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12.09.2011

Wien - eine bedeutende Drehscheibe zwischen West und Ost

Neue Lieferung über die Investitionstätigkeit in  Mittel- und Südosteuropa im Atlas Ost- und Südosteuropa



Wien nimmt eine wichtige Rolle bei der Internationalisierung der österreichischen Wirtschaft in der Zeit zwischen Ostöffnung 1989 und 2005 ein. Das zeigt die neue Lieferung des am ÖAW-Institut für Stadt- und Regionalforschung unter der Leitung von Peter Jordan erscheinenden Atlasses Ost- und Südosteuropa.

Seit der Ostöffnung im Jahr 1989 hat sich die Investitionstätigkeit von Wien aus nach Ost- und Südosteuropa sowie auch in umgekehrter Richtung vervielfacht. Welche Branchen die Zugpferde der Entwicklung waren und wie sich die Direktinvestitionen regional verteilen, wurde in einer Studie des Instituts für Stadt- und Regionalforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) analysiert. Die Ergebnisse zu den Wiener Direktinvestitionen in Mittel- und Südosteuropa wurden im Atlas Ost- und Südosteuropa publiziert.

Erfolgreiche Wiener Banken

Projektleiter der Studie, Robert Musil, hebt vor allem die Rolle der Banken hervor, die die Zugpferde der Investitionstätigkeit im Ausland waren. "Neben der günstigen Lage Wiens sind es die historischen Kontakte, die Wiener Banken und verstaatlichte Unternehmen schon lange vor 1989 in den damaligen Ostblock unterhielten", erklärt Musil. Wiener Unternehmen hatten nach der Wende einen Wissensvorsprung, der einen zentralen Wettbewerbsvorteil gegenüber der übermächtigen westeuropäischen Konkurrenz darstellte. Heute sind drei großen Wiener Banken die wichtigsten ausländischen Banken im östlichen Europa. Insgesamt beschäftigen Wiener Unternehmen in ihren Niederlassungen in (Süd-)Osteuropa 205.000 Arbeitnehmer. In den Zielländern sind Banken in den Hauptstädten aktiv, während Industrieansiedlungen vorrangig in ländlichen Regionen erfolgen.

Direktinvestitionen im regionalen Kontext

Der Begriff "Ausländische Direktinvestitionen (ADI)" steht für Fusionen und Übernahmen von ausländischen Unternehmen. Sie sind neben der Exportquote ein aussagekräftiger Indikator für den Internationalisierungsgrad von Unternehmen. ADI werden aus der Perspektive der Region, in der sich eine expandierende Firma befindet, als "aktiv" bezeichnet, "passiv" aus der Sicht der Region mit aufgekauften Unternehmen. Im Rahmen der Studie setzte Robert Musil die Direktinvestitionen mit demografischen Indikatoren sowie mit solchen für die allgemeine Wirtschaftskraft der jeweiligen Region in Beziehung: mit der Bevölkerungsdichte, der Säuglingssterblichkeit, der Größe des Dienstleistungssektors in der Region und dem Bruttoregionalprodukt. Dabei zeigte sich unter anderem, dass die Verteilung der Investitionen die regionalen Entwicklungsunterschiede deutlich widerspiegeln.

Wien als Drehscheibe zwischen West und Ost

Wien punktet als Wirtschaftsstandort mit guter internationaler Erreichbarkeit, leistbarem Preisniveau und einem guten Arbeitsmarkt für hoch spezialisierte Fachkräfte und Manager. Daher gehen von Wien nicht nur Direktinvestitionen aus, sondern ist Wien auch Standort für ausländische Tochterunternehmen. Auch Unternehmen aus dem östlichen Europa beginnen, über Wien in Westeuropa Niederlassungen zu gründen - wenn auch derzeit nur in bescheidenen Ausmaß. "Verblüffend ist es zu sehen, dass osteuropäische Unternehmen über Wien in andere osteuropäische Länder investieren. Angesichts des steigenden Entwicklungsniveaus der ehemaligen Transformationsmärkte ist davon auszugehen, dass hier langfristig ein erhebliches Wachstumspotential liegt. Das sollte von der Politik erkannt und durch entsprechende Maßnahmen gefördert werden", ergänzt Studienautor Robert Musil.

Die regionale Perspektive

Die Studie über Investitionstätigkeit von Unternehmen in Wien und von Wien aus basiert auf einem umfangreichen Datensatz, der in Kooperation mit der Österreichischen Nationalbank entwickelt wurde. Entscheidend dabei: der Blick auf die Regionen. Erstmals wurde möglich, was bisher nur auf Staatenebene möglich war: die regionale Verteilung der Direktinvestitionen zu analysieren.


Die Publikation:
Robert Musil, 2011: Wiener Direktinvestitionen in Mittel- und Südosteuropa. In: Peter Jordan (Hg.): Atlas Ost- und Südosteuropa. Gebr. Borntraeger Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. Karte mit Begleittext, 3.6-G11. ISBN 9783443285319


Kontakt:
Dr. Robert Musil
Institut für Stadt- und Regionalforschung (ISR)
Zentrum Sozialwissenschaften
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Postgasse 7/4/2, 1010 Wien
T +43 1 51581-3524
robert.musil@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/isr


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