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20.07.2009

Arktis: Quecksilberbelastung steigt stetig

Diesjährige Arktis-Expedition startet



Am 22. Juli 2009 startet die diesjährige Arktis-Expedition im Rahmen der österreichisch-kanadischen Forschungskooperation "High-Arctic". Günter Köck (ÖAW und Universität Innsbruck) und seine Kollegen werden die Anreicherung von Schwermetallen und persistenten organischen Schadstoffen in den arktischen Seen untersuchen.

Im Zuge des Langzeitprojekts "High-Arctic" untersuchen die Wissenschaftler die Belastung mit Schwermetallen und organischen Schadstoffen der in den Seen der kanadischen Arktis beheimateten Seesaiblinge. Die Fische erweisen sich als zuverlässige Bioindikatoren für globale Klimaveränderungen. Zusätzlich werden Sedimentbohrungen durchgeführt, die Aufschluss über die Schadstoffbelastungen der letzten Jahrhunderte geben sollen.

Das besondere Interesse der Forscher gilt dem Quecksilber. Das hochgiftige Schwermetall gelangt über die Atmosphäre in die Seen. Mit fatalen Folgen: Durch die Klimaerwärmung wird das in die Arktis eingetragene anorganische Quecksilber durch mikrobielle Aktivität verstärkt in die anorganische Form Methyl-Quecksilber umgebaut, das von den Organismen leicht aufgenommen werden kann. Durch die erhöhte Bioverfügbarkeit reichert sich Quecksilber immer stärker in der Nahrungskette an und gelangt etwa durch den Verzehr belasteter Fische in die Körper der Menschen. Köck: "So wurde in vielen Gebieten der Arktis bei Inuits, deren traditionelle Nahrung, etwa Walspeck, generell höhere Schadstoffkonzentrationen aufweist, bereits eine erhöhte Quecksilberkonzentration festgestellt, die vor allem für Schwangere und Kinder ein erhöhtes Gesundheitsrisiko darstellt."

Auswirkung auf das Hormonsystem?

Im Zentrum des Interesses steht heuer der Amituk Lake auf Cornwallis Island. In diesem See wurde in den letzten 20 Jahren ein stetiger Anstieg der Quecksilberbelastung der Seesaiblinge festgestellt. Teilweise liegen die Konzentrationen erheblich über den in Kanada zum Verzehr der Fische zulässigen Grenzwerten. Im Zentrum der Untersuchungen stehen auch die so genannten bromierten Flammschutzmittel wie etwa PBDE (polybromierte Diphenylether), deren Konzentration bei den Fischen in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. Über die langfristigen ökologischen und gesundheitlichen Auswirkungen dieser Stoffe ist noch relativ wenig bekannt, sie stehen jedoch im Verdacht in den tierischen und menschlichen Hormonhaushalt (zum Beispiel Sexualhormone) einzugreifen.

Bis Anfang August 2009 werden zwei Teams in rund zehn Seen auf drei Inseln im äußersten Norden Kanadas Seesaiblinge, Wasser, Seesedimente sowie Plankton untersuchen. Ausgangspunkt ist die Polar Continental Shelf-Forschungsstation in Resolute Bay. Aufgrund der Ähnlichkeit der Ökosysteme lassen sich die Ergebnisse aus der Arktis auf alpine Hochgebirgsseen übertragen. Köck: "Hochgebirgsseen haben ein ähnliches Ökosystem wie arktische Seen und reagieren gleich sensibel auf Umweltveränderungen."

Das Projekt "High Arctic" ist über das "Global Change-Programm" der ÖAW in das internationale "Geosphere Biosphere Programm" eingebunden. In Kanada wird es vom Polar Continental Shelf Project, dem Northern Contaminants Program und Parks Canada unterstützt. Geleitet wird das Langzeitprojekt von Günter Köck und Derek Muir (Environment Canada, Burlington).


Kontakt:
Dr. Günter Köck
Nationale und internationale Programme
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
T +43 1 51581-1271
F +43 1 51581-1275
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www.oeaw.ac.at


Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
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F +43 1 51581-1227
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