Kosmische Strahlung
Zum Jubiläum: Start eines Stratosphärenballons
Vor 100 Jahren entdeckte der österreichische Physiker Victor Franz Hess bei einer Ballonfahrt die kosmische Strahlung. Das runde Jubiläum wird österreichweit mit einer Reihe von Veranstaltungen gefeiert. Als einer der Höhepunkte ist für 1. September 2012 in Graz der Start eines Stratosphärenballons geplant.

5350 Meter - das war die Höhe, die Victor Franz Hess bei seinem historischen Ballonlug am 7. August 1912 erreichte. Das 100-Jahr Jubiläum der historischen Ballonfahrt wird 2012 mit einer Reihe von Veranstaltungen in ganz Österreich gefeiert. Als einer der Highlights ist für Samstag, 1. September 2012, ist als historische Reminiszenz der Start eines Stratosphärenballons geplant.
Vor 100 Jahren war eine Ballonfahrt in derartige Höhen ein großes Abenteuer. Die damaligen Messgeräte machten eine persönliche Anwesenheit an Bord erforderlich. Hess litt während des Flugs an schwerer Höhenkrankheit. Heute ist es dank moderner Technologie möglich, den Ballon unbemannt in den Himmel zu schicken und die erreichbaren Höhen gehen ebenfalls weit über ein paar tausend Meter hinaus. Bis in die Stratosphäre, also auf etwa 35.000 Meter Höhe, soll der Ballon am 1. September aufsteigen - das ist dreimal so hoch wie ein Flugzeug üblicherweise fliegt. Ein so genanntes Geiger-Müller-Zählrohr soll die kosmische Strahlung und ihren Anstieg mit zunehmender Höhe während der Fahrt messen. Zusätzlich werden noch Temperatur und Außendruck sowie mittels GPS Position und Höhe ermittelt. "Wir wollen nicht nur die historischen Messungen von Hess nachstellen, sondern auch Höhen erforschen, die Hess damals aufgrund der Temperaturen und des Mangels an Sauerstoff nicht zugänglich waren", sagt Thomas Bergauer vom Institut für Hochenergiephysik der ÖAW und Organisator des Events.

Wann und wo
Geplanter Start ist um 10 Uhr am Grazer Schlossberg und Interessierte sind herzlichst eingeladen, dem Event beizuwohnen. Eine Kamera an Bord dokumentiert den Aufstieg aus der Perspektive eines Ballonfahrenden. Die Messdaten der kosmischen Strahlung sowie die Kameraaufnahmen werden laufend per Funk zur Bodenstation gesendet und auf eine Leinwand übertragen. Auch wo sich der Ballon gerade befindet, kann live mitverfolgt werden. Das Publikum ist also beim gesamten Aufstieg dabei und kann mit beeindruckenden Aufnahmen der Erde rechnen. Darüber hinaus stehen Vorträge rund um Victor Franz Hess und seine Entdeckung auf dem Programm.
Der Ballon wird mit Helium gefüllt und wirkt am Boden mit einem Durchmesser von zwei bis drei Metern fast bescheiden. "Wenn der Ballon aufsteigt und der Luftdruck sinkt, dehnt er sich jedoch aus und hat dann einen Durchmesser von über zehn Metern", erklärt Bergauer. Diese Ausdehnung führt dann dazu, dass der Ballon irgendwann einmal platzt. Dann öffnet sich ein Fallschirm und das technische Equipment segelt langsam zur Erde zurück.
Damit sich Ballonfahrt und Flugverkehr nicht in die Quere kommen, muss der Stratosphärenflug natürlich mit der zivilen und militärischen Luftraumüberwachung koordiniert werden. Dass der Ballon dort wieder landet, wo er gestartet ist, wäre ein glücklicher, wenn auch unwahrscheinlicher Zufall. Wind und Wetter können dafür sorgen, dass er in einem Umkreis von bis zu 100 Kilometern landet.
Der Stratosphärenflug wird vom Institut für Hochenergiephysik gemeinsam mit dem Österreichischen Weltraumforum (ÖWF) veranstaltet, das bereits auf eine Reihe erfolgreicher Ballonflüge zurückblicken kann und die dafür notwendige Erfahrung wie Ausrüstung beisteuert. Weiterer Kooperationspartner sind das ÖAW-Institut für Weltraumforschung und die Victor-Hess-Gesellschaft.
Weitere Informationen zum geplanten Stratosphärenflug finden Sie auf der Website des ÖAW-Instituts für Hochenergiephysik unter www.hephy.at.
Kontakt:
DI Dr. Thomas Bergauer
Institut für Hochenergiephysik
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Nikolsdorfer Gasse 18, 1050 Wien
T +43 1 5447328-42
thomas.bergauer@oeaw.ac.at
www.hephy.at
April 2012

