Rettung des 27.000 Jahre alten Fundplatzes von Krems-Wachtberg
Grabungen können fortgesetzt werden
Dank der spontanen Zusage des NÖ-Landeshauptmannes Erwin Pröll am 8.August 2008 beim "Venusfest" in Willendorf können die Grabungen am Wachtberg von Krems fortgesetzt werden. Das Archäologenteam der Österreichischen Akademie der Wisenschaften um Christine Neugebauer-Maresch hatte als letztmöglichen Schritt einen Hilferuf an die Öffentlichkeit gerichtet, da die Fundstelle durch Hausbauten zwar nicht zerstört, aber weiteren Grabungen völlig entzogen worden wäre. Seitens des Denkmalschutzes besteht keine Möglichkeit eines Eingreifens, die Fundstelle wäre für immer versiegelt und für die Wissenschaft unzugänglich gemacht worden.
Ein über die Presse kommunizierter Offener Brief, begleitet durch eine Liste namhafter Proponenten wurde an den Bundespräsidenten Heinz Fischer, an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur Claudia Schmied, den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung Johannes Hahn und an den Landeshauptmann Erwin Pröll gerichtet. Von allen Angeschriebenen kamen kurz danach positive Stellungnahmen.
Durch die unmittelbare Zusage von Erwin Pröll konnten die Verhandlungen wieder aufgenommen und zu einem positiven Abschluss gebracht werden. Die vielversprechende Fundzone wird durch eine durch das Land NÖ finanzierte Unterkellerung von 8x10 m gesichert, sodass sowohl darüber der Hausbau durch die Grundeigentümer erfolgen kann als auch in diesem Keller befristet auf sieben Jahre weitere Ausgrabungen durchführbar sind. Das Land NÖ wird Eigentümer der Funde und ihre Präsentation soll in Krems erfolgen.
Dass das Gebiet der heutigen Stadt Krems schon seit jeher ein begehrter Platz zum Leben und Wohnen ist, wurde spätestens seit den sensationellen Ausgrabungsergebnissen der Prähistorischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften klar: der meterhohe Löß am Südhang über dem Pulverturm, dem so genannten Wachtberg, barg nicht nur reichliche Besiedlungsspuren aus der letzten Eiszeit, sondern gab zum besonderen Erstaunen aller die ältesten Gräber, die je in Österreich gefunden wurden, frei. Als "Zwillinge von Krems" kamen die um die Geburt verstorbenen und liebevoll unter dem Schulterblatt eines Mammuts begrabenen Babys weltweit in die Presse. Durch die neuesten Forschungen zeigen sich auch Anzeichen dafür, dass es sich nicht nur um ein saisonal aufgesuchtes Lager handelt, sondern dass hier Menschen - zum ersten Mal in der Geschichte von Krems - auch längere Zeit verweilten, somit die ersten Ansätze einer Sesshaftigkeit zeigten. Zu den reichen Funden zählen die verschiedensten Werkzeuge aus Stein und Knochen, Geschossspitzen, Schmuckstücke aus gelochten Zähnen von Wölfen oder Eisfüchsen, Elfenbeinnadeln und auch das Bruchstück einer kleinen tönernen Tierfigur. Dieses ist zusammen mit den seinerzeit von Josef Bayer 1930 ausgegrabenen aber nicht erkannten Stücken der älteste Nachweis von Tierplastiken in Österreich.
Pressebilder
Forschungsarbeiten am Kremser Wachtberg in Gefahr (Pressetext vom 08.08.2008)
Kontakt:
Dr. Christine Neugebauer-Maresch
Prähistorische Kommission
Österreichische Akademie der Wissenschaften
1010 Wien, Fleischmarkt 22
T +43 1 51581-2404
M +43 664 73642059
christine.neugebauer-maresch@oeaw.ac.at
www.oeaw.ac.at/praehist
Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
T +43 1 51581-1218, 1219, 1229, 1235
F +43 1 51581-1227
public.relations@oeaw.ac.at

