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Altern als Chance

Kommunikationstechnologien für ältere Menschen


Das ÖAW- Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) beteiligt sich am Europa weiten Projekt "Value Ageing", bei dem es um die Integration von europäischen Grundwerten in Informations- und Kommunikationstechnologien für ältere und alte Menschen geht.

Ältere Menschen haben fast immer Probleme, sich mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) anzufreunden. Die Schwierigkeiten, die sie mit kleiner Schrift am Display, kleinen Tasten und einer Unzahl an Funktionen beim Gebrauch von Handys, Computern oder "smarten" Haushaltsgeräten haben, verweisen auf ein tieferes Problem. Hier wirken nicht nur oberflächlich mangelhaft angepasste Technologien, sondern es kommen auch die gesellschaftlichen Werte wie Miniaturisierung, Schnelligkeit und Überfluss zum Ausdruck. Im Gegenzug schafft die Technik neue Realitäten und verändert die Werte. Mit dieser "Ko-Evolution" von Technik und alternder Gesellschaft befasst sich das internationale Forschungsprojekt "Value Ageing", an dem von österreichischer Seite das ÖAW-Institut für Technikfolgen-Abschätzung beteiligt ist.

Wissenschaftler(innen) und Industriepartner aus acht verschiedenen Ländern befassen sich mit der Integration von europäischen Grundwerten in Informations- und Kommunikationstechnologien zur Unterstützung älterer Menschen. Das Value Ageing Projekt ist als vierjährige Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft (Marie Curie Industry Academia Partnerships and Pathways - IAPP) im Rahmen der Marie Curie Mobilitätsaktion der Europäischen Kommission ausgelegt. Ziel ist es, die Kooperation zwischen wissenschaftlichen und kommerziellen Einrichtungen im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojektes zu fördern. Es gilt, die Diskriminierung älterer und alter Menschen zu vermeiden, ihre Autonomie zu fördern und schließlich ihre Lebensbedingungen zu erleichtern. Zur Entwicklung von Geräten und Programmen, die auch von älteren Menschen gut angenommen werden, ist Forschungsarbeit nicht nur im Hinblick auf die materielle Entwicklung, sondern auch auf die Werte und Haltungen, die über bestimmte Technologien transportiert werden, nötig.

Der Beitrag des ÖAW- Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) als Teil des Konsortiums ist es, einerseits die technologischen Möglichkeiten zu recherchieren, Best-Practice-Beispiele zu identifizieren und im Bereich der Governance Richtlinien und Vorgaben für die Weiterentwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien zu entwickeln. Ulrike Bechtold, Johann Čas und Walter Peissl vom ITA sind für die Umsetzung dieser Ziele verantwortlich. Nicht zuletzt wird es bei Value Ageing auch darum gehen, standardisierte Bewertungsmöglichkeiten zu entwickeln, damit angebotene Technologien dahingehend getestet und verglichen werden können, inwieweit sie die Würde älterer Menschen respektieren und deren Autonomie fördern.

Weit reichende Benutzerfreundlichkeit gefragt

Konkrete Fragestellungen zur grundwerteorientierten IKT-Entwicklung haben nicht nur Menschen im Blick, die bereits aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind. Es beginnt damit, dass bei der Gestaltung von Informations- und Kommunikationstechnologien Grundrechte wie der Schutz der Privatsphäre berücksichtigt werden müssen, um später teure Nachbesserungen zu vermeiden. Derartige Systeme können so eine höhere Akzeptanz am Markt und damit bessere Absatzchancen erwarten. Dies gilt natürlich für alle Altersgruppen. Im Bereich des Trainings und der Pflege treten zusätzliche Herausforderungen hervor. Das digitale Training älterer Menschen wird in Zukunft voraussichtlich im öffentlichen wie auch im privaten Bereich ein wichtiges Betätigungsfeld werden. Wie dies durch Technologien unterstützt werden kann und inwieweit persönliche Einschulung unabdingbar ist, wird in diesem Forschungsvorhaben untersucht. Es wäre beispielsweise wünschenswert, dass es auch für ältere Menschen selbstverständlich wird, soziale Kontakte über das Internet zu pflegen oder Amtswege und Bankgeschäfte über das Web zu erledigen.

Es gibt hohe Erwartungen, dass IKT bei Wahrung ethischer Grundsätze auch die Pflege unterstützen: Web basierte medizinische Anwendungen, Tipps und Hilfestellungen im Alltag, elektronische Unterstützung bei der Pflege zu Hause oder in Heimen und Spitälern. Schließlich wäre es auch denkbar, spezielle Geräte und Programme so zu gestalten, dass sie auch für Menschen mit beginnender oder mittlerer Demenz noch Hilfe bieten. Value Ageing soll einen fundierten Überblick für Entwickler und Anbieter von IKT bringen. Der neue Aspekt dieses wissenschafts- und wirtschaftsübergreifenden Programms ist es, die Implementierung von Grundwerten und Richtlinien von Anfang an mit zu bedenken, um so die Akzeptanz und die Benutzerfreundlichkeit besser zu gewährleisten.



Kontakt:
Institut für Technikfolgenabschätzung (ITA)
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Strohgasse 45, 1030 Wien
T +43 1 51581-6582
www.oeaw.ac.at/ita

Dr. Ulrike Bechtold
ulrike.bechtold@oeaw.ac.at
Mag. Johann Čas
johann.cas@oeaw.ac.at
Dr. Walter Peissl
walter.peissl@oeaw.ac.at


Mai 2011