Frühmittelalter: Schlüssel zum Heute
Hochkarätige Tagung in Wien
Die ethnische und politische Landkarte unseres heutigen Europa hat sich im Frühmittelalter entwickelt. Der Zeitraum von 400 bis 1000 nach Christus gilt daher als "Schlüssel zum Heute". Österreichische Historiker/innen haben im Teamwork mit internationalen Expert/inn/en das Frühmittelalter erforscht. Sie präsentieren ihre Ergebnisse bei einer hochkarätigen Tagung in Wien.
"Das Frühmittelalter ist eine der fesselndsten Epochen der Weltgeschichte. Nahezu alle Völker und Staaten, die unser heutiges Europa prägen, entstanden in diesem Zeitraum raschen kulturellen und politischen Wandels. Für das Verständnis drängender gegenwärtiger Herausforderungen, wie etwa die heiß diskutierten Problemfelder Migration und Integration liefert die Erforschung dieser Epoche historische Fakten abseits nationaler Ideologien, abseits politischen Missbrauches, denn europäische Identität ist stets vielfältig gewesen", sagt Univ.-Prof. Dr. Walter Pohl, Wittgensteinpreisträger 2004 und Direktor des Instituts für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).
Unter der Leitung Pohls läuft seit 2005 bis Ende 2010 das vom Österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) durch den Wittgenstein-Preis 2004 an den international renommierten Historiker finanzierte Großprojekt "Ethnische Identitäten im frühmittelalterlichen Europa" mit einem Team durchwegs junger Wissenschaftler/innen. Bisher wurde nur die Entstehung einzelner Völker im Frühmittelalter erforscht. Das Wittgenstein-Projekt untersuchte nun erstmals die Frage, wieso im Unterschied zur klassischen Antike nun ethnische Identitäten als Grundlage der neuen Staaten dienten. Zur dreitägigen Abschlusskonferenz "Ethnic Identities in Early Medieval Europe" von 9. bis 11. Dezember 2010 im Theatersaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und am Institut für Mittelalterforschung der ÖAW in Wien werden 40 führende Experten aus Europa und den USA erwartet.
Der Wittgenstein-Preis ist - ähnlich dem deutschen Leibniz-Preis - die höchste wissenschaftliche Auszeichnung in Österreich. Die "Wiener Schule der Frühmittelalterforschung" gilt in der Erforschung ethnischer Identitäten seit Jahrzehnten als international führend. Auf welchen Grundlagen sich Identitäten bilden und Gemeinschaften entwickeln, ist insgesamt eine der Kernfragen der internationalen Geschichtswissenschaft.
Stichwort Frühmittelalter
Als "Frühmittelalter" wird die Zeit von ungefähr 400 bis 1000 n. Chr. bezeichnet. Am Beginn stehen die Umwandlung der Römischen Welt und das Ende der römischen Herrschaft in West- und Mitteleuropa. Die Übergangszeit - von etwa 400 bis 600 n. Chr. - wird als so genannte "Völkerwanderungszeit" bezeichnet. Der Niedergang der Jahrtausende alten antiken Mittelmeerkultur und die Machtübernahme in vielen Teilen des Römischen Reiches durch so genannte "barbarische" Zuwanderer ist eines der großen Themen der Menschheitsgeschichte. Immer wieder haben die dramatischen Ereignisse dieser Zeit als Modell für den Zerfall von Imperien und für die Folgen von Migrationsbewegungen gedient.
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Univ.-Prof. Dr. Walter Pohl
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