Suche      Home      Kontakt      Sitemap      English

Haben Gebirgsräume noch eine Zukunft?

COST Strategic Workshop 7. bis 9. April 2008



Im internationalen "COST Strategic Workshop: Global Change and Sustainable Development in Mountain Regions" tagen Wissenschafter vom 7. bis 9. April 2008 in Innsbruck zum Thema "Zukunftsfragen der Gebirge im Spannungsfeld von Klimawandel und Nachhaltigkeit". Denn der Klimawandel trifft die Alpen stärker als andere Regionen Europas. Am 7. April 2008 fandet anlässlich der Tagung eine Pressekonferenz statt.

Was sind die brennenden Fragen, die die Gebirgsforschung in den nächsten Jahren klären soll? Welche Kooperationen sind dafür nötig, und wer kann die Arbeit finanzieren?

Um diese Themen geht es im Congress Innsbruck, das von der Forschungsorganisation COST (Europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen und technischen Forschung) zum Schauplatz der Konferenz "Globale Veränderungen und nachhaltige Entwicklung der Bergregionen" auserkoren wurde. Mehr als 300 Experten aus Europa, Asien, Nord- und Südamerika sowie Afrika nehmen daran teil.

Erstmals Strategie-Konferenz für EU-Forschungsprogramme in Innsbruck

Als eine der ersten strategischen COST-Konferenzen veranstalten das Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) in Wien und die Forschungsstelle für Gebirgsforschung: Mensch und Umwelt (IGF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Innsbruck diese Tagung. "Tirol findet damit international immer mehr Beachtung als Zentrum der Gebirgsforschung", sagte IGF-Direktor Professor Axel Borsdorf.

Klimawandel hat besonders starken Einfluss auf die Gebirgsräume

Im Zentrum der Konferenz steht der Zusammenhang zwischen den globalen Veränderungen und der nachhaltigen Entwicklung der Bergregionen. Denn der Klimawandel trifft die Bergregionen stärker als andere Regionen Europas. Immerhin wird geschätzt, dass sich das Klima in den Alpen in den nächsten Dekaden drei Mal so rasch erwärmt wie im "flachen Land".

"Europas Bergregionen werden oft als das 'unterschätzte ökologische Rückgrat Europas' bezeichnet, das viele wichtige Zentren hoher Biodiversität und Naturnähe beherbergt", darauf wies Dr. Harald Mauser, Leiter des BFW, hin. Die Alpen sind das Wasserschloss Europas! Als Quellgebiete und Zwischenspeicher liefern sie einen Großteil des verfügbaren Trinkwassers. So profitieren beispielsweise Menschen noch in Rotterdam durch den Rhein vom Wasserreichtum der Alpen.

Der globale ökonomische und soziale Wandel betrifft die Menschen besonders in den Gebirgen. Die meisten europäischen Städte befinden sich zwar außerhalb der Berge, sind aber indirekt von den Ressourcen der Gebirge abhängig. Weltweit gesehen sind viele Gebirge dicht besiedelt. In Südamerika liegt weit mehr als die Hälfte der Großstädte über 2000 Meter Höhe.

Erst im März legte der französische Vorsitz der Alpenkonvention ein Diskussionspapier für einen Aktionsplan "Klimaschutz Alpen" vor. Die Umweltminister der Alpenländer sollen den Aktionsplan im Frühling 2009 verabschieden. Dass die Situation ernst ist, zeigen auch Aktivitäten von professionellen Studienreisen-Anbietern, in denen die Reiseteilnehmer durch Naturbeobachtungen die Zeichen des Klimawandels in den Alpen zu erkennen lernen.

"Denn bei den Bergregionen handelt es sich um höchst sensible Ökosysteme, die zwar einiges an Außeneinwirkungen verkraften, jedoch auch rasch aus dem Gleichgewicht geraten können. Daher ist es erfreulich, dass Österreich inzwischen im europäischen Umfeld bei der Förderung der Gebirgsforschung eine Vorreiterrolle eingenommen hat", meinte anerkennend Astrid Björnsen-Gurung von der Mountain Research Initiative.

Damit die Forschungspolitik die Gebirge nicht vergisst!

Als Ergebnis des "COST Strategic Workshop" soll konkret auf die Forschungsprogramme der Europäischen Union Einfluss genommen werden. Denn es gibt weit mehr innovative Projektideen als Finanzmittel. So wurden beim jüngsten Aufruf des Alpenraumprogramms der EU etwa 140 innovative Projektideen eingereicht, über deren endgültige Annahme nach den finanziellen Möglichkeiten erst entschieden werden wird.

Vor dem Eindruck des globalen Wandels erfordert die weltweite, nachhaltige Sicherung von Lebens- und Wirtschaftsräumen in Gebirgsregionen zunächst eine umfassende Betrachtung der verschiedenen Zukunftsfragen. In der Tagung sollen mittel- und langfristige Forschungsstrategien entwickelt werden, die zu Lösungen für Gesellschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft beitragen und damit entscheidende Impulse zum nachhaltigen Schutz für alle Gebirgsräume der Welt setzen.

Mehr als 300 Experten werden die offenen Forschungsfragen identifizieren, deren Beantwortung zur Entwicklung von neuen Methoden und Theorien führen werden. Um die brennenden Fragen zu lösen, erfordert es die wissenschaftliche Zusammenarbeit über disziplinäre Grenzen hinweg. Bei der internationalen Vernetzung dieses Forschungsgebietes stößt die nationale Finanzierung an ihre Grenzen.

Inhaltlich geht es in der Konferenz um folgende Hauptthemen, die alle europäischen Gebirge (Alpen, Karpaten, Balkan und die skandinavischen Gebirge) betreffen: Landnutzung im globalen Kontext, Wasser und Ökosysteme, nachhaltigen Tourismus und nachhaltigen Transport.

Schließlich werden die Teilnehmer in den nachmittäglichen Workshops Szenarien des globalen Wandels diskutieren. "Genau zu diesen Themen erwarten sich die betroffenen gesellschaftlichen Gruppen wissenschaftliche Unterstützung", fordert Tirols Landesforstdirektor Dr. Hubert Kammerlander.

Einige Forschungsprogramme fördern nur "strategische" Projekte. Der "COST Strategic Workshop" in Innsbruck meidet das Modewort "strategisch" nicht: Er will aber keinen Ideologiestreit führen, sondern Überzeugungsarbeit leisten und zwar bei den europäischen Forschungsförderungsinstitutionen. "Ziel ist es daher, mit zahlreichen Projektideen einen neuen Schwerpunkt im Rahmen von COST zu initiieren. Das könnte es erleichtern, im kommenden EU-Rahmenprogramm Gebirgsforschung verstärkt einzubringen", zeigte Günter Siegel vom Brüsseler COST Office Perspektiven auf.

Nach Abschluss der Konferenz wird es ein umfassendes Dokument mit den Tagungsergebnissen geben. Darin sind die Inhalte der Vorträge sowie die einzelnen Diskussionsbeiträge aus den nachmittäglichen Workshops zusammengefasst. So soll für die Zukunft ein hilfreiches Instrument zur Verfügung stehen, mit dem die Entscheidungsträger in den Brüsseler Büros und anderswo überzeugt werden können, dass es noch nicht zu spät ist, aber bald zu spät sein kann für eine große Initiative zur Nachhaltigkeitsforschung in den Alpen und anderen Gebirgen.

Dieser Workshop wird finanziell stark gefördert von COST, der Europäischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen und technischen Forschung (COoperation in the field of Scientific and Technical Research). COST umfasst mittlerweile 34 Mitgliedstaaten (davon die 27 EU-Mitglieder) und bezeichnet ein zwischenstaatliches Rahmenwerk für Europa. Dieses koordiniert die internationale Kooperation zwischen national geförderten Forschungsaktivitäten zu derzeit neun Themenfeldern.



Weitere Informationen zur Tagung
Thema des Monats "Gebirgsforschung"


Kontakt:
Mag. Thomas Mösl
Forschungsstelle für Gebirgsforschung
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
6020 Innsbruck, Technikerstrasse 21a
T +43 512 507-4946
M +43 650 5074946
thomas.moesl@oeaw.ac.at

Dipl.-Ing. Christian Lackner
Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum
für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8
T +43 1 87838-1218
M +43 664 8412702
christian.lackner@bfw.gv.at


Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
T +43 1 51581-1218, 1219, 1229, 1235
F +43 1 51581-1227
public.relations@oeaw.ac.at