Schubert-Uraufführung in der ÖAW
"Adrast" am 19. November 2010 in der ÖAW
1980 - also vor dreißig Jahren - wurde die Wiener Arbeitsstelle der Neuen Schubert-Ausgabe eingerichtet. Zu ihrem Jubiläum hat sie sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: die Uraufführung sämtlicher erhaltener Teile der von Franz Schubert nur fragmentarisch verwirklichten Oper "Adrast".
Auf Basis der erst kürzlich abgeschlossenen kritischen Neu-Ausgabe werden am 19. November 2010, 19:00 Uhr im Festsaal der ÖAW, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien, zunächst einige der Partitur-Entwürfe und von Schubert verworfenen Fassungen in Form eines Gesprächskonzertes zu hören sein. Im Anschluss erklingen alle vom Komponisten fertig gestellten Nummern erstmals im Zusammenhang. Der Eintritt ist frei.
Schuberts "Adrast" - Entstehung und Handlung
Schubert arbeitete um den Jahreswechsel 1819/1820 an Adrast, als er sich ein Zimmer mit dem Dichter Johann Baptist Mayrhofer teilte, von dem auch das Libretto zu der Oper stammt. Die Handlung beruht auf einer Episode aus Herodots Historien: Obwohl der mysische König Krösus vom Tod seines Sohnes Atys geträumt hat, lässt er ihn ausziehen, um einen wilden Eber zu erlegen, der die Felder im Königreich verwüstet. Als schützenden Begleiter gibt er seinem Sohn den phrygischen Prinzen Adrast mit auf den Weg, der an Krösus' Hof gekommen ist, um von einem unbeabsichtigten Brudermord entsühnt zu werden. Als Adrast während der Jagd die Lanze auf den Eber schleudern will, trifft er versehentlich Atys und tötet ihn. Entsetzt liefert Adrast sich Krösus aus, der ihm jedoch vergibt.
Im Zuge der Editionsarbeiten konnte ein bislang nur als Fragment bekanntes Duett nach einer neu aufgefundenen Quelle vervollständigt werden. "Das erhaltene Material zum Opernfragment 'Adrast' wurde bislang in seiner Gesamtheit weder gedruckt noch aufgeführt", freut sich Mario Aschauer von der bei der ÖAW-Kommission für Musikforschung angesiedelten "Wiener Arbeitsstelle der Neuen Schubert-Ausgabe", unter dessen Leitung "Adrast" nun uraufgeführt wird.
Neue Schubert-Ausgabe
Mit ihren 30 Jahren ist die an der ÖAW beheimatete Wiener Arbeitsstelle der Neuen Schubert-Ausgabe das längste musikwissenschaftliche Editionsprojekt an der ÖAW. Die Neue Schubert-Ausgabe hat ihren Hauptsitz in Tübingen und erscheint im Bärenreiter-Verlag in Kassel. Sie wird im Rahmen des Akademienprogramms der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Mainz) betreut und durch Mittel der Bundesrepublik Deutschland, des Landes Baden-Württemberg, der Republik Österreich, der Stadt Wien und der ÖAW finanziert. Auf Grundlage aller zur Verfügung stehenden Quellen und der neuesten Forschungsergebnisse will die Neue Schubert-Ausgabe dem spezifischen Charakter des Schubert'schen Œuvres gerecht werden. Dazu gehören die gleichberechtigt nebeneinander stehenden Fassungen eines Werkes ebenso wie die Verdeutlichung der bisweilen zahlreichen Varianten. "Auf diese Weise wird bei aller philologischen Komplexität ein Notentext erstellt, der auch der musikalischen Praxis dienen möchte", betont Aschauer.
Walburga Litschauer und Mario Aschauer betreiben als Mitarbeiter der Wiener Arbeitsstelle nicht nur klassische Editionsarbeit, sondern sind auch mit Gesprächskonzerten, Vorträgen und Präsentationen intensiv in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert. Darüber hinaus beraten sie Künstlerinnen und Künstler in Belangen der Aufführungspraxis, wie beispielsweise bei den "Schubert-Tagen" des Carinthischen Sommers.
Weitere Informationen
Kontakt:
Mario Aschauer
Wiener Arbeitsstelle der Neuen Schubert-Ausgabe
Kommission für Musikforschung
Zentrum Kulturforschungen
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Fleischmarkt 22, 1010 Wien
T +43 676 4266450
mario.aschauer@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/kmf
Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
T +43 1 51581-1218, 1219, 1229, 1235
F +43 1 51581-1227
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