Suche      Home      Kontakt      Sitemap      English
17.07.2009

Fundamentaler Pneumonie-Abwehrmechanismus entdeckt

Publikation im "Journal of Immunology"



Wissenschaftler am CeMM in Kooperation mit dem Institut für Medizin I, Abteilung für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin, und dem Klinischen Institut für Pathologie der Medizinischen Universität Wien konnten einen Pneumonie-Immunabwehrmechanismus identifizieren, in dem TREM-1 eine entscheidende Rolle spielt, ein prominenter Verstärker von Entzündungsreaktionen infolge mikrobieller Infektionen. Pneumonie (Lungenentzündung) stellt weltweit eine ernstzunehmende gesundheitliche Bedrohung dar und ist daher von zentralem klinischem Interesse. Die von CeMM Forschungsgruppenleiterin Sylvia Knapp koordinierte Studie ist vor Kurzem online im "Journal of Immunology" veröffentlicht worden.

Omar Sharif, wissenschaftlicher Mitarbeiter am CeMM und gemeinsam mit Heimo Lagler Erstautor der Studie, fasst die neuen Erkenntnisse zusammen: "Der Gehalt an TREM-1 Molekülen steigt in Pneumonie-Patienten, die sich mit dem Erreger Streptococcus pneumoniae infiziert haben, deutlich an. Daraufhin verstärkt TREM-1 die frühe Immunantwort gegen den Erreger, fördert dessen Eliminierung und kontrolliert die anschließende Terminierung der begleitenden Entzündungsreaktion, was schlussendlich zu einer verbesserten Überlebensrate in Maus-Modellstudien führt. Des Weiteren konnten wir die für diesen Prozess entscheidenden Zelltypen und die genaue Kinetik identifizieren, vom Anfang bis zur Terminierung dieses Immunabwehrprozesses und der anschließenden Beseitigung der Krankheit. Daher können wir nun erstmals schlussfolgern, dass TREM-1 für die angeborene Immunabwehr von S. pneumoniae Erregern unabkömmlich ist." Sylvia Knapp, korrespondierende Autorin der Studie, fügt hinzu: " Die in dieser Studie beschriebenen Ergebnisse repräsentieren den ersten Bericht über eine positive Funktion von TREM-1 im Kontext eines klinisch relevanten Modells bakterieller Infektion."

TREM-1 ist ein Oberflächenrezeptor-Eiweißstoff, dessen Ligand noch immer verborgen bleibt und es ist nur wenig über seine genaue biologische Funktion bekannt. Dennoch ist dieser Rezeptor als prominenter Verstärker von Entzündungsreaktion auf mikrobielle Infektionen bekannt, die ernste Krankheiten wie Sepsis (Blutvergiftung) oder Pneumonie (Lungenentzündung) auslösen. Da diese Leiden jährlich Millionen von Todesopfern fordern, stehen sie im Mittelpunkt des klinischen Interesses und therapeutische TREM-1-Inhibitoren werden bereits zur Kontrolle von Sepsis in Betracht gezogen. Gemessen an der Bedeutung infektiöser Atemwegserkrankungen, wie beispielsweise Pneumonie als Hauptursache der Sepsis, verdiente die Klärung der unbekannten Funktion von TREM-1 während Pneumonie-Erkrankungen sorgfältigste Aufmerksamkeit. Diese Studie stellt einen entscheidenden Durchbruch in dieser Richtung dar.

"Besonders in Anbetracht jüngster Überlegungen bezüglich eines möglichen therapeutischen Nutzens von TREM-1-Inhibitoren während systemisch - bakteriellen Infektionen (z.B. Sepsis) mahnen diese neusten Erkenntnisse jedoch zu Vorsicht, denn eine therapeutische Blockade von TREM-1 könnte fatale Konsequenzen für Pneumonie-Patienten und möglicherweise auch andere Erkrankungen mit sich bringen", folgert Sylvia Knapp.

CeMM - Forschungszentrum für Molekulare Medizin

CeMM, das Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ist eine internationale, unabhängige und interdisziplinäre Forschungseinrichtung im Bereich der Molekularmedizin. "Von der Klinik in die Klinik": CeMM verfolgt eine anwendungsorientierte Forschung auf dem Gebiet der Molekularmedizin durch die Zusammenführung und gegenseitige Beeinflussung von Grundlagen- und klinischer Forschung, wobei Krebs, Entzündungsprozesse und immunologische Krankheiten zu den wichtigsten Forschungsgebieten zählen. Zurzeit beschäftigt CeMM sechs international rekrutierte Principal Investigators und rund 70 weitere Wissenschaftler. Im Jahr 2010 wird CeMM in ein neues, maßgeschneidertes Gebäude im Herzen des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (AKH) einziehen, das ca. 100 Forschern und Forscherinnen Platz bieten wird.


Publikation:
TREM-1 Activation Alters the Dynamics of Pulmonary IRAK-M Expression In Vivo and Improves Host Defense during Pneumococcal Pneumonia. Heimo Lagler, Omar Sharif, Isabella Haslinger, Ulrich Matt, Karin Stich, Tanja Furtner, Bianca Doninger, Katharina Schmid, Rainer Gattringer, Alex F. de Vos and Sylvia Knapp, J Immunol. 2009, online veröffentlicht am 13. Juli 2009.
doi:10.4049/jimmunol.0803862


Press Release English [PDF]


Kontakt:
Sylvia Knapp, MD, PhD
T +43 1 40400-5139
sknapp@cemm.oeaw.ac.at
www.cemm.oeaw.ac.at


Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
T +43 1 51581-1218, 1219, 1229, 1235
F +43 1 51581-1227
public.relations@oeaw.ac.at