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10.06.2009

Gemeinsame Geschichte besser verstehen

Tagung nimmt Anfänge islamischen
und westlichen Kulturraumes unter die Lupe



Die gemeinsame Geschichte des islamischen und westlichen Kulturraumes begann in der hellenistisch-römischen Mittelmeerwelt. Erstmals nimmt eine hochkarätige Tagung in Wien diese verknüpften Anfänge unter die Lupe. Der viertägige Kongress startet am Mittwoch, 17. Juni 2009. Erwartet werden 40 führende Experten aus Europa und den USA. Organisiert wird die Tagung vom Wittgenstein-Projekt "Ethnische Identitäten im frühmittelalterlichen Europa" mit Sitz in der Bundeshauptstadt.

Der Kongress hat den Titel "Visions of Community: Ethnicity, Religion and Power in the Early Medieval West, Byzantium and the Islamic World". Die Tagung ist eine wissenschaftliche Premiere. Im Zentrum steht die Frage, "weshalb im islamischen und westlichen Kulturraum Gemeinschaften auf verschiedenen Grundlagen entstanden, denn ihre Ausgangsbasis war ähnlich. In der römischen Antike herrschte im gesamten Mittelmeerraum eine einheitliche politische Kultur", sagt Univ.-Prof. Dr. Walter Pohl, Wittgensteinpreisträger 2004 und Direktor des Instituts für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), an der das Wittgenstein-Projekt als eines der international renommiertesten Großforschungsprojekte Österreichs im Feld der Humanities läuft.

Ganz neues Forschungsfeld

Weshalb wurden vor 1500 Jahren in Europa Völker Grundlage politischer Macht? Dieser Frage gehen die Wissenschaftler bei der Tagung nach. In der Epoche nach dem Ende Roms entstanden die Reiche der Franken, Angeln, Dänen, Ungarn und viele andere, Staaten, die nach Völkern benannt sind und bis heute die politische Landkarte Europas prägen. Auch wenn das noch keineswegs einheitliche Nationen waren: Der lange Weg zur modernen Nation hat im Frühmittelalter seinen Anfang genommen. Die christliche Religion hat diese Staatenvielfalt legitimiert.

Im östlichen Mittelmeerraum dagegen behauptete Byzanz in der Nachfolge des Römischen Reiches die Herrschaft über viele Völker. Der Kaiser beanspruchte zugleich höchste religiöse Autorität und wollte damit über den ethnischen Gruppen stehen. Die arabischen Stämme, die in wenigen Generationen in weitem Raum zwischen Spanien und Afghanistan die Macht ergriffen, taten das auch nicht im Namen ihrer ethnischen Identität. Es war der Islam, der die Grundlage des neuen Weltreiches schuf. Im islamischen Kalifat war - so wie in Byzanz und anders als im lateinischen Europa - die höchste Autorität weltlich und religiös zugleich.

Thema der Tagung sind daher Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Entstehung, Selbstwahrnehmung und Selbstdefinition von ethnischen, religiösen und anderen Gemeinschaftsformen in diesen drei verschiedenen Kulturräumen: verschiedene Visionen von Gemeinschaft. Teilnehmer des Kongresses sind international führende Experten der Sozialanthropologie, Byzantinistik, Alten Geschichte, Islamwissenschaft, Orientalistik, Theologie und Archäologie.

"Die lange gemeinsame Geschichte des islamischen und westlichen Kulturraumes ist von Konfrontationen und Vorurteilen, aber auch von Toleranz und Austausch geprägt. Aktuellen Diskussionen kann dieses neue Forschungsfeld eine fundierte Basis bieten", betont Pohl. "Aufgabe der Geschichtswissenschaft ist Wachsamkeit. Sämtlichen Versuchen einer Aneignung von Vergangenheit, durch die bestimmte Gruppen aus dieser gemeinsamen Historie ausgeschlossen oder in den Hintergrund gedrängt werden sollen, müssen wir entgegenwirken. Unsere Geschichte - in Europa und anders wo - ist stets eine gemeinsame Geschichte gewesen", erklärt der Historiker.

In der Erforschung ethnischer Identitäten gilt die "Wiener Schule der Frühmittelalterforschung" seit Jahrzehnten als international führend. Das vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) durch den Wittgenstein-Preis 2004 an Walter Pohl finanzierte Großprojekt "Ethnische Identitäten im Frühmittelalter" läuft am Institut für Mittelalterforschung der ÖAW mit einem Team durchwegs junger Wissenschaftler/innen.


Internationaler Kongress
"Visions of Community: Ethnicity, Religion and Power in the Early Medieval West, Byzantium and the Islamic World"
Mittwoch, 17. 06. 2009, 9.00 Uhr - Samstag, 20.06.2009, 18.00 Uhr
Theatersaal der ÖAW, Sonnenfelsgasse 19, 1010 Wien


Tagungsankündigung
Tagungsprogramm [PDF]
Weitere Tagungsinformationen


Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. Walter Pohl
Institut für Mittelalterforschung
Wittgenstein-Projekt
Wohllebengasse 12-14, A-1040 Wien
T +43 1 51581-7240
E office.gema@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/gema/wittg_pro/wittg_pro_org.htm

Mag. Gabriele Rampl
Public Relations Wittgenstein-Projekt
Kurzgasse 3/10, A-1060 Wien
T +43 (0) 650 2763351
E office@scinews.at
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