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Musikgeschichte

Bedeutungswandel der Musik unter Maria Theresia


Der Bedeutungswandel der musikalischen Kultur zwischen 1720 und 1770 steht im Mittelpunkt der Froschungsarbeit von Elisabeth Fritz-Hilscher im Zuge des Forschungsschwerpunkts "Musik - Identität - Raum" der ÖAW-Kommission für Musikforschung.

Das 18. Jahrhundert gilt als eine Zeit der Weichenstellungen, von denen viele bis heute wirksam sind. In Österreich bereitete Maria Theresia viele dieser Entwicklungen hinsichtlich der Staatsverwaltung vor. Sobald sich ihre Macht gefestigt hatte, ging sie an grundlegende Reformen heran: Der Staat sollte rationell verwaltet und durch Kodifizierungen abgesichert werden - und nicht wie früher durch einen künstlerisch überformten Herrschaftsbegriff und ein bedeutendes genealogisches Netzwerk, das durch Aktivitäten der Hochkultur wie etwa der höfischen Oper augenscheinlich gemacht wurde. Die Herrscherin erkannte Bildung als entscheidenden Faktor zur besseren Ausnützung der Ressourcen.

Diese Umwälzungen fanden auch in der Musik ihren Niederschlag, wie Elisabeth Fritz-Hilscher von der Kommission für Musikforschung in einem mehrjährigen Forschungsprojekt analysiert hat. Der Zeitraum zwischen 1720 und 1770 stellt immer noch musikhistorisch weitgehend Neuland dar - im Gegensatz zu den Zeiten davor und danach, dem Barock und der Wiener Klassik. Dazwischen gab es eine relativ lange Periode, in der das Alte noch wirkte und Neues parallel praktiziert wurde. "Wir haben die vielfältigen Strömungen im Musikleben auf ihr identitätsbildendes Potential untersucht: Das äußert sich einerseits im Hinblick auf die Repräsentation von Herrschaft und andererseits an der Funktion und dem Stellenwert der Musik in Adel, Kirche beziehungsweise dem sich in dieser Zeit wieder neu definierenden Bürgertum", erklärt Fritz-Hilscher.

Das Ende höfischen Oper

In der barocken höfischen Oper standen die Herrscher meist im Zentrum eines Welt erklärenden Gesamtkunstwerks. Das gilt auch für Maria Theresia, die am Beginn ihrer Herrschaft noch im traditionellen Sinne auf Repräsentation setzte. Ab 1745 aber kam es zu tiefgreifenden Reformen, die u. a. durch akuten Geldmangel unaufschiebbar geworden waren. Man konnte es sich nicht mehr leisten, für jedes große Familienfest eine eigene Oper in Auftrag zu geben. Fortan mussten sie mehrfach nutzbar sein und dementsprechend auch vom Libretto her allgemeiner gehalten sein. Damit büßte die Oper aber ihre frühere staatstragende und auf einen speziellen höfischen Anlass zugeschnittene Charakteristik ein. Musik wurde am Hof zwar gern, aber nur noch in Freizeit und zur Unterhaltung genossen. Die stilistische Weiterentwicklung der Musik wurde dann nicht mehr vom Hof vorgegeben. Die Entwicklung der Wiener Klassik beispielsweise fand weitgehend außerhalb des Hofes statt. Kammer- und Kirchenmusik wurden hingegen in dieser Zeit die Hauptgattungen am Kaiserhof.

Weitergabe kultureller Praxis

Außerhalb des Herrscherhauses in Wien gingen die Uhren etwas anders. Der Adel und die großen Stifte behielten bzw. übernahmen Teil der höfischen Musikpraxis. "Wir konnten anhand reichhaltiger Adelsarchive in Mähren, die derzeit in mehreren Projekten an der Masaryk-Universität Brünn untersucht werden, den Prozess sehr gut dokumentieren, wie der Adel im Lauf der Zeit immer selbständiger agierte, sich seine eigenen Kopien aus Italien beschafften und bisweilen über die Musik sogar Kontra-Höfe zum Kaiserhof etablierte", erklärt Elisabeth Fritz-Hilscher. Die Übernahme der kulturellen Praxis endete aber nicht beim Adel. Der Prozess fand im aufstrebenden Bürgertum seine Fortsetzung. Es übernahm die musikalischen Vorlieben ebenso wie das Ideal der musikalischen Ausbildung der Kinder.



Kontakt:
Mag. Dr. Elisabeth Fritz-Hilscher
Kommission für Musikforschung
Zentrum Kulturforschungen
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Postgasse 7-9/4/3, 1010 Wien
T + 43 1 51581-3703
elisabeth.fritz@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/kmf


Juli 2012