Planetenforschung
Amateure und Profis - eine enge Zusammenarbeit
Sie haben ein Equipment, bei dem so manchem Profiastronomen das Wasser im Mund zusammenläuft, eine große Liebe zur Astronomie, sind über die ganze Welt verstreut und müssen sich an keine Beobachtungszeitlimits halten - Amateure sind für die Planetenforschung mittlerweile unentbehrlich. Das Institut für Weltraumforschung der ÖAW in Graz arbeitet bei der Erforschung von Exoplaneten mit Amateuren aus ganz Europa zusammen.

Exoplaneten sind Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Nachdem sich in unserem Sonnensystem jeder Planet als äußerst unwirtlich für die Entstehung von Leben herausgestellt hat, sind Exoplaneten für Astronomen und Astronominnen von besonderem Interesse. Immerhin besteht die Möglichkeit, in fernen Sternensystemen Planeten zu entdecken, auf denen die Bedingungen für die Entwicklung von Leben ähnlich gut wie auf der Erde sind.
Fast 700 dieser Exoplaneten sind bisher bekannt. Das vom französischen Raumfahrtzentrum CNES betriebene Weltraumteleskop CoRoT, an dessen Entwicklung auch das Institut für Weltraumforschung der ÖAW maßgeblich beteiligt war, hat seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 2007 21 davon entdeckt. Aufgespürt werden die fernen Planeten mittels der so genannten Transitmethode. Die meisten Exoplaneten lassen sich nicht direkt beobachten, sondern nur indirekt. "Das liegt daran, dass sie in der Regel von der Leuchtkraft ihres Zentralsterns überstrahlt werden", erklärt Jörg Weingrill vom Institut für Weltraumforschung der ÖAW, der die Zusammenarbeit mit Amateuren bei der Erforschung von Exoplaneten koordiniert. Man kann einen Exoplaneten jedoch daran erkennen, dass sich, wenn er sich bei seinem Umlauf um seinen Zentralstern zwischen diesem und der Erde befindet, periodisch die Helligkeit des Sterns verringert.
Wie man aus unserem Sonnensystem weiß, kommt ein Planet selten allein. Hat man einmal einen Exoplaneten um einen Zentralstern identifiziert, gilt es herauszufinden, ob sich dort noch weitere finden lassen. Weingrill: "Auf einen entdeckten Planeten kommen zehn potenzielle weitere Kandidaten." Diese lassen sich identifizieren, indem man sich Schwankungen in der Umlaufperiode des Planeten ansieht. Sind diese periodisch, hat man es mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem weiteren Exoplaneten zu tun.
Mit vielen Schritten zum Erfolg
Dafür gilt es eine große Menge an Beobachtungsdaten zu sammeln und auszuwerten - und hier kommen die Amateure ins Spiel. Neben ihrem professionellen Equipment ist ihr Vorteil, dass sie im Gegensatz zu professionellen Sternwarten keinen Zeitlimits für ihre Beobachtungen unterworfen sind. "In professionellen Sternwarten ist die Beobachtungszeit teuer und wird nur bei einem sehr konkreten Verdacht auf einen Exoplaneten zu Verfügung gestellt", erläutert Weingrill. Amateure können dabei helfen, mögliche "heiße" Kandidaten für einen Exoplaneten einzugrenzen. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Weltraumforschung der ÖAW haben rund 20 Amateure aus Deutschland, Finnland, Frankreich, Schweden, der Slowakei, Spanien, Tschechien sowie aus Österreich nun ein Dutzend der potenziell interessantesten von CoRoT entdeckten Kandidaten ins Visier genommen. Koordiniert werden die Beobachtungen über die Webseite var2.astro.cz/ETD , der ETD - Exoplanet Transit Database der Tschechischen Astronomischen Gesellschaft. Für die Beobachtungen der Planeten stehen nur bestimmte Zeitfenster zur Verfügung. Diese werden über die Website laufend adaptiert und bekanntgegeben. Für die Auswertung werden die Beobachtungsdaten dann an die Tschechische Astronomische Gesellschaft geschickt.
Amateure herzlich willkommen
Aufgrund ihrer großen Bedeutung für die Planetenforschung sind die Amateure mittlerweile auch fixer Bestandteil der wissenschaftlichen Konferenzen zur Planetenforschung. Auch die Ergebnisse der jüngsten Untersuchungen zu den Exoplaneten werden Anfang Oktober beim EPSC-DPS Joint Meeting 2011 im französischen Nantes präsentiert. Bei dieser Großkonferenz verbindet sich erstmals der jährlich im Rahmen des EU-Projekts Europlanet stattfindende European Planetary Science Congress (EPSC) mit der Jahrestagung der Division for Planetary Sciences (DPS) der American Astronomical Society. So ganz so wohl fühlen sich die Amateure in ihrer neuen Bedeutung jedoch noch nicht: "Obwohl sie dezidiert dazu eingeladen werden, scheuen sich noch viele der Amateure davor, vor einem wissenschaftlichen Fachpublikum zu sprechen", so Weingrill. Wenn die Amateure sehen, mit welch offenen Armen sie von der Wissenschafts-Community aufgenommen werden, werden sie ihre Scheu jedoch wohl bald verlieren.
Kontakt:
Mag. Jörg Weingrill
Institut für Weltraumforschung
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Schmidlstraße 6, 8042 Graz
T +43 316 4120-700
joerg.weingrill@oeaw.ac.at
www.iwf.oew.ac.at
Oktober 2011

