalterliche Glasgemälde, zu verwenden“, berichtet Günther Buchinger. „Letztere wurden mit damals neu geschaffenen Glasgemälden kombiniert, die im Zuge der ersten Ausstattungsphase primär Angehörige der kaiserlichen Familie zeigten.“

Im so genannten Thronsaal der Franzensburg schuf der Glasmaler Gottlob Samuel Mohn (1789-1825) im Jahr 1822 die monumentalen Darstellungen von Kaiser Franz I. (noch mit den Insignien des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation) und seinen beiden Söhnen, den Erzherzögen Ferdinand (dargestellt mit den Kronen von Ungarn und Böhmen) und Franz Carl (mit dem österreichischen Erzherzogshut) in majestätischer Haltung unter gotischen Wimpergen. „Motivisch treten die Dargestellten damit an die Stelle, die in einem mittelalterlichen Fenster üblicherweise die Heiligen einnehmen“, erklärt Christina Wais-Wolf. „Gleichzeitig schaffen solche Kompositionen bewusste Assoziationen an die monumentalen „Habsburger“-Fenster des Mittelalters und der Renaissance, wie sie sich in Österreich in den drei Chorfenstern der Georgskathedrale in der Burg von Wiener Neustadt erhalten haben.“

Kontakt:
Dr. Elisabeth Oberhaidacher-Herzig
CORPUS VITREARUM MEDII AEVI
c/o Bundesdenkmalamt
Hofburg, Säulenstiege
1010 Wien
corpus.vitrearum@bda.at

Mag. Dr. Günther Buchinger
Kommission für Kunstgeschichte
Österreichische Akademie der Wissenschaften
T +43 1 53415-122
guenther.buchinger@oeaw.ac.at

Mag. Dr. Christina Wais-Wolf, MAS
Kommission für Kunstgeschichte
Österreichische Akademie der Wissenschaften
T + 43 1 53415-128
christina.wolf@oeaw.ac.at