Amateure erforschen Exoplaneten
Workshop vom 29. bis 30. Jänner 2011 in Graz
In der astronomischen Forschung spielen Amateure eine wesentliche Rolle. Vom 29. bis 30. Jänner 2011 findet am Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erstmals ein Workshop mit Amateurastronom(inn)en und professionellen Wissenschaftler(inne)n statt. Ziel ist, die Möglichkeiten einer koordinierten Zusammenarbeit bei der Beobachtung von Exoplaneten zu diskutieren und gemeinsame Beobachtungskampagnen vorzubereiten. Der Workshop wird im Rahmen des EU-Projekts Europlanet veranstaltet.
Bündelung von Ressourcen für die Planetenbeobachtung
Exoplaneten sind Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Über 500 dieser Planeten sind bisher bekannt. Allein das Weltraumteleskop CoRoT, an dessen Entwicklung Techniker und Wissenschaftler des IWF maßgeblich beteiligt waren, hat seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 2007 14 davon entdeckt. Exoplaneten nach ihrer Entdeckung laufend weiter zu beobachten, bedarf einer Bündelung möglichst vieler zur Verfügung stehender Ressourcen: "Es gilt eine große Zahl an Beobachtungs-Daten zu sammeln, zum Beispiel bei der Untersuchung von Transitzeitvariationen, also von periodischen Schwankungen der Orbitperiode, die auf die Existenz weiterer Exoplaneten hinweisen können", sagt Helmut Lammer vom IWF, Mit-Organisator des Workshops.
Im Rahmen des Workshops sollen Kampagnen für eine koordinierte Beobachtung von Transitzeitvariationen von Exoplaneten sowie von aktiven Sonnen-ähnlichen Sternen, bei denen man so genannte koronale Massenauswürfe nachweisen will, geplant werden. Bei koronalen Massenauswürfen werden hochgeladene Teilchen ins All geschleudert. Diese haben einen maßgeblichen Einfluss auf das Weltraumwetter im Umfeld der Sterne und somit potenziell auch auf die Habitabilität - also die "Lebensfreundlichkeit" - von Erd-ähnlichen Exoplaneten.
Amateure fixer Bestandteil der Planetenforschung
Amateure, die über entsprechende Beobachtungs-Instrumente verfügen, sind für die Planetenforschung von großer Bedeutung und fixer Bestandteil der Forschungsaktivitäten. Lammer: "Beispielsweise wurden zwischen Amateuren und der Venus-Express-Raumsonde koordinierte Beobachtungen von Windsystemen auf der Venus durchgeführt". Besonders Amateur-Sternwarten wie das Taurus Hill Observatorium in Finnland können hier einen wesentlichen Beitrag leisten: "Im Gegensatz zu professionellen Sternwarten wie Teneriffa gibt es bei Amateursternwarten keine Zeitlimitierung für Beobachtungszeiten", so Lammer.
Die Beobachtungskampagnen sollen bis zum Sommer 2011 durchgeführt werden und ihre Ergebnisse beim EPSC-DPS Joint Meeting 2011 präsentiert werden. Diese Großkonferenz findet vom 3. bis 7. Oktober 2011 in Nantes, Frankreich, statt und vereint erstmals den "European Planetary Science Congress (EPSC)" mit dem Jahres-Meeting der "American Astronomical Society Division for Planetary Sciences (DPS)".
Europlanet - Planetenforschung optimal vernetzen
Mit dem Projekt Europlanet im 7. Rahmenprogramm der EU soll die europäische Weltraumforschung im Bereich der Planetologie koordiniert und intensiviert werden. Das IWF ist maßgeblich daran beteiligt und konnte mit einer halben Million Euro das zweithöchste im Rahmen von Europlanet vergebene Budget lukrieren. Aufgabe des IWF ist die Koordinierung von boden- und weltraumgebundenen Beobachtungen der Planeten und planetennahen Räume durch bodengestützte Instrumente beziehungsweise durch Satelliten und Raumsonden, zum Beispiel der Aurora-Phänomene von Jupiter und Saturn. Das IWF ist ebenfalls an der Optimierung der Infrastruktur der europäischen Aktivitäten zu Datenanalyse, Modellierung und Simulation beteiligt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Europlanet ist die Entwicklung der Web-basierten Service-Plattform IDIS (Integrated and Distributed Information Service), über die künftig alle für die Planetenforschung relevanten Labors, Forschungsgruppen und deren Daten abgerufen werden können. Im Rahmen von IDIS ist das IWF für den Teilbereich Weltraumplasmen zuständig.
Weitere Informationen zum Workshop
Weitere Informationen zum EPSC-DPS Joint Meeting 2011
Kontakt:
Dr. Helmut Lammer
Institut für Weltraumforschung
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Schmiedlstraße 6, 8042 Graz
T +43 316 4120-641
helmut.lammer@oeaw.ac.at
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