Elisabeth Lichtenberger mit Würdigungspreis des Landes Niederösterreich ausgezeichnet
Hohe Auszeichnung für Grande Dame der Geographie
Elisabeth Lichtenberger, wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Grande Dame der Geographie in Österreich, wurde mit dem Würdigungspreis des Landes Niederösterreich für Wissenschaft ausgezeichnet. Mit der Verleihung der Wissenschaftspreise ehrt und fördert das Land Niederösterreich herausragende Wissenschafter(innen), die durch ihre Arbeiten einen wesentlichen Beitrag zur wissenschaftlichen Eigenständigkeit des Landes Niederösterreich leisten.
Würdigung durch Heinz Fassmann,
Direktor des Instituts für Stadt- und Regionalforschung und Obmann der Kommission für Migrations- und Integrationsforschung der ÖAW:
Elisabeth Lichtenberger wurde als erste Frau in Österreich auf ein Ordinariat für Geographie berufen, als erste Frau ihres Faches zum wirklichen Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaft gewählt und als erste Frau in die Kurie für Wissenschaft aufgenommen. Elisabeth Lichtenberger ist in vielen Bereichen Pionierin, Vorreiterin und Trendsetterin. Sie kam 1925 in Wien Ottakring in bescheidenen Verhältnissen zur Welt und besuchte dort auch die Pflichtschule und später das Gymnasium. Selbstdisziplin, Ehrgeiz, ein enormer Lernwille und eine gewisse Form der Nichtanpassung an Autoritäten oder gesellschaftliche Normen haben sie sehr rasch zu einem Lebensentwurf geführt, der für ihre Altersklasse ungewöhnlich war. Sie hat die unterschiedlichen Rollen als Ehefrau, Mutter und erfolgreiche Wissenschaftlerin angenommen und miteinander in Abstimmung gebracht, lange bevor Quoten oder gesellschaftliche Leitbilder für eine bessere Vereinbarkeit sorgten.
Die weiteren, wesentlichen Etappen der Karriere Elisabeth Lichtenbergers sind rasch aufgezählt: 1946 Anstellung als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Geographie der Universität Wien (bis 1955) und gleichzeitig Studium der Geologie, Biologie, Geographie, Geschichte und Kunstgeschichte. 1948 legte sie die Lehramtsprüfung in Geographie und Geschichte (nach Studienverkürzung) ab, ein Jahr später erfolgte die Promotion in Geographie und Geologie. Hans Bobek offerierte ihr 1955 eine freigewordene Assistentenstelle. 1965 wurde sie für das Gesamtgebiet der Geographie mit einer statistisch-physiognomischen Analyse über die Geschäftsstraßen Wiens habilitiert. 1971 erfolgte die Verleihung des Titels "Außerordentlicher Professor", 1972 die Ernennung zur ordentlichen Universitätsprofessorin und Leiterin des Lehrstuhls für Geographie, Raumforschung und Raumordnung. Dazwischen eingefügt haben sich die privaten Ereignisse (Heirat 1951, Geburt der Kinder 1952 und 1956) und zahlreiche Aufenthalte an ausländischen Universitäten (Kent in Ohio; Ottawa; Erlangen und Berkeley in Kalifornien).
Elisabeth Lichtenberger hat sich im Laufe ihres Forscherlebens mit unterschiedlichen Themen befasst: mit Österreich und Europa, dem Hochgebirge und der Stadt, mit der Zuwanderung und dem Leben in zwei Gesellschaften und mit der stadtregionalen Entwicklung in Wien, in den USA und in Niederösterreich. Sie hat sich dabei mit der Pendelwanderung in Niederösterreich ebenso befasst wie mit den Zweitwohnungen im städtischen System. Ihre Fragestellungen behandelten dabei keine Detailprobleme, ihre Themen entbehrten niemals gesellschaftliche Relevanz und ihre Forschung war niemals eine Nacherzählung dessen, was andere vor ihr schon formuliert hatten. Das Herangehen an zentrale Fragestellungen, das Fehlen ideologischer Scheuklappen und eine Denkweise, die zuerst das Problem in den Mittelpunkt stellt, sind Kennzeichen ihres wissenschaftlichen Arbeitens.
Elisabeth Lichtenberger hat insgesamt 20 Monographien verfasst und über 230 Aufsätze in Zeitschriften und Sammelbänden veröffentlicht. Sie ist Mitglied der Academia Europaea, der British Academy, der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie Ehrenmitglied in den Geographischen Gesellschaften von Österreich, Ungarn und Italien und der Royal Geographic Society. Die Heimatstadt Wien dankte ihr für ihr jahrzehntelanges Engagement mit der Goldenen Ehrenmedaille. Zwei Ehrendoktorate, verliehen von den renommierten Universitäten Leipzig und Chicago, und nun auch der Würdigungspreis des Landes Niederösterreich sind Symbole der Anerkennung der Scientific Community für ihr außergewöhnliches Lebenswerk.
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