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Nanopartikel und Gesundheit

3. NanoTrust-Tagung des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung



Die 3. NanoTrust-Tagung des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) fand am 24. September 2009 in Wien statt. Sie widmete sich dem Stand des Wissens hinsichtlich möglicher Gesundheitsrisiken von künstlichen Nanomaterialien. Fünf internationale ExpertInnen stellten die EU-Forschungspolitik, die Herangehensweise des zuständigen wissenschaftlichen EU-Ausschusses, die aktuellen Nachweismethoden für Nanopartikel sowie die Ergebnisse der aktuellen toxikologischen Forschung dar. Die Tagung mit rund 80 TeilnehmerInnen zeigte, dass Risiken mit zunehmender Intensität erforscht, die Forschungsstrategien immer konkreter und die Expertisen in Europa in länderübergreifenden Projekten vernetzt werden.

Georgios Katalagarianakis (Generaldirektion Forschung der EU-Kommission) präsentierte die europäische Sicherheitsforschung zur Nanotechnologie, die mittlerweile bereits mehr als 30 Projekte mit einem Volumen von rund 75 Mio. Euro umfasst. Die Schwerpunkte liegen auf toxikologischen Studien und der Exposition (Belastung z. B. am Arbeitsplatz). Er sprach auch Wissenslücken (etwa in der Umwelttoxikologie) und organisatorische Probleme an, wie z. B. dass viele firmeninterne Forschungsdaten noch unpubliziert sind. Eine Herausforderung sind auch die langen Vorlaufzeiten von der Planung der Ausschreibungen bis zur Publikation von Ergebnissen.

Prof. Mats-Olof Mattsson stellte als Experte von SCENIHR - dem wissenschaftlichen Ausschuss der EU für neuartige Gesundheitsrisiken - die aufwändige Herangehensweise dieses ExpertInnengremiums zum Thema Risikoanalyse dar. Methodischer Kern sind die Gewichtung und der Vergleich der Forschungsergebnisse auf Basis transparenter Kriterien. SCENIHR hat seit 2006 bereits viermal zu Themen der Nanotechnologie Stellung genommen; die jüngste Stellungnahme widmete sich etwa der Risikobewertung von Nanoprodukten. SENIHR empfiehlt, eine Fall-zu-Fall-Strategie zu verfolgen.

Dr. Hermann Stamm (Gemeinsame EU-Forschungsstelle, Ispra) stellte einige der aktuellen Methoden und Techniken zum Nachweis und zur Analyse von Nanopartikeln und deren Wechselwirkungen mit Zellen dar. Das ist eine wichtige Voraussetzung für Studien zu den gesundheitlichen Wirkungen der Partikel. Alle Methoden haben ihre Vorteile und spezifischen Anwendungsgrenzen. Eine universelle Methode zum Aufspüren von Nanopartikeln und all ihren Eigenschaften, vor allem in Produkten, gibt es noch nicht. Die Ergebnisse der EU- und OECD-Forschungen zu einzelnen Nanopartikeln in diesem Bereich werden in der öffentlich zugänglichen Datenbank NAPIRAhub gesammelt.

Dr. Katja Nau (Forschungszentrum Karlsruhe) gab einen Einblick in die Ergebnisse des deutschen Nanotoxikologie-Projekts NanoCare. Zellstudien zu insgesamt elf Nanomaterialien wurden durchgeführt. Die Experimente wurden mit unterschiedlichen Methoden, aber denselben zwölf verschiedenen Zellkulturtypen in mehreren Laboren durchgeführt und miteinander verglichen. Die Toxizität variiert stark, je nach Partikel- und Zelltyp und Testmethode, so spielt etwa die Löslichkeit der Nanopartikel eine entscheidende Rolle.

Abschließend stellte Dr. Wolfgang Kreyling (HelmholtzZentrum München) Studien zur Aufnahme und Verteilung von Nanopartikeln im Körper von Versuchstieren vor. Es gibt auch schon erste Ergebnisse von toxikologischen Studien, etwa zu Auswirkungen auf die Herzfunktionen, die Leber oder die Plazenta. Die Partikel verbreiten sich im Körper abhängig von ihrer Größe, dem Material und den Oberflächeneigenschaften, wobei es einen Unterschied macht, über welchen Weg sie in den Körper gelangen. Über die Bedeutung der biologischen Wirkungen wird noch geforscht. Langzeitmessungen sind die nächste große Herausforderung.

NanoTrust ist ein vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) von 2007 bis 2010 gefördertes Projekt, das das Wissen zu Gesundheits- und Umweltrisiken, Regulierungsfragen und gesellschaftlichen Aspekten zusammenträgt und für EntscheidungsträgerInnen in Politik und Verwaltung, für die Forschung und die interessierte Öffentlichkeit schriftlich und in Veranstaltungen aufbereitet.


EU und Nano I
EU und Nano II
SCENIHR
NAPIRAhub
NanoCare
HelmoltzZentrum
NanoTrust-Herbsttagung 2009


Kontakt:
Sabine Stemberger
Institut für Technikfolgen-Abschätzung
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
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sstem@oeaw.ac.at
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