Hohe Auszeichnungen für Historiker Walter Pohl
Direktor des Instituts für Mittelalterforschung erhält "ERC Advanced Grant" und wird Sprecher eines FWF-Spezialforschungsbereichs
Der wichtigste europäische Forschungspreis, der ERC Advanced Grant, geht an den Mittelalterhistoriker Walter Pohl. Der vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC) vergebene Preis fördert Pionierarbeiten auf dem Gebiet der Grundlagenforschung. "Damit wird die Geschichtswissenschaft als unverzichtbare Grundlage für das Verständnis der heutigen Welt gewürdigt", sagt Pohl, Direktor des Instituts für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Professor für Geschichte des Mittelalters an der Universität Wien.
Im Mittelpunkt der Forschungen von Walter Pohl und seinem Team steht eine der Kernfragen der internationalen Geschichtswissenschaft: Auf welchen Grundlagen bilden sich Identitäten und entwickeln sich Gemeinschaften? Das ERC-Projekt "SCIRE - Social Cohesion, Identity and Religion in Europe (400-1200)", das zum Teil an der Universität Wien und an der ÖAW durchgeführt werden wird, beschäftigt sich mit dem Frühmittelalter. "Diese Epoche bildet die Grundlage des heutigen Europas samt gegenwärtigen sozialen, ethnischen und religiösen Konflikten. Im Frühmittelalter ist viel von dem entstanden, was unsere Gesellschaft heute noch prägt: das Christentum, viele Staaten und Nationen, Kulturlandschaften, Mentalitäten, Identifikationsmuster und Feindbilder. Es ist aber andererseits entfernt genug, damit wir uns selbst gerade an den Unterschieden besser erkennen können", so Pohl. Der Wissenschafter will sich dabei auf bisher wenig erforschte Bereiche, etwa die Zusammenhänge, wie politische Gemeinschaften, religiöse Bekenntnisse und ethnische oder nationale Identitäten in unterschiedlicher Weise ineinander greifen, konzentrieren.
Sprecher eines FWF-Spezialforschungsbereiches
Auch der neue FWF-Spezialforschungsbereich "Visions of Community: Comparative Approaches to Ethnicity, Region and Empire in Christianity, Islam and Buddhism (400-1600)" steht unter der Federführung Walter Pohls. Forschungsthema ist hier die unterschiedliche Entwicklung der politischen Rolle von ethnischen und religiösen Identitäten im Christentum, im Islam und im Buddhismus. Die Ansätze sind dabei interdisziplinär. Sie verbinden Geschichte, Sozialanthropologie, Philologie sowie Kultur- und Religionswissenschaft. Beteiligt ist dabei auch das Zentrum für Asienforschung der ÖAW, insbesondere der Sozialanthropologe Andre Gingrich.
Abschlusskonferenz des Wittgensteinprojekts
2004 hatte Walter Pohl den "Wittgenstein-Preis", die höchste wissenschaftliche Auszeichnung in Österreich erhalten. Den Abschluss findet das mit den Mitteln dieses Preises finanzierte Großprojekt "Ethnische Identitäten im frühmittelalterlichen Europa" im Rahmen einer internationalen Konferenz. Die Ergebnisse werden von Donnerstag, 9. Dezember bis Samstag, 11. Dezember 2010 in der ÖAW in Wien diskutiert.
Final Conference "Ethnic Identities in Early Medieval Europe"
Public Lecture: Walter Pohl, Ethnicity: The Uses of a Concept
Webseite des Wittgenstein-Projektes
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